Keine Zeit mehr

Echo-Einwurf: Lieber VfB Stuttgart, so kann es nicht weitergehen!

  • Tobias Becker
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Der VfB Stuttgart hat sich die nächste Blöße gegeben. Im Echo-Einwurf geht's um den schwachen Auftritt und woran es fehlt.

• Der VfB Stuttgart bringt den Aufstieg durch viele Patzer in Gefahr.
• Im Derby gegen den KSC setzte es eine 1:2-Niederlage.
• So hat der VfB Stuttgart den Aufstieg in die Bundesliga nicht verdient.

Echo-Einwurf: VfB Stuttgart, so kann es nicht weitergehen!

So nicht! So hat der VfB Stuttgart den Aufstieg nicht verdient - und kann froh sein, dass aufgrund der Corona-Krise keine Fans im Stadion sind. Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen den VfB Stuttgart. Die tägliche Berichterstattung macht es fast unmöglich, der emotionalen Nähe zu entgehen. Dennoch bin ich sicher auch kein Fan der Stuttgarter, da ich seit meiner Kindheit einen anderen Verein habe, dem ich die Daumen drücke.

So ist die Situation und aktuell bin ich sehr froh, dass ich kein VfB-Fan bin. Denn als Fan liebt man den Verein - trotz eines Desasters. Leicht ist es beim VfB aktuell sicher nicht, das Fan-Herz blutet. Und sogar bei mir sind die Gefühle zwiegespalten. Nach der 1:2-Pleite im Derby (!) gegen den Kellerkind-KSC, musste icheinerseits lachen, andererseits weinen.

Lachen, denn es war absehbar, dass der VfB Stuttgart versagt, den zweiten Platz im Schneckenrennen wieder abgibt. Wütend war ich, weil sich der VfB dabei einfach nur blöd anstellt - wie so oft in den letzten Wochen und dieser Saison. Und um das noch anzufügen: Es liegt nicht an Pellegrino Matarazzo. Der Trainer muss hilflos zusehen, wie seine Spieler auf dem Platz rumstümpern.

Wieder verloren! Der VfB Stuttgart versagt im Kollektiv

Es geht dabei nicht nur um einzelne Spieler. Klar, der grobe Schnitzer gegen den KSC von Marcin Kaminski sowie der Doppel-Patzer von Roberto Massimo gegen Kiel, sind nur die jüngsten Beispiele in einer Liste, die sich in dieser Saison leider lange fortführen lässt. Zu oft versagt jedoch das so hoch gelobte Kollektiv

Die Ideenlosigkeit im Angriff vor allem gegen tiefstehende Gegner, über deren Taktik vereinzelt sogar gemeckert wird. Immerhin haben diese Gegner damit oft genug Erfolg gegen den VfB Stuttgart. Die fast schandhafte Chancenverwertung, die in dieser Saison so häufig thematisiert wird. Der oft fahrlässig wirkende Spielaufbau, den sich der VfB durch Ungenauigkeit meist selbst zerstört. 

Klar, es sind Ansätze zu sehen. Ja, es ist eine Entwicklung. Und natürlich steht der VfB auf dem Relegationsplatz. Vertan ist die Chance auf den Aufstieg nicht. Noch nicht. Aber das ist schon fast peinlich und zugleich beachtenswert für die zweite Liga. Jeder kann jeden schlagen - das macht es spannend. Teams wie der VfB Stuttgart und der HSV stehen trotz "Mega-Etats" nicht auf Rang eins und müssen um den Aufstieg zittern, denn Heidenheim sitzt ihnen im Nacken. 

Geld gewinnt keine Spiele! VfB Stuttgart braucht mehr Einsatz und Leidenschaft

Geld ist nicht alles, das zeigen folgende Zahlen: Der VfB Stuttgart hat laut "transfermarkt.de" mit 59,4 Millionen Euro den wertvollsten Kader der zweiten Liga. Danach kommt übrigens der HSV mit fast 13 Millionen Euro weniger. Zum Vergleich: Der KSC ist in dieser Tabelle Letzter (Marktwert: 9,2 Millionen Euro). Auch der kalte Atem im Nacken (Heidenheim) hat "nur" einen Marktwert von 18,63 Millionen - und NUR einen Punkt weniger als der VfB. 

Geld ist also nicht alles. Es geht auch um Leidenschaft, um Einsatz, um Wille und die Qualität. Es ist wohl unbestritten, dass letzteres beim VfB Stuttgart zumindest individuell vorhanden ist. Im Team jedoch fehlt es an der Qualität, die nötig ist, um auch tiefstehende Teams zu knacken. Leidenschaft, Einsatz und Wille blitzen beim VfB nur gelegentlich auf und fehlen auf dem Platz zu oft. 

Durchhalteparolen, Geduld predigen und nervige Floskeln wie "wir schauen auf uns und das nächste Spiel" gab es dafür leider in rauen Mengen. Nach dem KSC-Spiel wieder - Philipp Klement laut "Kicker": "Jedes Spiel ist ein großer Kampf, den wir annehmen müssen." Ach ja? Gute Erkenntnis nach 31 gespielten Spielen.

Das pure Glück! Der KSC freut sich über den Derby-Sieg gegen den VfB Stuttgart.

Geändert hat sich nicht viel und je weiter die Saison fortschreitet, desto schlimmer scheint es zu werden. Und so hört sich die Einsicht besser an, als die Erkenntnis von eben - Klement: "Wir haben uns blöd angestellt." Völlige Zustimmung! Die Fehler häufen sich, die Schockstarre nach Rückständen gleicht einem Aufgeben. An der Corona-Pause kann es bei Profis, die seit Jahren nichts anderes machen als zu kicken, nicht liegen. Die Fehler von Massimo und Kaminski sind so nicht zu erklären. Sind es der Druck oder die Angst den Aufstieg zu vermasseln? 

Was sollen die Spieler des KSC dazu sagen? Die stehen mit dem Rücken zur Wand, kämpfen gegen die Insolvenz und um ihren Job. Sie verdienen um einiges weniger und trotzdem zeigt jeder einzelne Spieler des badischen Erzrivalen mehr Leidenschaft, Einsatz und Kampf als die komplette Truppe des VfB Stuttgart zusammen. 

Nach Peinlich-Pleiten des VfB Stuttgart: Bielefeld und Heidenheim - braucht es mehr Aufsteiger? 

Die oben genannten Fehler von Massimo und Kaminski stehen quasi symbolisch für das Totalversagen des VfB Stuttgart im nahezu peinlichen Aufstiegsrennen. Ob man Bielefeld in Liga eins sehen will oder nicht: Die Arminia hat es verdient aufzusteigen, denn es ist das konstanteste Team. 

Sie müsste jedoch auch mehr zittern, würde vielleicht nicht mal am Aufstiegsrennen teilnehmen, wenn sich der VfB Stuttgart und der HSV nicht so "blöd anstellen" würden. Wenn es in diesem Jahr nur einen Aufsteiger geben dürfte, ich hätte nichts dagegen. Oder zwei, aber dann sollte es Heidenheim sein, die mit ihren Möglichkeiten das Beste rausholen. 

Sie können am letzten Spieltag den HSV im Heimspiel schlagen, wenn der HSV den Aufstiegsbammel bekommt. Der VfB wird aller Voraussicht nach vorher erneut schlampen, denn mit Sandhausen kommt ein kleiner, aber unangenehmer Gegner im nächsten Spiel und es folgt Nürnberg, die aktuell eine ähnlich prekäre Situation wie der KSC haben. Gegner, die nicht unbedingt die Lieblingsgegner des VfB Stuttgart sind - aber wer ist das schon... 

VfB Stuttgart: Trainer Pellegrino Matarazzo wirkt geschockt und ärgerlich.

Die Zeit drängt beim VfB Stuttgart - das Fazit!

Zeit ist etwas, das der VfB nicht mehr hat und dennoch: Es wird Zeit aufzuwachen. Zeit für die Spieler des VfB Stuttgart zu erkennen, dass der Aufstieg nicht garantiert ist. Zeit, auch mal an die Fans zu denken, die zwar nicht im Stadion Pfeifen können, um ihren Unmut zu zeigen, aber durchaus zu Hause frustriert sind. 

Um den Floskeln der Spieler eine weitere hinzuzufügen: Es wird Zeit, sich an der Ehre zu packen! Aufstiegshelden werden sie sicher nicht mehr, denn Heldentum braucht große Taten, mit denen sich der VfB sicher nicht gerühmt hat. Aber sie müssen auch nicht zu Aufstiegsversagern werden. Drei Spiele sind genug Zeit für Wiedergutmachung - und den Gang in Liga eins.

Rubriklistenbild: © dpa

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