Ein Glücksgriff - bis jetzt

Echo-Einwurf: VfB-Trainer Matarazzo - vom No-Name zum Show-Man

Pellegrino Matarazzo hat den VfB Stuttgart binnen weniger Wochen verändert.
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Pellegrino Matarazzo hat den VfB Stuttgart binnen weniger Wochen verändert.
  • Dominik Jahn
    vonDominik Jahn
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  • Tobias Becker
    Tobias Becker
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Im Echo-Einwurf geht es dieses Mal um Pellegrino Matarazzo, die wahrscheinlich mutigste Entscheidung des VfB Stuttgart in dieser Saison. 

• Im Daten-Check steht der VfB Stuttgart 2020 besser da.
• Pellegrino Matarazzo war kaum jemandem ein Begriff.
• Matarazzo war bislang ein Glücksgriff für den VfB Stuttgart.

VfB Stuttgart: Trainer Pellegrino Matarazzo - vom No-Name zum Show-Man

02. März: Da sitzt Pellegrino Matarazzo auf dem Podest vor dem Mikrofon. Er schaut gespannt, wenn Fragen gestellt werden. Manchmal blitzt es ins seinen Augen schelmisch. Er lächelt, dann antwortet er. Auf Fragen zur Aufstellung des VfB Stuttgart, zur Taktik, dem Gegner und auch zu schwierigen Ereignisse, wie dem Coronavirus. Abgeklärt, ruhig, sympathisch - fast so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dabei stand Pellegrino Matarazzo bis vor wenigen Wochen noch in der zweiten Reihe. 

Er war der Buzz Aldrin des Hoffenheimer Trainer-Stabs. Buzz wer? Richtig, denn nach dem zweiten Mann auf dem Mond fragt keiner. Matarazzo war ein No-Name, der maximal echten Insidern bekannt war. Sogar VfB-Präsident Claus Vogt gab zu, den Neuen nicht zu kennen, als Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat ihn Ende Dezember als Nachfolger von Tim Walter ernannten. 

Am Anfang war die Diskussion: Ist Matarazzo der Richtige für den VfB Stuttgart?

Die Diskussionen waren da. Der VfB Stuttgart in der Krise und dann ein unbekannter Trainer? Ja manch einer hatte auch den NamenHuub Stevens ins Rennen geworfen, aber er ist ja eher Retter im Abstiegskampf statt Aufstiegsheld. Warum kein erfahrener Trainer, der mit den erfolglosen Stars der zweiten Liga beim VfB Stuttgart zurechtkommt? Einer, der die Abwehr in den Griff bekommt und sie vor dem Tor selbstbewusster werden lässt. Oder eben einen Namen, den man wenigstens kennt. 

Aber nein, Pellegrino Matarazzo kam. Und "Pelle" machte kein Pillepalle, sondern schaffte binnen kürzester Zeit den "neuen VfB". Hinten sicher, vorne zielstrebig. Der VfB hat sich in fast allen Werten verbessert: Laufstrecke, Zweikämpfe, Punkteschnitt. Gut, die Chancenverwertung ist immer noch mau, aber wen kümmert das. Ein Unentschieden bei St. Pauli, vier Siege - darunter zwei gegen die Verfolger aus Heidenheim und Aue. Ein sehenswerter Pokalauftritt in Leverkusen, der knapp verloren wurde. Es fragt keiner mehr: Mata-wer? 

VfB Stuttgart: Hakuna Matata mit Matarazzo 

Die Niederlage in Fürth? Der Amerikaner würde sagen: Doesn't matter. Oder um es mit den Worten eines deutschen B-Promis auszudrücken: Egal. Denn: Pellegrino Matarazzo hat es allen gezeigt! Er ist vom No-Name zum Show-Man geworden. Stress spürt er keinen und seit Matarazzo herrscht beim VfB eine Hakuna Matata-Stimmung. 

Zu der Wahl muss man dem VfB Stuttgart gratulieren, speziell Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat. Vor Matarazzo muss man - Stand jetzt - den Hut ziehen. Für die Leistung in der Kürze der Zeit. Für den Mut eine Aufgabe, die als schwer bekannt ist, anzunehmen. Für die Ruhe, mit der er seinen Job erledigt. Er ist kein No-Name mehr, er ist im Business angekommen und zwar mitten in der Aufstiegsshow. Jetzt muss er den Aufstieg nur noch schaffen... 

Badstuber, Kaminski und Kempf: Das Comeback-Problem des VfB Stuttgart!

20. Februar: Aus dem Verletzungsproblem beim VfB Stuttgart wird ein Comeback-Problem! Holger Badstuber, Marcin Kaminski und Marc-Oliver Kempf sind in naher Zukunft wieder fit und einsatzbereit. Das Problem dabei: Der Zwang erfahrene, gestandene Spieler einzusetzen. Ein Nachteil für die momentan bärenstarke Abwehr des VfB Stuttgart:  Nathaniel Phillips, Atakan Karazor und Pascal Stenzel.

Es wird auf die Leistungen vergangener Tage geschaut, ein radikaler Umbruch oft abgelehnt. Mit Badstuber, Kaminski und Kempf kommen 36 Länderspiele zurück in den Kader. Wie kann man solche Spieler in der zweiten Liga auf der Bank lassen? Einfach, denn gegen Bochum und Aue standen gerade mal 17 U-Nationalmannschaftseinsätze (alle Stenzel) in der Abwehr. Geschadet hat es nicht - im Gegenteil! Nur warum?

Neue Abwehrstärke beim VfB Stuttgart: Die möglichen Gründe!

Klar, Badstuber und Kaminski haben in ihren Karrieren genügend gesehen und kennen Drucksituationen. Aber das muss nicht immer gut sein. Die Leichtigkeit vergeht mit steigendem Druck oft. Die "Jugend" könnte also ein Grund sein - auch wenn Karazor sagt: "Egal wer da spielen würde, sie würden es sehr, sehr gut machen." Und Sportdirektor Sven Mislintat, der zuletzt viel Grund zur Freude hat, ergänzt: "Wir haben gerne viel Qualität." Floskeln! 

Pellegrino Matarazzo setzte beim VfB Stuttgart bislang auf Atakan Karazor in der Innenverteidigung.

Ein möglicher Grund dafür, ist laut Karazor die rege Kommunikation - zumal diese meist harmonischer wirkt als mit dem grimmigen und motzenden Badstuber, der oft sicher allen Grund dazu hatte.  Einzig Kempf ist von den aktuell Verletzten zu Beginn Teil der "neuen VfB-Abwehr" gewesen, verletzte sich jedoch gegen St. Pauli - vor dem bisher einzigen Gegentreffer im neuen Jahr!

So kann der VfB Stuttgart das Comeback-Problem lösen!

Auch das neue System von Pellegrino Matarazzo, dessen Spieler durchaus Fehler machen dürfen, wenn sie sich dann entwickeln, und Spieler wie Wataru Endo haben sicher einen Einfluss auf die konstante Abwehrleistung des VfB Stuttgart. Aber gerade gegen Bochum hat Endo sich doch den ein oder anderen Fehlpass erlaubt, den seine Hinterleute ohne großes Tam-Tam wieder bereinigt haben.

Fazit: Die aktuelle VfB-Abwehr war zu Beginn eine Notlösung, entwickelte sich jedoch in kürzester Zeit zu mehr und haben sicher noch reichlich Potenzial. Phillips, Karazor, Stenzel und Kempf wirken sicher, stabil, souverän. Es ist eine Abwehr, bei der der VfB-Fan nicht an ein Flugzeug mit Windows-Betriebssystem denkt. Eine Abwehr, bei der man sich so sicher fühlt, wie ein Baby in Mamas Armen.Sie sollten weiterhin auf dem Platz stehen. 

Der neue VfB Stuttgart ist besser als der alte...

11. Februar: Stärker, treffsicherer, effektiver. Der VfB Stuttgart hat sich unter Neu-Trainer Pellegrino Matarazzo schnell gefangen. Nichts ist mehr zu spüren vom Loch der Hinrunde. Statt langweiligen Pass-Stafetten in der letzten Reihe, gibt der VfB Stuttgart nun Gas. Er strahl die Gefahr aus, die ein Aufstiegsaspirant durchaus ausstrahlen sollte. Matarazzo hat es sogar binnen weniger Wochen geschafft, den Knoten vor dem Tor platzen zu lassen. Peng - und der VfB trifft wieder. Keine Diskussion mehr über die Chancenverwertung und die beliebte Aussage: "Es ist gut, dass wir diese Chancen haben." 

VfB Stuttgart unter Matarazzo besser als unter Walter

Es soll nicht heißen, dass Ex-VfB-Coach Tim Walter keine gute Arbeit geleistet hat, denn letztendlich hat er vor der Saison und in der Hinrunde ein Fundament gebildet, auf dem Pellegrino Matarazzo nun aufbauen kann. Aber: Vergleicht man die letzten drei Spiele unter Walter mit den ersten drei Spielen unter Matarazzo wird eines schnell deutlich: Der VfB Stuttgart hat sich gesteigert. Beispiele gefällig? 

Im Schnitt braucht der VfB unter Matarazzo bislang 6,3 Schüsse um ein Tor zu erzielen, vorher waren es noch 7,8 Torschüsse. Die Treffsicherheit ist wieder da. Dazu kommt: Der Aufwand, den der VfB Stuttgart neuerdings betreibt, ist geringer. Statt 119,82 Kilometer pro Spiel, rennen die VfB-Spieler "nur" noch 114,08 Kilometer im Spiel. Faul? Nein, eher effektiv, denn auch die Zweikampf-Quote hat sich verbessert. 45,7 Prozent waren es in den letzten Walter-Spielen gegen Darmstadt, Nürnberg und Hannover. Unter Matarazzo in der Liga bislang 55,3 Prozent im Schnitt. 

VfB Stuttgart: Walter war wichtig, aber...

Der VfB Stuttgart wirkt sicher in der Defensive, zielstrebiger im Angriffsspiel und aggressiver im Spiel ohne Ball. Auch die einzelnen Spieler profitieren zum Großteil von Matarazzos Neuerungen: Mario Gomez trifft nun wieder regulär, Atakan Karazor hat auf seiner neuen Position (Innenverteidiger) zu alter Stärke zurückgefunden und als Kollektiv wirkt der VfB ohnehin besser. Fazit: Walter war wichtig für den VfB. Der Schritt zu Matarazzo hat sich jedoch ausgezahlt.

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