Kommentar zu den immer wieder angefeuerten Unruhen beim VfB Stuttgart!

Der VfB Stuttgart: Ein Verein zwischen Machtkampf, Medien, Meinungsmache

VFB stuttgart
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Beim VfB Stuttgart soll wieder Ruhe einkehren - im Sinne des Vereins.
  • Tobias Becker
    vonTobias Becker
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VfB Stuttgart: Es will keine Ruhe einkehren - aber wieso? Verein und Umfeld zermürben sich in Diskussionen und Streitigkeiten. Ein Kommentar für mehr Objektivität.

Im Machtkampf beim VfB Stuttgart geht es chaotisch und hitzig her, teilweise auch zu emotional. Manche Führungspersonen fordern das eine, andere Mitglieder der Gremien wollen das Andere und manch ein Fanklub will wieder andere Vorgehensweisen, Handlungen und Konsequenzen. Wie es im Vereinswesen üblich ist, darf jeder mitsprechen, obwohl oft nur die täglich in der Materie steckenden Personen genau wissen, was gerade vor sich geht.

Steckbrief
VereinsnameVfB Stuttgart 1893 e.V.
Mitgliederzahl71.500 (Stand Juni 2020)
Gründungsdatum9. September 1893
Präsident e.V.Claus Vogt
Vorstandsvorsitzender der AGThomas Hitzlsperger

Die geforderte Transparenz ist leichter verlangt als umgesetzt, vor allem weil keiner wirklich sagen kann, was Wahrheit und was Lüge ist, aber jeder sich schnell eine Meinung bildet. Medien tragen dazu bei, dass sich genau diese Meinungen bilden, das Internet und die Sozialen Medien mit schnell geäußerten und oft nicht belegten Vermutungen ebenfalls.

Dass es sogar zu Beleidigungen, Schmähungen, (teils wohl) haltlosen Vorwürfen, Diffamierungen einzelner Personen oder ganzer Gruppen kommt, ist (leider) absehbar und bekannt. Dass es manchmal zu weit geht, zeigen Aussagen, wie in einem heute veröffentlichten Interview des zurückgetretenen Vereinsbeiratsbosses Wolf-Dietrich Erhard, der sich solchen Äußerungen sowie einem ungesunden Druck ausgesetzt fühlte.

Wolf-Dietrich Erhard legt sein Amt als Vorsitzender des Vereinsbeirates des VfB Stuttgart nieder.

Dabei ist es doch so, dass keiner der Außenstehenden genau weiß, was in Sitzungen des Beirats vor sich ging. Was gesagt wurde, getan oder nicht getan wurde. Welche Vereinbarungen zwischen welchen Personen getroffen und welche eingehalten wurde. Die handelnden Führungskräfte wurden meist von den Mitgliedern gewählt. Zu diesen Mitgliedern zählen auch Menschen, die nicht in den vielen Fanklubs des VfB Stuttgart organisiert sind.

VfB Stuttgart: Zwischen Forderungen und Vorwürfen - der objektive Blick geht verloren!

In einem e.V. geht es auch um andere Sportarten, die in diesem Machtkampf, der zwischen AG und e.V. stattfindet, meist nicht erwähnt werden. Klar, es geht um den VfB Stuttgart, der ohne die Fußballabteilung wohl kaum solch eine Aufmerksamkeit hätte. In einem sind sich alle einig: Die Unruhen müssen enden - und zwar eher früher als später. Der Weg dahin ist aber ein langer und einer, der ganz unterschiedliche, geforderte Voraussetzungen verschiedener Personengruppen benötigt.

Durch einen offenen Brief, der als Erklärung seiner Bewerbung dienen sollte, griff Hitzlsperger VfB-Präsident Vogt an. Es war der Auftakt zum öffentlichen Machtkampf.

So fordern viele Fans weitere Entlassungen, da sich der VfB Stuttgart im Sumpf der Seilschaften befindet. Nichts Ungewöhnliches für einen Verein, der eine solche Tradition besitzt. Da bauen sich Beziehungen, Seilschaften und Ähnliches im Rahmen der Vereinspolitik nun einmal auf. So etwas aufzubrechen, kann sinnvoll wirken, zieht aber eben genau das mit sich, was gerade passiert.

Bei all den Nachrichten der letzten Zeit, fehlt jedoch oft der objektive Blick. Ja, auch Medien beziehen in ihrer Berichterstattung Stellung - bestenfalls eine ausgeglichene und eine, die auf den aktuellen Geschehnissen basiert. Manche sind vielleicht auch etwas zu sehr eingenommen und angespannt, um die Gunst der Leser*innen nicht zu verlieren. Aber was bringt es im Machtkampf nur pro Hitzlsperger oder pro Vogt zu sein? Sollte man nicht alles in allem neutral bleiben - oder wenigstens pro VfB Stuttgart?

Fazit: Kein Hitzlsperger und kein Vogt, sondern ein VfB Stuttgart!

Denn während Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger und Vereinspräsident Claus Vogt sich scheinbar zusammenraufen, um den Verein wieder in ruhigere Gewässer zu schippern, hat es für viele noch nicht genug gescheppert. Die Aufteilung, in der Hitzlsperger sich um die AG kümmert und Vogt um den e.V., scheint doch eine gute. Ein gedankliches Handshake der „verfeindeten“ Fraktionen im Hintergrund wäre wohl für den VfB Stuttgart ebenfalls das Beste.

VfB Stuttgart: Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt nähern sich inzwischen wieder etwas an.

Nach fast zwei Monaten Machtkampf, unzähligem Hin und Her sowie einer ersten Rücktritts- und Entlassungswelle sollte nun der Punkt erreicht sein, an dem alle Parteien - Gremien, handelnde Personen, Fanklubs und Außenstehende - den Füller hinlegen und das Briefeschreiben sein lassen und persönliche Differenzen intern klären. Die Vorwürfe, die Zwischenrufe und Forderungen sollten aufhören, um das Hamsterrad zu verlassen, dabei aber Probleme intern aufarbeiten und es künftig besser machen. Der objektive Blick muss wachsam die Geschehnisse verfolgen und die Fans wieder das lieben und beurteilen, weshalb wohl die meisten in den Verein eingetreten sind: Den Fußball.

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