Formel 1

Furiose Aufholjagd von Vettel im Hockenheim-Chaos

Ferrari-Star Sebastian Vettel lässt sich nach seinem zweiten Platz von den Fans feiern. Foto: Uli Deck
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Ferrari-Star Sebastian Vettel lässt sich nach seinem zweiten Platz von den Fans feiern. Foto: Uli Deck
Nach der furiosen Aufholjagd spritzt der sichtlich zufriedene Ferrari-Pilot Champagner in die Menge. Foto: Uli Deck
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Nach der furiosen Aufholjagd spritzt der sichtlich zufriedene Ferrari-Pilot Champagner in die Menge. Foto: Uli Deck
Vettel jubelt bei der Siegerehrung mit der Trophäe. Foto: Uli Deck
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Vettel jubelt bei der Siegerehrung mit der Trophäe. Foto: Uli Deck
Sebastian Vettel (l) gratuliert Max Verstappen zum Sieg auf dem Hockenheimring. Foto: Uli Deck
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Sebastian Vettel (l) gratuliert Max Verstappen zum Sieg auf dem Hockenheimring. Foto: Uli Deck
Red-Bull-Pilot Max Verstappen jubelt nach seinem Sieg am Hockenheimring. Foto: Uli Deck
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Red-Bull-Pilot Max Verstappen jubelt nach seinem Sieg am Hockenheimring. Foto: Uli Deck
Nico Hülkenberg rutschte mit seinem Renault in die Mauer. Foto: Jan Woitas
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Nico Hülkenberg rutschte mit seinem Renault in die Mauer. Foto: Jan Woitas
Beim Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring herrschte zeitweise schlechte Sicht. Foto: Jan Woitas
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Beim Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring herrschte zeitweise schlechte Sicht. Foto: Jan Woitas
Nach dem Start lag Weltmeister Lewis Hamilton an der Spitze des Feldes. Foto: Fabian Sommer
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Nach dem Start lag Weltmeister Lewis Hamilton an der Spitze des Feldes. Foto: Fabian Sommer
Charles Leclerc musste seinen Ferrari nach einem Fahrfehler am Streckenrand abstellen. Foto: Jan Woitas
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Charles Leclerc musste seinen Ferrari nach einem Fahrfehler am Streckenrand abstellen. Foto: Jan Woitas

Was für ein Rennen: Sebastian Vettel rast vom letzten Startplatz in Hockenheim noch aufs Podium. Nur ein fliegender Holländer ist noch besser als der Ferrari-Fahrer. Mercedes erlebt beim Jubiläum ein Debakel - Lewis Hamilton bekommt nachträglich aber noch Punkte.

Hockenheim (dpa) - Für Sebastian Vettel war seine atemberaubende Aufholjagd im irren Regen-Chaos von Hockenheim der reinste Stimmungsschub.

Der von Platz 20 als Letzter gestartete Ferrari-Pilot musste sich beim actiongeladenen und womöglich letzten Formel-1-Rennen in Deutschland nur dem furiosen Niederländer Max Verstappen im Red Bull geschlagen geben. "Es ist eine harte Phase für uns, wir geben aber Vollgas. Wir müssen an unsere Fähigkeiten, an unsere Stärken glauben", sagte der zuletzt oft kritisierte Vettel voller Genugtuung nach seinem 50. Podium für die Scuderia. "In dieser Phase ist es wichtig, die Moral aufrechtzuerhalten."

Überglücklich reckte Sebastian Vettel den Fans in Hockenheim die Silber-Trophäe nach seiner Sturmfahrt entgegen. "Es war ein langes Rennen, an manchen Stellen hat es sich angefühlt, als würde es nie enden", meinte Vettel nach dem Sonntagskrimi mit einem Lausbuben-Grinsen. "Es hat richtig Spaß gemacht."

Mercedes erlebte bei seinem 200. Formel-1-Rennen dagegen ein Desaster. WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton blieb im Silberpfeil nach mehreren Ausrutschern und einer Zeitstrafe zunächst als Elfter ohne Punkte. Teamgefährte Valtteri Bottas schied nach einem Unfall kurz vor Schluss sogar aus.

Nachträglich bekam Hamilton doch noch zwei Punkte für die Gesamtwertung. Der Mercedes-Pilot rückte in der Endabrechnung auf Rang neun vor, nachdem die Rennkommissare beide Alfa-Romeo-Piloten mit einer 30-Sekunden-Zeitstrafe belegten. Der Finne Kimi Räikkönen und sein italienischer Teamkollege Antonio Giovinazzi, eigentlich Siebter und Achter, wurden wegen einer unerlaubten Technikhilfe am Start des Rennens sanktioniert und rutschten aus den Punkterängen.

Alfa Romeo kündigte Einspruch gegen das Urteil der Rennkommissare an. "Wir glauben, dass wir Gründe und Beweise dafür haben, dass es aufgehoben wird", sagte Teamchef Fréderic Vasseur.

Nach dem Fiasko donnerte Mercedes-Teamchef Toto Wolff voller Frust mit der Faust auf sein Boxenpult, auch wenn der Brite Hamilton nach dem elften Saisonlauf weiter klar mit nun 225 Punkten die Gesamtwertung anführt.

"Das war ein schlechter Tag für die Fahrer. Es hätte nicht schlechter laufen können", resümierte Wolff. Beim Hockenheim-Spektakel mit vier Safety-Car-Phasen wurde der Russe Daniil Kwjat im Toro Rosso Sensationsdritter und bescherte den Italienern nach elf Jahren wieder einen Podestplatz.

Den völligen Durchblick und die Nerven behielt Verstappen. Bei wechselhaftem Wetter und inmitten eines wilden Reifenpokers steckte der 21-Jährige auch einen verkorksten Start weg und holte sich mit einer Galafahrt seinen zweiten Saisonsieg. In der WM liegt er als Dritter nun 61 Punkte hinter Hamilton und 22 Zähler hinter Bottas.

Dem WM-Vierten Vettel indes gelang spektakuläre Schadensbegrenzung. Noch am Tag zuvor war der 32-Jährige tief frustriert gewesen, als er wegen eines Problems mit der Luftzufuhr am Turbolader seines Autos gar nicht erst in die Zeitenjagd eingreifen konnte. So musste er das Rennen von ganz hinten starten. Die Blamage perfekt machte ein Defekt im Benzinsystem bei Teamkollege Charles Leclerc, sodass auch der Monegasse nicht um die Pole Position mitfahren konnte. Er startete als Zehnter, lag phasenweise auf Podiumskurs und rutschte dann von der Strecke.

So musste es Vettel richten. "Eine fantastische Leistung von ihm. Das hat er gebraucht, das hat das Team gebraucht", lobte Teamchef Mattia Binotto den Heppenheimer. Dessen Vater Norbert ließ vor der RTL-Kamera erkennen, wie sehr er geschwitzt und gezittert hatte.

Der Thriller nahm zunächst ein bisschen Anlauf, weil die Rennleitung entschied, das Feld zunächst für drei Formationsrunden hinter dem Safety-Car um den Kurs zu schicken. "Es ist doch nicht mal nass", funkte Hamilton an die Box.

Und so durften sich die 20 Piloten kurz darauf an der Startampel aufstellen. Hamilton verteidigte seine Pole Position mühelos, doch der zweitplatzierte Verstappen kam nicht in Fahrt. Prompt holte sich Bottas im zweiten Silberpfeil Rang zwei.

Auch Vettel hielt sich nicht lange auf, machte in den ersten zwei Runden sechs Plätze gut. Als der Mexikaner Sergio Perez seinen Racing-Point-Rennwagen in die Mauer beförderte und das Safety-Car wieder ausrückte, fuhr Vettel blitzschnell an die Box und holte sich Mischwetter-Reifen. Nach acht Runden war er Siebter.

An der Spitze hatte Hamilton ein Sicherheitspolster herausgefahren, dahinter duellierten sich Bottas und Verstappen um Rang zwei. Dann wurde es endgültig chaotisch. Zunächst rutschte Leclerc von der Piste, dann verlor auch Hamilton kurz die Kontrolle über seinen Silberpfeil. Der Brite beschädigte seinen Frontflügel, kürzte illegal den Weg zur Box ab. Vor der Garage musste er ewig warten, ehe die Reparaturarbeiten erledigt waren. Das hinderte auch Kollege Bottas am Reifenwechsel.

Wieder war das Safety-Car im Einsatz. Profiteur der Turbulenzen waren Verstappen und Nico Hülkenberg, die nun vor Bottas das Rennen anführten. Hamilton ordnete sich als Fünfter ein, erfuhr aber bald von der Fünf-Sekunden-Strafe für den verbotenen Abzweig zur Garage.

Beendet war der wilde Ritt kurz darauf für Hülkenberg. Wie so viele vor ihm rutschte der Renault-Pilot aus Emmerich in der Südkurve über die spiegelglatte Auslauffläche und krachte in die Mauer.

Auch in der Schlussphase ging der Krimi weiter. Hamilton drehte sich erneut und fiel erstmal aus den Punkterängen. Bottas knallte in die Mauer. Ein letztes Mal kam das Safety-Car - und danach holte sich Vettel noch den nicht mehr für möglich gehaltenen Podiumsplatz.

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