Ein Kommentar

Echo-Einwurf zum Wamangituka-Tor: Das Problem mit der Doppelmoral im Fußball!

Die Spieler des VfB Stuttgart jubeln über ein Tor von Silas Wamangituka (m.).
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Echo-Einwurf zum Wamangituka-Tor: Die Doppelmoral im Fußball nervt!
  • Tobias Becker
    vonTobias Becker
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Silas Wamangituka hat beim Sieg des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen für einen Aufreger gesorgt, der im Fußball eigentlich keiner sein sollte.

Der VfB Stuttgart gewinnt gegen Werder Bremen mit 2:1, aber alle diskutieren nur über eine Szene. In der Nachspielzeit schnappt sich Silas Wamangituka nach einem groben Schnitzer von Werder Bremen das Leder und läuft auf das leere Tor zu. Er schießt nicht direkt, sondern wartet, bis Bremens Keeper Jiri Pavlenka hinterher gelaufen kommt.

Bremens Stürmer Davie Selke spricht von einer Respektlosigkeit, VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo sieht „keine böse Absicht“ dahinter und sein Kollege Florian Kohfeldt spricht von einer „unglücklichen Situation“. Das Ergebnis rutschte in den Hintergrund und der Mann des Spiels unrühmlich in den Vordergrund.

Silas Wamangituka traf gegen Werder Bremen bereits zum 1:0 für den VfB Stuttgart per Elfmeter.

Es ist wunderbar, dass es auch noch etwas anderes gibt, über das wir uns aufregen können als die Corona-Verordnung und den fehlenden Trouble in der Weihnachtszeit, aber: Die „Kirche im Dorf lassen“, wie VfB-Sportdirektor Sven Mislintat es ausdrückte, ist noch stark untertrieben. Die Diskussion um die „Unsportlichkeit“ von Wamangituka ist eine unfassbare Farce in einer Sportart, die von Sportlichkeit noch nicht viel gehört hat!

Klar, es wird sich eingesetzt gegen Rassismus, Doping und andere politischen Themen (gut so!), aber sonst fehlt es dem Fußball und dem Gros der Spieler und auch einiger Trainer schlichtweg an ordentlichem Umgang und einem strikten Regelwerk. Vielleicht legen der VfB Stuttgart, Werder Bremen und Co. das Regelwerk auch einfach immer wieder etwas anders aus.

Nach Tor-Eklat von VfB-Stürmer Wamangituka: Der Fußball und seine Doppelmoral!

Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass ein 21-jähriger Bundesliga-Neuling vom VfB Stuttgart so dermaßen angegangen wird, weil er sich etwas mehr Zeit gelassen hat – oder haben Bremens Ömer Toprak und Jiri Pavlenka etwa einfach falsch reagiert, wie zuvor auch?

Wir stellen uns eine andere Situation vor: Werder Bremen führt 1:0 gegen den VfB Stuttgart, es läuft die Nachspielzeit. Toprak köpft den Ball zurück zu Pavlenka. Was passiert dann? Macht der Bremer Keeper das Spiel schnell? Nein, er wird den Ball aller Voraussicht (wir alle kennen diese Szenen) mit der Brust annehmen und warten... Er wird warten, bis ein Spieler des VfB Stuttgart angerannt kommt und zwei Meter vor ihm ist, bevor er den Ball gemütlich aufnimmt.

Besser noch! Bevor er den Ball aufnimmt, bückt sich der Torwart und verharrt mit seinen Händen so nah am Ball, um dem VfB-Spieler zu zeigen: „Komm noch ein Stück näher, dann nehme ich ihn erst auf.“ Nun musste der arme Pavlenka halt hinterher laufen, bevor Wamangituka zum 2:0 für den VfB Stuttgart einnetzte.

Ich frage Sie: Wer von Ihnen ist immer noch bei Bremens Davie Selke, der unmittelbar danach Wamangituka anging (der mit erhobenen Händen wegging, was in meinen Augen sogar ziemlich schlau und deeskalierend war) und nach dem Spiel in die Sky-Mikrofone jammerte? Bei dem Davie Selke, der noch Anfang des Jahres seine fünfte Gelbe Karte und damit ein Spiel Sperre wegen einer Schwalbe kassierte?

Unsportlichkeit ist im Fußball Alltag - VfB-Stürmer Wamangituka ist kein Einzelfall!

Damit wären wir auch beim nächsten Punkt: Unsportlichkeit! Was ist das überhaupt? Rein vom Wort her ist es etwas, das mit dem Sport nichts zu tun hat. So wie Schwalben. So wie das Spucken auf den Rasen, über den Sekunden später womöglich wieder ein Spieler durchgrätscht. So wie das Wegkicken des Balls, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat. So wie das ewige Diskutieren mit den Autoritäten (gemeint sind die Schiedsrichter) auf dem Platz. Oder das Rumwälzen mit schmerzverzerrtem Gesicht, nur um direkt wieder weiterzulaufen als wäre nichts gewesen, sobald der Pfiff ertönt.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele aufzählen, wie das Zeitspiel beim Abschlag, das meterweite Vorlaufen beim Einwurf und so weiter... Und da nehmen sich der VfB Stuttgart und Werder Bremen so wie all die anderen Fußball-Teams und -Spieler nichts. Fußball ist eine der unsportlichsten Sportarten, die sich augenscheinlich scheinheilig dazu berufen fühlt, Kollegen, aber auch andere Menschen zu maßregeln und dabei eine Doppelmoral an den Tag zu legen, die seinesgleichen sucht. Es ist peinlich.

VfB-Stürmer Wamangituka, der sich zwischenzeitlich sogar entschuldigt hat, hätte es auch lassen können, klar. Er steckt jedoch in dieser Maschinerie. Er kennt das Zeitspiel von klein auf. Er wollte sich wohl taktisch klug anstellen. Eine Unsportlichkeit hat er nicht gesehen. Wie auch, denn im Fußball zählen die unsportlichsten Aktionen zur Normalität. Sie sind Alltag, denn man spricht nur von Fairness, erlebt sie jedoch selten.

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