Eine Theorie im alltäglichen VfB-Wahnsinn

Sumpf aus Seilschaften beim VfB: Sieht so die Wahrheit im Machtkampf aus?

thomas hitzlsperger und claus vogt
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VfB Stuttgart: Gegen den Seilschaften-Sumpf - ist das die Machtkampf-Wahrheit?
  • Tobias Becker
    vonTobias Becker
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Beim VfB Stuttgart ist der Machtkampf zwischen Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt DAS ganz große Thema. Aber: Vielleicht hat sich alles ganz anders abgespielt?

Das Fußball-Business ist schmutzig. Es geht um Geld, viel Geld. Es geht um Macht und auch um Politik. Es herrscht eine Doppelmoral, die ihresgleichen sucht - ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit war die Posse um Silas Wamangituka vom VfB Stuttgart. Generell ist das Wort „Posse“ in dieser Sportart wohl recht häufig anwendbar.

Beim VfB Stuttgart herrscht derzeit Chaos. Damit steht der Bundesliga-Aufsteiger aber nicht alleine da.

Vereine wie der Hamburger SV, Schalke 04 und der VfB Stuttgart halten das Ober- und Unterhaus des deutschen Fußballs auf Trab - Journalisten und Fans ebenfalls. Auch in den Ligen darunter sind Machtkämpfe beinahe schon alltägliche Vorgänge, in denen es zum Teil auch um zu große Egos einzelner Personen und/oder um jede Menge Geld geht. Stichwort Bayer Uerdingen. Oder auch 1860 München.

Hatte der Machtkampf beim VfB Stuttgart andere Gründe?

Ja, der VfB Stuttgart ist derzeit vielleicht das Maß der Dinge, aber sicher kein Einzelfall. Aber was wäre, wenn die Nervenkriege, die verbitterten Machtspiele oder auch öffentliche Briefe Teil einer Inszenierung wären, um am Ende einen Schritt nach vorne zu gehen. Wenn die Eskalation geplant gewesen wäre? Wenn somit zwar eine Täuschung im großen Stil vorliegen würde, aber alte Strukturen und Seilschaften im Machtverhältnis endlich aufgebrochen werden könnten?

Fußball-Romantiker aufgepasst, denn das, was nun folgt, ist eine wilde Theorie, die vielleicht gar nicht sooo unwahrscheinlich ist! Was wäre, wenn... der Machtkampf beim VfB Stuttgart genau so gewollt war? Es ist unlängst bekannt - dafür hat es kein Game of Thrones oder House of Cards beim VfB Stuttgart gebraucht -, dass die Fans des VfB nicht ganz zufrieden waren mit den Machern in der Führungsetage.

Zu viele Seilschaften, zu wenig Kompetenzen, keine Vision im Sinne der Mitglieder, stattdessen immer dieselben Leute mit Draht zu großen Unternehmen oder Kontakten zu bisherigen (oft unbeliebten) Führungspersonen des VfB Stuttgart. Diese Strukturen beim Bundesliga-Aufsteiger aufzubrechen, ist eine Mammutaufgabe - vor allem für zwei „Neulinge“ wie Präsident Claus Vogt und Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger.

Machtkampf im Sumpf der Seilschaften: Das weiß die Öffentlichkeit!

Die ganze Geschichte fing mit dem Bekanntwerden der Bewerbung von Hitzlsperger als Kandidat bei der Präsidentenwahl und einem darauffolgenden Brief an, auf den noch viele weitere folgen sollten. Der VfB-Vorstandsboss kritisierte Vogt scharf - und kassierte die Quittung. Vogt antwortete mit seinem Brief, stellte sich auf die Seite der Fans und Mitglieder und schreibt auch in den folgenden Statements immer wieder vom Wir.

Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger lange vor dem Machtkampf. Strahlen beide bald wieder als Gewinner?

Vogt stellte sich als den einzigen Vertreter der Fans beim VfB Stuttgart im Sumpf der Seilschaften dar. Der Streit zwischen Hitzlsperger und Vogt war alles, worüber berichtet wurde. Hitzlsperger wurde zum Buhmann. Fans und Öffentlichkeit hatten mit dem Ex-Nationalspieler alle Hände voll zu tun. Die restliche Führungsriege stellte sich zum Großteil gegen Vogt, der sich beinahe alle Gremien zum Feind machte, aber die Fanclubs hinter sich hatte.

Der Esecon-Bericht war ein zentraler Diskussionspunkt, wurde aber zum Großteil im Zusammenhang mit den beiden Streithähnen genannt. Ende Januar dann die Kehrtwende: Hitzlsperger zog seine Kandidatur zurück, es folgte eine vage Annäherung mit Claus Vogt und der Abschluss des Esecon-Berichts. Daraufhin kam es zur Rücktrittswelle beim VfB Stuttgart um Mutschler, Gaiser und den gesamten VfB-Vorstand - bis auf Hitzlsperger. Soweit die offene Story, die im Hintergrund vielleicht ganz anders ablief.

War alles ganz anders? Vogt und Hitzlsperger räumen beim VfB Stuttgart auf!

Man stelle sich vor, die zwei Neulinge Vogt und Hitzlsperger haben Wochen, wenn nicht Monate zuvor bereits den Plan geschmiedet, eine neue Ära beim Traditionsverein VfB Stuttgart einzuläuten. Eine Ära ohne alte Versprechen, ohne Altlasten und ohne Allianzen aus längst überholten Tagen. Da saßen sie also in der Loge bei einem Spiel des VfB Stuttgart und bekamen die Idee, dass die Situation erst richtig eskalieren müsse, dabei aber der Fokus auf ihnen liegen muss, um die „falschen Personen“ in Sicherheit zu wiegen.

Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt bei einem Spiel des VfB Stuttgart auf der Tribüne.

So kam es dann, dass alle Augen beim VfB Stuttgart auf den Streit zwischen Vogt und Hitzlsperger gerichtet waren. Selbst der Esecon-Bericht geriet zeitweise etwas ins Hintertreffen. Als das Chaos am Höhepunkt war, der Bericht kurz vor dem Abschluss stand und die Frage nur noch lautete, ob Claus Vogt oder Thomas Hitzlsperger als Sieger hervorgeht, machte der Vorstandsboss die Rolle rückwärts. Er zog die Kandidatur zurück, ging in der Öffentlichkeit einen kleinen Schritt auf Vogt zu.

Es folgte der Bericht, der sogar in Teilen dem Spiegel vorlag (vielleicht ja bewuss), Vogt drängte auf die Verschiebung der Mitgliederversammlung und nutzte auch die Daten-Affäre als Grundlage. Er hat inzwischen die Macht genau das zu tun - beinahe ohne Schaden zu tragen. Auf der Tribüne bei den Spielen des VfB Stuttgart, abseits der Kameras, könnten Vogt und Hitzlsperger sich immer wieder abgesprochen haben, Status-Updates gegeben haben und überlegt haben, welche Köpfe als erstes Rollen.

Ziel erreicht? Rücktrittswelle und weitere personelle Konsequenzen beim VfB Stuttgart!

Dann urplötzlich ging es schnell. Zack, waren mit Jochen Röttgermann und Stefan Heim zwei Vorstände weg. Nur Hitzlsperger blieb und bekommt nun sogar die volle Rückendeckung vom Verein. Im Präsidium des VfB Stuttgart ging es Schlag auf Schlag weiter: Rainer Mutschler machte den Anfang, Bernd Gaiser folgte.

Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger mit den nun abberufenen Vorstandsmitgliedern Stefan Heim und Jochen Röttgermann.

Heißt: Sowohl der Präsident als auch der Vorstandsboss sind nun in ihren Gremien mehr oder weniger alleine verantwortlich - Rainer Adrion als Interimsmitglied des Präsidiums zur Erhaltung der Handlungsfähigkeit des VfB Stuttgart mal ausgeklammert. Der Esecon-Bericht wird voraussichtlich weitere personelle Konsequenzen mit sich bringen.

Präsident Claus Vogt (m.) mit Bernd Gaiser und Rainer Mutschler bildeten bis vor wenigen Tagen das Präsidium beim VfB Stuttgart.

Ob es reicht, um alle Seilschaften aufzulösen und loszuwerden, bleibt abzuwarten, aber zumindest können Vogt und Hitzlsperger den VfB Stuttgart ungestört in ein neues Zeitalter führen. Hitzlsperger sportlich, Vogt als Präsident der Mitglieder. Die Geschichte wäre filmreif, wie schon von Sky-Reporter Alexander Bonengel auf Twitter festgehalten wurde. Die Filmrechte will sich Vogt ja ebenfalls bereits gesichert haben, was er humorvoll andeutete.

Es bleibt erstmal offen, ob es sich so zugetragen hat. Ganz abwegig ist der Gedanke aber nicht. Und sollte es so sein, dass Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger beim VfB Stuttgart bewusst eine Eskalation herbeigeführt haben, um aufzuräumen, darf man den beiden nur gratulieren und jedem anderen Traditionsverein mit Seilschafts-Problemen ein solches Duo wünschen. Erfahren werden wir es aber wohl nie...

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