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Affenpocken breiten sich aus: „Wird weitere Fälle in Deutschland geben“

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Von: Julia Thielen

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Die Affenpocken wurden bislang bei drei Menschen in Deutschland nachgewiesen. Eine besorgniserregende Infektionslage ist laut Experten unwahrscheinlich.

Nach dem Bekanntwerden mehrerer Fälle von Affenpocken nun auch in Deutschland, ist die Wahrscheinlichkeit offenbar hoch, dass sich das Virus weiter ausbreitet. Bislang blicken Mediziner und andere Experten dennoch entspannt auf die Infektionslage. Grund ist vor allem der größtenteils milde Verlauf der Krankheit.

„Ich bin überzeugt, dass es insgesamt noch weitere Fälle in Deutschland geben wird“, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der infektiologischen Klinik des Schwabinger Krankenhauses auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Hier ist der Patient stationiert, bei dem erstmals in Deutschland Affenpocken nachgewiesen worden waren.

KrankheitAffenpocken/Affenpocken-Virus
Ausbruch in Europaab Mai 2022
Erster Fall in Deutschland19. Mai 2022
Symptomeplötzliches Fieber, Hautveränderungen

Affenpocken-Ausbreitung: „Wird weitere Fälle in Deutschland geben“

Neben ihm gibt es mittlerweile (Stand: 22. Mai) zwei weitere bestätigte Infektionen in Deutschland. Experten gehen davon aus, dass es nicht die letzten gewesen sind. Nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen liegen Hinweise „auf mögliche Kontakte von Personen mit dem Affenpockenvirus“ vor.

Diesen Hinweisen werde nachgegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Samstag. Das Landeszentrum für Gesundheit stehe in engem Austausch mit dem Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) am Robert Koch-Institut (RKI).

Affenpocken: Keine größere Ansteckungswelle zu erwarten

Eine große Ansteckungswelle sei dennoch nicht zu erwarten. Davon gehen aktuell sowohl die behandelnden Ärzte des Patienten in München als auch die Behörden in Berlin aus, die am Samstag zwei Fälle der seltenen Infektion gemeldetr hatten.

Allen drei Patienten soll es den Umständen entsprechend gut gehen. Der Fall aus München war bereits am Freitag bekannt geworden. Der 26-jährige Patient stammt aus Brasilien. Er war von Portugal über Spanien nach München gereits und hatte sich auch in Düsseldorf und Frankfurt am Main aufgehalten.

Affennpocken-Fälle in Deutschland: Ausbruch ist ungewöhnlich

Der Münchner Affenpocken-Erkrankte hat sich mit der sogenannten westafrikanischen Variante des Virus angesteckt. Diese gilt als die mildere der beiden Virus-Varianten. Anzeichen auf der Haut zählen zu den deutlichsten Symptomen. Welche Form die Berliner Patienten haben, ist bislang nicht bekannt. Eine entsprechende Genanalyse läuft offenbar.

Dass die Affenpocken in diesem Ausmaß in Europa und Nordamerika ausbrechen gilt als äußerst ungewöhnlich. Den letzten Ausbruch außerhalb Afrikas hatte es 2003 in den USA gegeben. Damals war das Virus mutmaßlich von Nagetieren aus Ghana eingeschkeppt und durch den Kontakt mit Präriehunden letztlich auf Menschen übertragen worden. Damals gab es laut RKI weder eine Übertragung von Mensch zu Mensch, noch Todesfälle.

Affenpocken: Westafrikanische Variante - Krankheit hat meist milden Verlauf

„Allgemein geht man davon aus, dass die westafrikanischen Affenpocken eine Sterblichkeit von insgesamt einem Prozent haben, das betrifft vor allem Kinder unter 16 Jahren“, sagte Wendtner. Diese Daten seien aber nicht zwingend auf das Gesundheitswesen in Europa und den USA übertragbar. „Bei uns wäre die Sterblichkeit eher niedriger anzusetzen.“ Affenpocken hätten daher, „meines Erachtens nicht das Potenzial, die Bevölkerung massiv zu gefährden.“

Vorsicht sei bei immungeschwächten Patienten geboten. Es werde derzeit diskutiert, ob Risikogruppen deshalb mit einer Pocken-Impfung geschhützt werden könnten. Seit 2013 ist in der EU demnach der Impfstoff Imvanex zugelassen. Mit dem Medikament Tecovirimat gibt es zudem eine in der EU zugelassene Therapiemöglichkeit für die Affenpocken-Erkrankung.

Ausbreitung der Affenpocken: Immer mehr Länder melden Fälle

Derweil steigt die Zahl der Länder, die Nachweise der seltenen Infektionskrankheit melden. Am Samstag teilte das Kanton Bern mit, dass in der Schweiz ein erster Fall nachgewiesen wurde. Auch in Israel ist ein Test nach Angaben des Gesundheitsministeriums positiv ausgefallen. In Australien, Kanada und den USA wurden ebenfalls in den vergangenen Tagen Fälle bestätigt - und damit in weiteren Weltregionen außerhalb Afrikas, von wo das Virus stammt.

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