Von Torwart bis Sturm

VfB Stuttgart: Das sind die Problemstellen im Kader!

  • Tobias Becker
    vonTobias Becker
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VfB Stuttgart: Der Aufstieg ist da, bringt aber neue Probleme mit sich. Kader-Baustellen, das Sparbuch löchrig. Teil sechs der großen VfB-Reihe ist da!

• Der VfB Stuttgart ist als Tabellenzweiter in die Bundesliga aufgestiegen.
• Nach der Coronapause fehlt dem VfB Stuttgart viel Geld.
• Ist die aktuelle Mannschaft reif für die Bundesliga?

Teil 1: Erwartungsdruck, Geschichte und finanzieller Rückschlag beim VfB Stuttgart!

Der VfB Stuttgart spielt wieder Bundesliga - endlich! Nach einem Jahr Abstinenz geht es, nach einer spielerischen Soap im Stile von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und der Besonderheit "Corona-Pause", zurück ins Oberhaus. Zurück in die Beletage. Zurück ins Rampenlicht. 

Ein gewöhnlicher Aufsteiger ist der VfB Stuttgart dabei nicht, denn der Verein kennt die Liga bestens und die Liga den Verein auch. Das bedeutet: Die Erwartungshaltung, bei all den Bremsvorgängen, die das sportliche Triumvirat Hitzelsperger-Mislintat-Matarazzzo gerade einlegt, wird dennoch hoch sein.

Man erinnere sich: In der Saison 2017/18 schaffte der VfB nach der Rückkehr den Klassenerhalt, im Jahr darauf wurde unverblümt von Europa geträumt. Statt Flügen in Metropolen wie London, Mailand und Paris oder wenigstens in die zweite Liga Fußball-Europas nach Aserbaidschan, Island und Norwegen - wäre ja auch ok gewesen in der Europa League - ging es postwendend in die zweite Liga Deutschlands. 

Der VfB Stuttgart wird wohl auch mit dem genannten Triumvirat, das sicher keine falschen Vorstellungen hat und ausreichend Erfahrung, um Ziele ordentlich zu definieren, ein Problem bekommen mit der Erwartungshaltung im Umfeld bekommen. 

Die Fans des VfB Stuttgart konnten den Aufstieg feiern. Nächste Saison geht es rein um den Klassenerhalt.

Aber darum kann man sich kümmern, wenn es soweit ist. Das erste Hindernis klopft schon seit Wochen an die Tür des VfB Stuttgart: Das Peseten-Problem! Dank der Corona-Krise schrumpft der Etat des Aufsteigers um nennenswerte Summen. Statt der geplanten 30 Millionen, stehen dem VfB nur fünf Millionen Euro für Transfers zur Verfügung.

VfB Stuttgart bereit für die Zukunft? Transfergerüchte, Kade-Planung und News

Das sind keine Peanuts, das sind Peseten! Vor allem das "Diamantenauge" Mislintat ist nun gefordert. Talente mit Potenzial, Schnäppchen und eventuell der ein oder andere Glücksgriff sind nötig, wenn der VfB die Baustellen besetzen will. 

Teil 2: Kein Geld! So reagiert der VfB Stuttgart

Aber wo ist das Geld eigentlich hin? Schließlich sollte der VfB doch ursprünglich mehr als 30 Millionen Euro zur Verfügung haben. Wie die "Bild" berichtet, fehlen dem VfB Stuttgart rund vier Millionen durch die fehlenden Zuschauer bei den letzten vier Heimspielen. Vermutlich wird es in der neuen Saison zwar weniger bis keine Geisterspiele geben, aber volles Haus sieht auch anders aus. Wahrscheinlich ist eine Zuschauer-Begrenzung, der VfB kann also auch künftig erstmal nicht mit den kompletten Einnahmen rechnen. 

Hinzu kommt, dass für die bereits verkauften Logen rund zwei Millionen Euro zurückerstattet werden mussten und TV-Einnahmen in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro wegfielen. Durch die wohl anstehende Zuschauerbegrenzung wird der VfB wohl mit nur vier der ursprünglichen 16 Millionen an Einnahmen aus der Hinrunde rechnen. Suma summarum: Das Transferbudget und zum Teil auch die Gehälter fallen wohl dem Rotstift zum Opfer. Zack, und weg!

Teil 3: VfB Stuttgart nicht bundesligareif? Stolper-Sturm und mögliche Optionen!

Das Peseten-Problem löst jedoch die Bundesliga-Baustellen nicht - im Gegenteil! Man muss sich die Frage stellen, ob die Mannschaft des VfB Stuttgart, die sich im Schneckenrennen um den Aufstieg so viele Patzer leistete und bis auf die letzten Spiele gegen Sandhausen und Nürnberg selten Dominanz und Souveränität ausstrahlte, für die Bundesliga geeignet ist. 

Ohne Zweifel: Das Talent ist vorhanden, das Potenzial möglicherweise auch. Am Ende muss es aber auf den Platz gebracht werden. Beispiel Nicolas Gonzalez, der gerade durchaus hochgejubelt werden darf. 14 Tore in der Saison, davon acht in den letzten neun Spielen. Super, aber konstant war der Argentinier bislang nicht. 

Von Chancentod war die Rede, ein Wechsel war und ist immer wieder Thema, Sündenbock für den Abstieg war er auch ab und an. Kein leichtes Los für einen Spieler, der Rückendeckung und Vertrauen braucht, um sich zu entfalten. Vielleicht hat er es ja jetzt geschafft. "Vielleicht" reicht aber nicht für die Bundesliga. Im Sturm ist der VfB Stuttgart zu schwach, hat mit Gonzalez nur einen Stürmer, der Bundesliga-Erfahrung hat (30 Spiele, 2 Tore). Der verspielte Silas Wamangituka, Joker Hamadi Al Ghaddioui oder der gefühlte Neuzugang Sasa Kalajdzic sollen es richten? Das wäre ein riskanter Plan. Nach dem Karriereende von Mario Gomez fehlen zudem das Vorbild und die Erfahrung im Sturm. 

VfB Stuttgart: Chancenwerverwertung mangelhaft - aktuelle Transferoptionen!

Hinzu kommt, dass der VfB Stuttgart mit genau diesen Stürmern immer wieder eine miserable und nicht bundesligataugliche Chancenverwertung an den Tag legte. Phasenweise munkelte man schon, dass VfB-Fans nun alle graue Haare haben - oder gar keine mehr. Es fehlt der Knipser, der Goalgetter, der Spieler, der im entscheidenden Moment da ist - so wie Mario Gomez einst.

Taxiarchis Fountas ist beim VfB Stuttgart wohl eine Option für den Sturm.

Die heißesten Gerüchte für den Angriff sind aktuell wohl Taxiarchis Fountas (Rapid Wien) und Hendrik Weydandt (Hannover 96), die in Österreich und der zweiten Liga kickten. Aber die Frage bleibt: Reicht das für die Bundesliga? Vielleicht braucht es ja einen Spieler, der bei seinem Verein aufgrund der ersten Reihe keine Chance mehr hat. Ein Andre Schürrle (Borussia Dortmund) vielleicht, der zu einem Schnäppchen werden könnte und sicher nochmal eine Chance sucht. Eine Möglichkeit.

Teil 4: Mittelfeld zwischen Erfahrung und Talent

Im Teil 3 haben wir uns mit dem Sturm-Problemen beschäftigt. Aber was im Sturm fehlt, macht das Mittelfeld wett, oder? Denn schließlich schaffte es der VfB Stuttgart auf über 16 Torschüsse pro Spiel. Irgendwer muss die Chancen ja kreieren. Lange Zeit war die Vermutung, dass Daniel Didavi dahingehend Stuttgarts wichtigster Mann ist. 

Die letzten Spiele haben eher das Gegenteil gezeigt. Mit Didavi läuft alles über den erfahrenen Kreativmann, was schnell zu einseitig werden kann. Ohne Didavi lief es doch ganz gut. Mit Philipp Förster, Orel Mangala und dem Rückkehrer Erik Thommy hat der VfB Stuttgart Leute, die durchaus überraschen können und sich im Oberhaus präsentieren wollen, sofern sie denn bleiben. 

Gonazlo Castro und Daniel Didavi dienen eher als Leitbilder und bringen die nötige Erfahrung mit. Auch auf der Sechs sind mit Allzweckwaffe Atakan Karazor und dem laut Matarazzo "wichtigsten Spieler" Wataru Endo spannende Optionen vorhanden. Spannend, ja. Talentiert, bestimmt. Aber: Fühlen Sie sich mit dieser Konstellation ausreichend sicher für die Bundesliga? Das darf zumindest bezweifelt werden. Es kann gut gehen, kann aber genauso gut völlig in die rot-weiße Hose rutschen. Zudem fehlt dem VfB-Kader die Breite.

Wataru Endo ist beim VfB Stuttgart unverzichtbar geworden. 

Klar sind da jede Menge Spieler auf der Liste, allerdings sind viele davon einfach noch nicht bereit - und waren es im Übrigen auch nicht in Liga zwei. Also: Was gibt der Transfermarkt her? Im unteren Preisregal, wenn möglich. Gerüchten zufolge geht der Blick eher auf das "Quasi-für-umme-weil-noch-U19"-Regal. Zwei, drei Talente wie Matthias Braunöder oder Hakan Yesil standen schon zur Debatte und zuletzt ploppte Yusuf Demir auf (Rapid Wien). Vielleicht wäre auch im Mittelfeld noch das ein oder andere Schnäppchen möglich, allerdings ist das Mittelfeld wohl der Mannschaftsteil, der das Peseten-Problem zumindest nicht vergrößert. 

Teil 5: In der Defensive brennt's beim VfB Stuttgart! Bundesliga-Verstärkung muss her

Der Teil 4 unsere VfB-Reihe drehte sich um das Mittelfeld der Stuttgarter. Viel Geld wird der Verein hier nicht investieren müssen. Fraglich ist das noch bei der Abwehr. Böcke, Motzanfälle, Verletzungen... Die Defensive des VfB Stuttgart hatte immer irgendwas. 

VfB Stuttgart bereit für die Zukunft? Transfergerüchte, Kade-Planung und News

So musste Pellegrino Matarazzo zu Beginn seiner Amtszeit die Kette umstellen, zog notgedrungen Atakan Karazor in die Innenverteidigung und hatte damit Erfolg. Auf dieses glückliche Händchen sollte man sich in der Bundesliga nicht verlassen. Holger Badstuber ist wahrscheinlich zu langsam für die Liga, der Rest zu unerfahren. Und nach seiner Verbal-Attacke gegen den Trainer ist Badstuber vor einem Muss-Abgang. Also was würde helfen?

Ein, zwei Neuzugänge. Mit Pascal Stenzel wurde ein Leihspieler bereits fest unter Vertrag genommen. Borna Sosa ist nach einer Saison zum Vergessen wohl wieder an Bord. Zudem gilt dasselbe wie im Sturm: Mislintat findet sicher den ein oder anderen Spieler, der bei seinem Verein nicht zum Zug kommt, aber ausreichen Erfahrung und Klasse für die Bundesliga hat. Ein bisschen kann sich der VfB Stuttgart dahingehend vielleicht an Union Berlin orientieren, die mit Spielern wie Ex-VfB-Kapitän Christian Gentner den Klassenerhalt klar gemacht haben.

Oder man greift auf Spieler wie Waldemar Anton zurück, der zur Zeit wohl das heißeste VfB-Gerücht ist. Der Innenverteidiger von Hannover 96 würde helfen, aber die Gespräche dauern noch an. Konstantinos Mavropanos vom 1. FC Nürnberg könnte ebenfalls eine Option sein, allerdings wäre er mit einem Marktwert von 2,4 Millionen Euro wohl zu teuer. 

Konstantinos Mavropanos wäre sicher eine interessante Option - aber wohl zu teuer für den VfB. 

Was die Abwehr aber mehr als jeder andere Mannschaftsteil braucht, ist Konstanz. Sie muss sich finden und einspielen, um zu funktionieren. Da können auch die vorhandenen Spieler reichen, um in der Bundesliga einigermaßen zu bestehen.

Teil 6: Ein Bundesliga-Torwart für den VfB Stuttgart - und das Fazit!

Last but not least: Wer hält den Kasten sauber? Der Transferkrimi um Gregor Kobel zerrt an den Nerven der Macher und Fans. Geht er zurück zur TSG, bleibt er nur im Falle des Aufstiegs, stemmt der VfB die feste Ablösesumme von fünf Millionen Euro? Die Nummer zwei Fabian Bredlow wäre eine Möglichkeit um Geld zu sparen, denn schließlich ist er schon da. 

Aber der VfB Stuttgart braucht mehr. Er braucht eine wahre Nummer eins. Einen wie... ja, einen wie Sven Ulreich. Der hat den VfB einst verlassen und wurde beimFC Bayern München zur wohl besten Nummer zwei der Liga, will nun aber nicht zur Nummer drei degradiert werden hinter Manuel Neuer und Alexander Nübel. 

Sven Ulreich ist vor einigen Jahren vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München gewechselt.

Heißt: Er will wechseln - und die Bayern verzichten wohl auf die Ablösesumme. Eine lukrative Lösung, wenn man sich mit Ulreich einig wird. Auch Frederik Rönnow von Eintracht Frankfurt wurde schon in der Gerüchteküche gekocht, aber das war wohl heißer als es letztendlich genießbar war. 

Der heißeste Kandidat im Sommer: Kommt Schwäbe ins VfB-Tor?

Der wohl heißeste Kandidat ist Marvin Schwäbe. Zur Zeit in Dänemark bei Bröndby IF im Tor, konnte er sich zuvor nicht in Deutschland durchsetzen. TGS Hoffenheim, Dreseden, Osnabrück - nicht unbedingt die Vita, die der VfB im Tor bräuchte. Der Vorteil: Er ist billig und kostet gerade einmal 650.000 Euro

Es ist vielleicht nicht die Transferperiode der hohen Summen, aber eine nicht weniger spannendere, die Sven Mislintat vor eine große Herausforderung stellt. Der Sportdirektor muss für den Bundesliga-Kader des VfB Stuttgart seinen eigenen Job auf Champions League-Niveau machen. Transfers braucht der VfB Stuttgart, auch wenn es keinen Umbruch geben soll. Hier und da - vor allem im Sturm und Tor, sollten verschiedene Stellschrauben aber nochmal gedreht werden. 

Echo24.de meint: Der VfB Stuttgart ist aktuell noch nicht bundesligareif! Sie sind zwar aufgestiegen, haben dabei aber so viele Spiele abgeliefert, die die echo24.de-These unterstreichen. Das Potenzial ist da, unbestritten. Es fehlt eher an Erfahrung und Breite, an manchen Stellen auch an Klasse. Immerhin hat derVfB Stuttgart noch Zeit bis Ende September, auch wenn wohl das Ziel ist, Ende Juli fertig zu sein. Und durch Verkäufe kommt eventuell neues Geld in die Kasse.

Rubriklistenbild: © Gregor Bauernfeind/dpa

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