„Unfähigkeit zum Kompromiss“

AfD-Gründungsvorsitzender Konrad Adam tritt aus – und rechnet brutal mit Partei ab

Die AfD verliert mit Konrad Adam nun den letzten der drei Gründungsvorsitzenden. Mit seiner Erklärung kritisiert er nicht nur die Entwicklung der Partei, sondern auch Fraktionschef Alexander Gauland.

  • Als letzter der drei Gründungsvorsitzenden verlässt auch Konrad Adam die AfD.
  • In seiner Begründung kritisiert er die Entwicklung der Partei.
  • Beispielsweise sei der Rechtsaußen-Flügel zu dominant und der Einfluss durch Lobbyisten zu stark.

Berlin - Der konservative Journalist Konrad Adam (78), der zu den Gründungsvorsitzenden der AfD gehört, hat bekannt gegeben, die Partei verlassen zu wollen. „Am 1. Januar 2021 werde ich nicht mehr Mitglied der AfD sein“, sagte Adam. Adam hatte 2013 gemeinsam mit Frauke Petry und Bernd Lucke den Parteivorsitz übernommen. Lucke wurde im Juli 2015 in Essen abgewählt und verließ die Partei. Petry verließ die Partei im Herbst 2017 und gehört dem Bundestag nun als fraktionslose Abgeordnete an.

Die Entwicklung der Partei stimme Adam traurig, als „bürgerlich-konservative" Kraft sehe er keine Zukunft für die AfD. Zuletzt engagierte er sich lediglich noch als Ehrenvorsitzender in der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, die von der ehemaligen CDU*-Abgeordneten Erika Steinbach geleitet wird.

AfD-Gründungsvorsitzender Konrad Adam kritisiert Entwicklung der AfD

Als Begründung für seinen Austritt führte Adam mehrere Punkte an: Den Weg der Partei in Umwelt- und Klimafragen sei falsch. Zudem kritisierte er den Vorsitzenden der AfD*-Bundestagsfraktion Alexander Gauland. Dieser habe mit dafür gesorgt. dass der Rechtsaußen-Flügel stärker wird. Er habe sich immer schützend vor „Rechtsausleger wie Andreas Kalbitz und den Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke gestellt.“

Gauland lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegenüber dpa ab. „Reisende soll man nicht aufhalten“, kommentierte er den Austritt.

Auch der große Einfluss durch Lobbyisten auf die Arbeit der Partei, etwa in den Bereichen Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik sei ihm ein Dorn im Auge. „Lobbyismus gibt es auch in anderen Parteien, aber in der AfD dominieren Lobbyisten in einer Art und Weise, die eine glaubwürdige Politik unmöglich macht.“

Gerade weil die AfD mit dem Slogan „Wir sind Grundgesetz“ antritt, müsse sie zudem aufhören, über finanzielle Unregelmäßigkeiten und Satzungsverstöße hinwegzugehen, was jedoch bereits mehrmals geschehen sei.

Ein weiterer Punkt sei, dass der AfD auch nach sieben Jahren Bestehen ein sozialpolitisches Konzept fehlt. „In der AfD ist die Unfähigkeit zum Kompromiss ein Geburtsfehler“, lautet Adams Fazit.

AfD wirft Konrad Adam Frustration über Wahlniederlage vor

Ende 2012 habe sich Adam für die Gründung einer Partei entschieden, weil Deutschland eine „echte Oppositionspartei“ gefehlt habe. Auch während der Flüchtlingskrise* von 2015 sei das deutlich geworden. Doch der „Höcke-Flügel“ in der AfD sei inzwischen zu stark geworden.

Einige Mitglieder der Partei scheinen die Kritik des Gründungsvorsitzenden nicht ernst zu nehmen. Er bringe damit lediglich seine Frustration zum Ausdruck, da er nicht mehr in Parteiämter gewählt worden sei. 2015 scheiterte er mit seiner Kandidatur für den Posten des Beisitzers. „Ich habe, nachdem meine Kandidatur 2015 auf dem Parteitag in Essen nicht erfolgreich war, drei Jahre lang geschwiegen, bevor ich meine Kritik öffentlich gemacht habe", widerspricht Adam. *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Zentral-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Ingo Wagner/dpa

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