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Echo-Einwurf: "Es reicht" - Mislintats Schiri-Schelte gehört zum Schach!

VfB Stuttgart: Sven Mislintat kritisiert Schiedsrichter für Bielefeld-Ausgleich!
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VfB Stuttgart: Vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld konnte Sportdirektor Sven Mislintat noch lachen.
  • Tobias Becker
    vonTobias Becker
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Der Echo-Einwurf beschäftigt sich dieses Mal mit der Kritik von VfB-Sportdirektor Sven Mislintat an der Schiedsrichter-Entscheidung bei Bielefelds Ausgleich. 

• VfB Stuttgart spielt Unentschieden gegen Arminia Bielefeld.
• VfB-Sportdirektor Sven Mislintat ist sauer wegen eines vermeintlichen Fouls.
• Schiedsrichter-Diskussion nach dem Topspiel des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielfeld.

Echo-Einwurf: "Es reicht." - Mislintats Schiri-Schelte gehört zum Schach!

"Es reicht!" Die Worte von VfB-Sportdirektor Sven Mislintat klingen streng, genervt, ernst. Es steckt viel Frust dahinter - und vielleicht auch ein bisschen Taktik. Der Ausgleichstreffer im Top-Spiel des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld erhitzt die Gemüter. Ein langer Einwurf, eine Verlängerung per Kopf und dann eine auf den ersten Blick wunderschöne Drehung von BielefeldsCebio Soukou um VfB-Verteidiger Pascal Stenzel - zack, drin das Ding (76.). Streichen wir das "auf den ersten Blick". 

Auch wenn Mislintat es anders sieht: "Das war ein Foul an Pascal." Bei der Drehung von Soukou kam es wohl zu einer Berührung im Gesicht von Stenzel, der direkt den Zweikampf abbrach und sich -ganz fußballtypisch - das Gesicht hielt. Kann man machen, ob es notwendig war in der Situation als "letzter Mann", ist eine andere Frage. Der Handballer lacht, der Rugby-Spieler macht den TV bei Fußball schon gar nicht mehr an... Selbst Stenzel und Gonzalo Castro sprechen von einer 50/50-Entscheidung. Thema erledigt - oder doch nicht?

Im Echo-Einwurf ging es auch schon um Pellegrino Matarazzo, die Abwehr und einen Vergleich zwischen Matarazzo und Walter

Was Mislintat ärgert: Die wohl wiederholte Fehlentscheidung gegen den VfB Stuttgart. Mislintat: "Es war jetzt mehrfach die Saison, dass wir – wie wir finden – benachteiligt wurden in Situationen durch Nicht-Eingriff der Schiedsrichter." Es habe schon einige "Elfmeter-Situationen, die wir ganz klar hätten bekommen müssen", gegeben. Mislintat reißt der einkalkulierte Geduldsfaden: "Wir haben es bislang noch nicht zum Thema gemacht, aber es reicht." Von alltäglichen fußballerischen Einlagen wie sterbenden Schwänen, actionreichen Flugshows und der Frage, ob es ein Foul war oder nicht mal ganz abgesehen: Mislintat ist ein ausgebuffter Taktikfuchs! Oder einfach gesagt: Er lenkte ab. 

VfB-Sportdirektor Sven Mislintat lenkt nach Bielefeld-Spiel ab

Sicher war er aufgeregt, wegen der verlorenen Punkte gegen Bielefeld - auch wenn er sagte, dass das Ergebnis letztendlich gerecht war. Sicher war Mislintat auch unzufrieden mit dem Spiel seines VfB Stuttgart und der Abwehrleistung in der Situation. Warum kann der Einwurf so "leicht" verlängert werden? Wieso steht Soukou da im Strafraum relativ frei? Und warum beißt Stenzel nicht in Bolzplatz-Manier bis die verdammte Pille wieder aus der Gefahrenzone draußen ist? Mislintat kann all das nicht unbedingt vor den Mikros dieser Welt sagen. Was er gesagt hat, ist jedoch nicht ganz richtig. "Wir haben es bislang noch nicht zum Thema gemacht." Nein? 

Ich meine doch. Kurz nach dem Weltfrauentag schießen mir zwei Anekdoten in den Kopf aus der Hinrunde, die durchaus mit Frauen in Zusammenhang gebracht werden können. Da war Tim Walter, der in Schiedsrichter Felix Zwayer seine Frau erkannte und sagte: "Ich dachte, meine Frau pfeift heute. Die pfeift auch immer für die mit den schönsten Trikots." Oder Abwehr-Spieler Holger Badstuber, der Schiedsrichtern fehlendes Fingerspitzengefühl vorwarf und dabei sicher nicht von seiner Katze sprach: "Ihr pfeift nur nach den Regeln. Ihr seid Muschis geworden!" Da wurde ebenfalls über Schiedsrichter-Leistungen und Entscheidungen gesprochen. Und erst vor einer Woche "war der Schiedsrichter anders drauf", laut Gonzalo Castro, da ihm ein Elfmeter verweigert wurde. 

Auch beim VfB Stuttgart wird Schach gespielt

Es reicht anscheinend noch nicht, sondern muss weiter diskutiert werden. Klickt man sich durch das liebe Internet, stößt man vielleicht auch auf die "Wahre Tabelle", eine nette, wenn auch nicht ganz ausreichende Grundlage, nach der der VfB Stuttgart auch nach Abzug aller Fehlentscheidungen nur einen Punkt mehr hätte. Der Kontakt zwischen Soukou und Stenzel war - anders als von den Schiedsrichtern laut Mislintat in einem ersten Statement erklärt - wohl da, aber nach TV-Bildern zu urteilen weder absichtlich, noch derart heftig, dass es für einen Muss-Pfiff reicht. Und wenn so kleinlich gepfiffen wird, "dann können wir auch Schach spielen" (Gonzalo Castro nach der 0:2-Niederlage gegen Fürth). 

Für den Taktikfuchs Mislintat war der simple, emotionale Ausbruch wohl nötig, um von den größeren Problemen im Spitzenspiel abzulenken: Die Chancenverwertung, die Abwehrleistung, die erste Hälfte. Und wer die Frage des Reporters vorher hinzunimmt, weiß: Es ging nicht um die Bewertung der Situation beim Ausgleich. Die Frage lautete: "1:1 gegen Bielefeld. Warum habt ihr das Spiel am Ende noch so aus der Hand gegeben?" Daraufhin machte Mislintat seinen Schachzug...

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