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Showdown in der Wüste von Texas: Wehrle oder Mislintat – wer zieht schneller?

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Von: Markus Merz

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Alexander Wehrle (links) und Sven Mislintat vom VfB Stuttgart.
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Bleibt Sven Mislintat als Sportdirektor beim VfB Stuttgart oder zieht er zum Ende der Saison weiter? Eine Reise in die USA dürfte im November Klarheit bringen.

Eigentlich schickte sich die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart im September 2022 an, keine denkwürdige Veranstaltung zu werden. Im Vorfeld gab es quasi keine Punkte auf der Agenda, die irgendwie Spannung versprochen hätten. Zumal die von vielen Fans erhoffte Vertragsverlängerung des Sportdirektors Sven Mislintat nicht auf dem Plan gestanden hatte. Dementsprechend kamen auch nur etwa 500 Mitglieder zu einer Versammlung, die am Ende dennoch in die Geschichtsbücher des Traditionsvereins aus Bad Cannstatt eingehen dürfte. So viel ist schon jetzt klar.

Nicht nur, dass der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart, Alexander Wehrle und Präsident Claus Vogt, in Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner drei prominente Ex-VfB-Spieler aus dem Hut zauberte und sie als neue Unterstützung für seine und die Tätigkeit von Sven Mislintat präsentierte. Nein, es wirkte sogar bei weiten Teilen der Mitglieder und Fans wie ein Affront gegen eben jenen, den sie so schätzen, ja sogar verehren: Sven Mislintat.

Bleibt Sven Mislintat beim VfB Stuttgart?

Viele Fragen stellten sich der treuen Fangemeinde: Wie sieht der Rolle der drei Neuen aus? Wusste die sportliche Leitung um Mislintat von den Personalien? Sind die Einstellungen vielleicht schon ein direkter Fingerzeig von Alexander Wehrle, dass er den Weg nicht mit Mislintat weitergehen will? Warum werden erst derlei Verpflichtungen geklärt - und nicht die Zukunft des geschätzten Transfergurus?

Eine Pressekonferenz am Montag sollte Aufschluss geben, als Alexander Wehrle mit Khedira, Lahm und Gentner auf dem Podium zusammenkam. Wer aber fehlte? Sven Mislintat. Dieser verfolgte „deren Show“ (Zitat Mislintat) mit etwas Abstand hinter den Journalisten stehend und dampfte nach dem Ende unverrichteter Dinge ab.

Alexander Wehrle witzelt und hat keine Antworten

Antworten bei der Pressekonferenz? Fehlanzeige! Stattdessen ein Vorstandsvorsitzender, der das Podium mit einer Bühne beim Kölner Karneval zu verwechseln schien anstatt sich auf konkrete Antworten zu konzentrieren. Und das neue Trio? Wusste ebenso wenig, wie die Aufgabenbeschreibung beim VfB Stuttgart in Zukunft eigentlich aussehen soll. Allen voran Christian Gentner, der als Leiter Lizenzspielerabteilung im Januar starten soll. Und damit direkt an das Team von Sven Mislintat angedockt werden soll.

Hinterher gab es mehr Fragen als Antworten. Und eine zunehmende Entrüstung der Fans, ob des offensichtlichen Affronts gegen Sven Mislintat. Eine zügig gestartete Petition zum Verbleib ihres Lieblings sammelte bis Freitag, den 16. September, 10.000 digitale Unterschriften.

Wehrle räumt Fehler ein, Mislintat äußert Unmut

Spätestens da dürfte es der Führungsriege klar geworden sein, dass der Auftritt bei der Mitgliederversammlung und der Pressekonferenz eher negative Folgen gehabt hatte. Eine über die Vereinskanäle verbreitete gemeinsame Mittelung von Alexander Wehrle und Sven Mislintat sollte die Wogen glätten. Wehrle gestand Fehler ein, sagte: „Es wäre im Nachhinein sicher besser gewesen, Markus Rüdt und Sven Mislintat frühzeitig einzubinden. Das ist besprochen und mit Sven ausgeräumt.“ Mislintat fügte an: „Wir hätten es als deutlich zielführender empfunden, von Anfang an in den Prozess zur Verpflichtung von Christian Gentner eingebunden worden zu sein.“

Der Unmut bei der Partei Mislintat: offensichtlich. Eine Zukunft beim VfB über die laufende Saison hinaus: mehr als fraglich.

Mislintat-Zukunft entscheidet sich in den USA

Denn: Was aus dieser Meldung als eigentliche Nachricht hervorging: Die beiden Duellanten (Wehrle hatte bei der Pressekonferenz am Montag deutlich gemacht, dass er und Mislintat schwierige Verhandlungspartner seien) werden auch in den kommenden Wochen nicht an einem Tisch zusammenkommen, um sich über ein neues Arbeitspapier des Sportdirektors zu unterhalten. Erst nach dem Ende der Spiele im Jahr 2022 (wegen der WM in Katar schon Mitte November) soll es Gespräche geben.

Am 15. November bricht der VfB Stuttgart zu einer einwöchigen Reise in die USA nach Austin in Texas auf. Dann dürfte es zum finalen Showdown der beiden Revolverhelden Wehrle und Mislintat kommen. Die Frage wird sein: Wer zieht schneller am Verhandlungstisch? Und: Kommt es überhaupt zu einer friedlichen Lösung? Gut möglich, dass Sven Mislintat die Waffen schon früher niederlegt und seine Zukunft anderweitig plant.

Keine Lust auf Dutt-, Heldt- oder Bobic-Zeiten bei den VfB-Fans

Dann, so viel ist sicher, hat Alexander Wehrle einen deutlich ungemütlicheren Opponenten gegen sich: Die Fans des VfB Stuttgart, die nur eins nicht wollen: Zurück in Zeiten, in denen Sportdirektoren wie Robin Dutt, Horst Heldt oder Fredi Bobic ihr Missgeschick am Transfermarkt auf dem Rücken des VfB Stuttgart austragen.

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