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Affenpocken & Corona: Wegen dieses Unterschieds ist Pandemie-Sorge unnötig

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Von: Dominik Jahn

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Affenpocken: Deutschland steckt bereits seit 2009 fast 100 Millionen Euro in die Forschung gegen solche Viren.

Das ging jetzt schnell. Erst vor wenigen Tagen gab es die ersten Meldungen über die Ausbreitung der Affenpocken in Europa. Am 19. Mai folgte der erste Fall in Deutschland. Am Montag tauchte die seltene Viruserkrankung zuletzt in Baden-Württemberg auf, wie echo24.de berichtet hat. Droht nach Corona die nächste Pandemie? Experten sehen ein solches Horror-Szenario noch nicht. Doch wie unterscheiden sich die Affenpocken eigentlich vom Coronavirus?

Bei Corona und allen Varianten, wie etwa Omikron, gab es immer ganz entscheidende Symptome. Dabei hatten sich die klassischen Corona-Symptome im Laufe der Zeit mit den unterschiedlichen Virusmutationen verändert. Auch bei den Affenpocken gibt es konkrete Symptome, die auf eine Infektion hindeuten.

Affenpocken: Forscher waren nicht überrascht

Wie unter anderem auch das ZDF schreibt, gibt es mindestens 80 Affenpocken-Infektionen in zwölf Ländern. Die extrem schnelle Ausbreitung erinnere stark an den Ausbruch der Corona-Pandemie. Doch die Forscher sehen noch keinen Grund zur Panik. Untersuchungen hätten gezeigt, „dass sich die Affenpocken grundsätzlich von Sars-CoV-2 unterscheiden und wir darum in einer gänzlich anderen Situation sind“.

Gegenüber dem Sender erklärt Clemens Wendtner von der München-Klinik Schwabing, die ersten Fälle in Deutschland kamen nicht überraschend: „Es war kein Schock, als wir die Nachricht gehört hatten. Es war nur eine Frage der Zeit.“ Wendter behandelt derzeit den ersten Patienten, einen 26-Jährigen aus München.

Die Unterschiede zwischen Affenpocken und Corona

Doch warum bleiben die Wissenschaftler so entspannt? Sowohl das Affenpockenvirus als auch das Coronavirus gehören laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Gruppe der Zoonosen. Doch es gibt viele die Unterschiede zwischen den Erregern. Eine besonders wichtige: Das Affenpockenvirus, auch als Monkeypoxvirus (MPV) bezeichnet, ist nicht so leicht übertragbar wie Corona ( SARS-CoV-2-Virus).

Zoonosen

Laut der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen, komme diese sowohl bei Menschen als auch beim Tier vor und sind von Tier zu Mensch und/oder von Mensch zu Tier übertragbar. Der Mensch entstammt evolutionär dem Tierreich, daher ist es nicht ungewöhnlich, „dass Krankheitserreger existieren, die sowohl Tiere als auch Menschen infizieren können. Durch derartige Erreger ausgelöste Infektionskrankheiten bezeichnet man als Zoonosen“. Bei Zooanthroponosen kommen die Erreger meist aus dem Tierreich, bei Anthropozoonosen findet die Übertragung meist vom Menschen aufs Tier statt. „Fakultativen Zoonosen (Amphixenosen) erfolgt die Übertragung“, laut Plattform, „wechselseitig“.

Wie aus dem ZDF-Beitrag hervorgeht, sind Pockenviren als DNA-Viren grundsätzlich stabiler als RNA-Viren, wie eben die Coronaviren. Heißt: Rasche Mutationen, wie bei Corona, sind daher eher unwahrscheinlich. Die Arbeit an Impfstoffen lässt sich mit vorhandenem Wissen besser einsetzen.

Affenpocken schon lange bekannt – Pandemie-Panik wohl überflüssig

Und so ganz unbekannt ist das Affenpockenvirus auf der Welt auch nicht. Aus dem BMBF-Bericht wird deutlich, dass seit langem in einigen tropischen Regionen Afrikas auftaucht und dort endemisch ist. Es tritt dort also „örtlich begrenzt auf“. Und auch medizinisch ist man bereits gut vorbereitet.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schreibt über „bereits zugelassene Impfstoffe und Therapeutika gegen das Affenpockenvirus“. Außerdem heißt dazu weiter: „So hat das BMBF schon 2017 bis 2019 die Eindämmung eines Affenpockenausbruchs in Nigeria mit rund zwei Millionen Euro unterstützt. Weitere Forschungsanstrengungen zu zoonotischen Infektionskrankheiten und dem Forschungsstandort Deutschland fördert das BMBF seit 2009 mit insgesamt rund 95 Millionen Euro.“

Übertragung der Affenpocken und des Coronavirus

Schaut man auf die rasche und flächendeckende Ausbreitung des Coronavirus, zeigt sich, dass es zahlreiche Eigenschaften hat, die eine globale Verbreitung begünstigen. Das ZDF nennt dabei die „asymptomatische Übertragbarkeit, also dass Menschen den Erreger weitergeben können, ohne Symptome zu verspüren“. Außerdem konnte sich Corona in Aerosolen sehr großflächig verbreiten. Die sogenannten Superspreader-Events sorgten für einen explosionsartigen Infektionsanstieg in der Bevölkerung.

Bei Affenpocken ist dies so nicht möglich. Sutter erklärt dazu in Gespräch mit der Zeit: „Um sich anzustecken, braucht es ja fast immer einen physischen, direkten Kontakt mit den Pockenläsionen, also dem Sekret aus den Pusteln, oder einen Schleimhautkontakt mit Infizierten.“

Nicht wie Corona: Forscher sehen keine neue Pandemie durch Affenpocken

Die Wissenschaft präsentiert sich derzeit einig und sieht keine extremen Gefahren für die Menschheit. So erklärt der Virologe und Veterinärmediziner Gerd Sutter gegenüber der Zeit: „Eine neue Pandemie haben wir nicht zu befürchten. Affenpockenviren sind seit Jahrzehnten bekannt, in Zentral- und Westafrika heimisch, dort werden regelmäßig Ausbrüche in Menschen beobachtet, aber die sind relativ klein.“

Und auch beim Robert-Koch-Instituts (RKI) bleibt man weiter entspannt und spricht bei der Einstufung der aktuellen Lagen davon, dass eine Gefährdung für die breite Bevölkerung in Deutschland „nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt“ wird.

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