Das Talent des VfB Stuttgart hat mit einem Knochenmarködem zu kämpfen

Egloff-Ausfall beim VfB: So erklärt ein Experte diese Verletzung

lilian egloff
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Egloff-Ausfall beim VfB: Experte erklärt Hintergrund einer solchen Verletzung.
  • Dominik Jahn
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VfB Stuttgart: Lilian Egloff kämpft weiter mit seiner Verletzung. Aber worum geht‘s dabei eigentlich? echo24.de hat bei einem Experten nachgefragt.

Es ist eine Saison zum Vergessen für Lilian Egloff. Das Talent des VfB Stuttgart hängt in der Reha fest. Ein Comeback scheint weit weg. Immer wieder gibt‘s Rückschläge. Erst lief‘s besser, vor dem Spiel gegen den FC Bayern München äußerte sich Trainer Pellegrino Matarazzo dann weniger optimistisch. Aussichten auf einen Einsatz in naher Zukunft? Wohl nicht.

Matarazzo: „Leider läuft es nicht so gut. Er wird zurück in die Reha gehen und es wird länger dauern als erhofft.“ Aber was ist los mit Lilian Egloff? Warum kämpft der 18-Jährige seit Wochen um seine Rückkehr ins Team - ohne Erfolg? Das Problem: Ein Knochenödem im Fuß bereitet dem Profi des VfB Stuttgart Sorgen. Immer wieder schmerzt der Fuß. Die Behandlung - eher konservativ. Auch mit Einlagen wird versucht, das Problem in den Griff zu bekommen.

VfB Stuttgart: Experte spricht über mögliche Gefahren der Egloff-Verletzung

Wie kommt es zu einem Knochenödem? Welche Folgen sind zu erwarten? Kann man die Zeit des Heilungsprozesses überhaupt festlegen? echo24.de hat bei einem Experten nachgefragt und über Gefahren, Folgen und Ausfalldauer gesprochen. Professor Dr. Tobias Renkawitz ist ärztlicher Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Renkawitz ist die Fußball-Bundesliga nicht fremd. Der 44-Jährige war unter anderem als Co-Mannschaftsarzt in der 1. und 2. Liga unterwegs. Dazu arbeitete er in Regensburg mit Klaus Eder, dem ehemaligen Physiotherapeuten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, eng zusammen und betreut auch in Heidelberg zahlreiche Spitzensportler. Ein Blick auf den Fall des jungen Profis des VfB Stuttgart ist für den Gelenkspezialisten also kein Neuland.

Verletzung des VfB-Youngsters Egloff: Experte erklärt was hinter einem Ödem steckt

Knochenmarködeme können laut dem Experten ganz allgemein „bei chronischen Überlastungen oder nach Traumen auftreten“ - die Mediziner sprechen hier auch von einem „bone bruise“, also einer Knochenprellung. Die Gründe für ein solches Knochenmarködem sind vielfältig. Renkawitz: „Ein Knochenmarködem kann in manchen Fällen auch Hinweis auf eine Gelenkverletzung oder einen Knorpelschaden sein. Gelegentlich tritt das Knochenmarködem-Syndrom auch spontan auf.“

Mögliche Entstehung – Sportmediziner Professor Renkawitz erklärt, wie Knochenmarködeme im Zusammenhang mit Überlastung oder nach Verletzungen, zum Beispiel aus einem Zweikampf, entstehen. „Es kommt zumeist zu einer Minderdurchblutung im Knochen, und daraus resultiert dann eine Entzündungsreaktion innerhalb der Knochenarchitektur. Durch einen vermehrten Austritt von Flüssigkeit in die Zellzwischenräume steigt der Druck im Knochen. Nerven werden gereizt, der Schmerz wird spürbar größer.“

Für Profi-Sportler eine durchaus „belastende Situation“, so Renkawitz. Schmerzen, keine Chance auf Training. Auch damit muss die Psyche des Spielers erst mal klarkommen.

Bruch-Gefahr? Behandlungsmöglichkeiten? Operation?

Was lässt sich bei einer solchen Verletzung tun? Der VfB Stuttgart geht bei Lilian Egloff einen konservativen Weg. Auch für den Experten ist es grundsätzlich immer ein guter Ansatz auf eine Operation zu verzichten - wenn möglich. Professor Renkawitz: „Zu den klassischen konservativen Therapien gehört neben Physiotherapie Entlastung, Thromboseprophylaxe, Schmerztherapie und eine entzündungshemmende Therapie.“ Auch Vitamin D hilft für den Knochen-Stoffwechsel. Die Varianten sind vielfältig.

Auch für einen ambitionierten Freizeitspieler kämen diese Ansätze zum Einsatz, erklärt Renkawitz. Im Leistungssport gehe es allerdings oft auch darum, einen Sportler schnell wieder einsatzfähig zu bekommen. „Da gibt es dann auch weitergefasste Verfahren. Auch eine Behandlung unter Beobachtung im Krankenhaus ist denkbar. Es gibt spezielle Infusionen und Medikamente, die die Knochendurchblutung sehr stark fördern. Damit kann die Selbstheilung des Körpers unterstützt werden.“

Auch ein sogenannter minimal-invasiver operativer Eingriff sei manchmal denkbar. Dabei würde man den betroffenen Bereich mit einer speziellen Schlüsselloch-OP-Technik anbohren. Renkawitz: „Dadurch kann man in ausgewählten Fällen den Druck im Knochen verringern und die Durchblutung verbessern. Wir kombinieren diese Methode bei uns hier in Heidelberg dann im stationären Bereich mit entsprechenden Infusionen.“ Einen operativen Eingriff hatte der VfB Stuttgart bei Egloff bisher vermieden.

VfB muss weiter auf Egloff verzichten - eine Dauer der Verletzung ist schwer zu terminieren

Die Dauer der Behandlung? Eine Prognose fällt sogar dem Experten schwer: „Die Bandbreite, die wir für eine solche Verletzung haben, liegt irgendwo zwischen drei und 24 Monaten. Es gibt die schnellen Verläufe. Dabei können Spieler bereits nach gut zehn Wochen wieder am Mannschaftstraining teilnehmen - aber es gibt eben auch die langwierigen Fälle.“

Und Renkawitz weist noch darauf hin, dass solche Knochenmarködeme im gesamten Körper und vornehmlich auch im Hüft- sowie Kniegelenk auftreten können. UND: Diese Verletzung kann auch den ambitionierten „Normal“-Sportler treffen. Der Rat des Experten: Sollten hier Probleme auftreten, sollte man immer einen Orthopäden zur Abklärung aufsuchen. Eine chronische Überlastung durch eine einseitige Gelenkfehlstellung könnte der Grund sein: „Wenn man es frühzeitig erkennt, dann lassen sich Folgeschäden und ein frühzeitiger Gelenkverschleiß verhindern.“

VfB Stuttgart: Die Verletzungen von Egloff in dieser Saison

Lilian Egloff blickt in dieser Saison beim VfB Stuttgart auf eine lange Leidenszeit zurück. Zu Beginn der Spielzeit fiel er bereits mit einem Syndesmoseband-Anriss für mehrere Wochen aus. Sein Debüt in der Bundesliga gab‘s dann am vierten Spieltag gegen Hertha BSC. Beim 5:1-Triumph über Borussia Dortmund durfte er nochmals 13 Minuten ran. Danach war Schluss. Seit Mitte Dezember zwingt ihn das Knochenödem zum Pausieren.

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