Vergleich mit dem Original von vor 20 Jahren!

Stuttgart und die „jungen Wilden 2.0“? Ex-VfB-Spieler Markus Babbel sagt Nein!

Ex-VfB Stuttgart Spieler Markus Babbel
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Markus Babbel erlebte das Original der jungen Wilden des VfB Stuttgart.
  • Tobias Becker
    vonTobias Becker
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Der VfB Stuttgart begeistert die Bundesliga und erhält häufig den Namen „Die jungen Wilden 2.0“, aber passt die Bezeichnung?

Update, 08. Januar: Die „jungen Wilden 2.0“ sorgen für Furore in der Bundesliga. So faszinierte das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo unter anderem beim 5:1-Sieg gegen Titelaspirant Borussia Dortmund, zeigte aber auch bei der Niederlage gegen Bayern München einen ansprechenden Fußball. Jung, unbekümmert, offensiv - der VfB Stuttgart ist als Aufsteiger in der Bundesliga angekommen. Aber: Passt der Begriff „junge Wilde 2.0“?

Markus Babbel spielte von 2004 bis 2007 beim VfB Stuttgart.

Ex-VfB-Keeper Timo Hildebrand sieht Ähnlichkeiten (siehe Meldung von 07. Januar). Markus Babbel sagt gegenüber echo24.de ganz klar: „Nein, das Einzige, was 2.0 ist, ist vielleicht das Alter.“ Der ehemalige Spieler und Trainer des VfB Stuttgart kam 2004 zu den Schwaben und erlebte das Original der „jungen Wilden“ hautnah. Er war Teil der Mannschaft, die aus jungen Talenten wie Alexander Hleb, Hildebrand und Kevin Kuranyi bestand - und holte 2007 zum Karriereende mit dem VfB die Meisterschaft.

Der Grund, aus dem Babbel den heutigen VfB Stuttgart nicht als „junge Wilde 2.0“ sieht, ist einfach. Babbel: „Damals kamen wahnsinnig viele Spieler aus der eigenen Jugend raus, die sie selber produziert haben.“ Das ist heute nicht der Fall. Zwar stehen mit Lilian Egloff und Luca Mack auch zwei riesen Talente im Kader, aber Spielzeit bekommen sie - auch aufgrund von Verletzungspausen - kaum. Auch, wenn der VfB Stuttgart den zweitjüngsten Bundesliga-Kader (nach RB Leipzig) besitzt, sind für Babbel die eigenen Jugendspieler Anfang der 2000er das Besondere an den „jungen Wilden“.

Zu unserer Zeit - oder sogar noch vor mir - waren aus der eigenen Jugend Spieler dabei, der VfB hatte große Finanzprobleme und Felix Magath war der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt. Er hatte keine Scheu die Jungs auch zu bringen. Dazu kamen Spieler wie Balakov, Soldo, Bordon und wie sie hießen. Auf einmal spielte das Team richtig guten Fußball. Das kann man mit heute so nicht vergleichen.

Markus Babbel (Ex-Profi des VfB Stuttgart) über die „jungen Wilden“

„Man darf auch nicht vergessen, dass es zwar viele junge Spieler sind, aber zum Teil wurden ja auch bis zu acht Millionen Euro ausgegeben. Da kann ich dann auch eine gewisse Qualität erwarten“, erklärt der ehemalige Nationalspieler im Interview mit echo24.de. So zahlte der VfB Stuttgart für Silas Wamangituka, dem Top-Rookie der Bundesliga-Saison, acht Millionen Euro. Sasa Kalajdzic kostete den VfB 2,5 Millionen Euro und Mateo Klimowicz 1,5 Millionen. Klar, das sind alles Schnäppchen und gute Einkäufe von Sven Mislintat, aber eben nicht mit den VfB-Jugendspieler der „Jungen Wilden“ von damals zu vergleichen.

Der VfB und die jungen Wilden 2.0: So denkt Hildebrand über den Vergleich

Erstmeldung, 07. Januar: Der VfB Stuttgart ist in der Bundesliga angekommen. Mehr noch: Die „jungen Wilden 2.0“ begeistern unter Trainer Pellegrino Matarazzo die Liga mit einem schnellen und unbekümmerten Fußball - auch wenn es gegen den VfL Wolfsburg (0:1) und RB Leipzig (0:1) nicht funktionierte. Sie machen auch Fehler und dürfen daraus lernen, aber dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - blickt Fußball-Deutschland gespannt auf Silas Wamangituka, Sasa Kalajdzic und Co. - fast so wie Anfang der 2000er, oder?

Damals hatte der VfB Stuttgart ebenfalls viele - zu dem Zeitpunkt noch unbekannte - junge Talente im Team, die von Trainer Felix „Quälix“ Magath bundesligatauglich gemacht wurden. Magath quälte aber nicht nur, sondern förderte. Er setzte auf die Talente - und auf zwei erfahrene Anführer: Krassimir Balakov und Zvonomir Soldo. Zu den jungen, aufstrebenden Spielern gehörten 2001 unter anderem Alexander Hleb, Andreas Hinkel und Kevin Kuranyi, aber auch der spätere Nationaltorwart Timo Hildebrand, der gegenüber der Stuttgarter Zeitung nun den Vergleich zog.

Unterschiede zum Original: Die jungen Wilden 2.0 trauen sich mehr zu!

Hildebrand: „Es gibt durchaus Parallelen zu heute.“ Was er meint: Die Zusammenstellung der Mannschaft beim VfB Stuttgart. Da sind die jungen Profis wie Nicolas Gonzalez, Tanguy Coulibaly, Wamangituka und Co. „Dazu kommen die Routiniers wie Gonzalo Castro und Daniel Didavi“, so Hildebrand gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Einen großen Unterschied sieht der ehemalige Torwart des VfB Stuttgart jedoch: „Die Jungen trauen sich viel mehr zu. Wenn früher ein 18-Jähriger gesagt hätte: ‚Hey, Bala, geh mal Bälle tragen!‘ – dann hätte der das im Training schon gespürt.“

Timo Hildebrand stand zuletzt bei Eintracht Frankfurt im Tor.

Neben weiteren Parallelen beim VfB Stuttgart wie dem Teamgeist und der guten Stimmung, sieht Hildebrand jedoch auch eine Veränderung im Fußball an sich: „Zu meiner Zeit war es noch außergewöhnlich, wenn man mit 20 Jahren Bundesliga spielen konnte. Inzwischen sind die jüngsten Debütanten ja erst 16 Jahre.“ Die Spieler können früher zum Profi werden, aber die Karrieren enden ab und an auch früher. Etwas, das Hildebrand nicht gespürt hat, denn er beendete seine Karriere 2016 mit 36 Jahren.

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