Deutscher Fußball-Bund

«Showdown» im DFB-Streit - Misstrauensvotum gegen Curtius

Keller und Curtius
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Mächtige Männer beim DFB: Präsident Fritz Keller (l) und Generalsekretär Friedrich Curtius. Foto: Boris Roessler/dpa

Ein Misstrauensvotum am Vorabend: Kurz vor der DFB-Präsidiumssitzung entzieht die Liga DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen. Der weist die Vorwürfe entschieden zurück. Seinem Gegenspieler spielt das in die Karten.

Frankfurt/Main (dpa) - Der Machtkampf im innersten Kreis des Deutschen Fußball-Bundes steht vor der Entscheidung.

Die aufgebrachten Vertreter der Deutschen Fußball Liga schwächten DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius wenige Stunden vor der Präsidiumssitzung am Freitag mit einem bemerkenswerten Misstrauensvotum - zum großen Vorteil von DFB-Präsident Fritz Keller, der mit Curtius seit Monaten um die Deutungshoheit im krisengeschüttelten Verband streitet.

In einem Schreiben an Keller, über das die «Süddeutsche Zeitung» und die «Bild»-Zeitung berichteten, wird dieser gebeten, Curtius nicht mehr zu Sitzungen der DFL-Gremien zu entsenden. Hintergrund sei das «fehlende Vertrauen» in den DFB-Generalsekretär wegen angeblich über Dritte weitergegebene Informationen aus internen Besprechungen.

«Ich habe keinerlei Verständnis für dieses Vorgehen und versichere, keine Dienstleister dazu veranlasst zu haben, interne Erkenntnisse weiterzugeben», sagte Curtius auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Eine solche Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage und ist absurd, auch den Dienstleistern gegenüber, von denen übrigens keiner konkret benannt wird.»

Dennoch: Nach dieser neuerlichen Eskalation wird es in der DFB-Zentrale im Frankfurter Stadtwald kaum weitergehen wie bisher. Die Liga-Vertreter hatten sich schon zuvor klar auf die Seite von Keller geschlagen - der 2019 ins Amt gewählte 63-Jährige war lange Präsident des SC Freiburg und ist entsprechend gut vernetzt. Curtius' Hausmacht liegt mehr im operativen Geschäftsbereich des DFB, und er kann dem Vernehmen nach auf die einflussreichen Amateurvertreter setzen.

Dass den Disput, der nicht zwingend schon unmittelbar nach der Präsidiumssitzung enden muss, beide Top-Funktionäre im Amt überstehen, wäre aber eine große Überraschung. Die «SZ» schrieb zuletzt vom bevorstehenden «Showdown».

Der DFB selbst hält sich seit Wochen bedeckt. Zumindest offiziell - immer wieder durchgesteckte Interna sind einer der großen Streitpunkte. Der «SZ» zufolge strebte Keller die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses an. Dieser könne «Indiskretionen der vergangenen Monate begutachten und sachlich aufarbeiten lassen», zitiert die «SZ». Der DFB bestätigte dies auf Anfrage nicht.

Im Oktober war in einer DFB-Stellungnahme von «internen Dissonanzen», «schrittweiser Aufarbeitung» und «offenem Visier» die Rede. Es folgten ein offener Angriff von DFB-Vizepräsident und DFL-Aufsichtsratschef Peter Peters, der selbst nach Einfluss im Weltverband FIFA strebt, auf die Vorgänge im Präsidium im «Kicker», ein Konter anderer Vize-Chefs und immer neue Ungereimtheiten. Kaum jemand geht davon aus, dass Keller und Curtius mittelfristig gemeinsam in der DFB-Spitze zusammenarbeiten können.

Dabei gäbe es viel, was große, gemeinsame Aufmerksamkeit erfordert. Dazu zählen neben den akuten Problemen im Tagesgeschäft auch die baldige Akademie-Eröffnung und die Heim-EM 2024, die bislang auch deshalb keine große Rolle spielt, weil auch 15 Jahre danach noch immer Verfehlungen rund um das «Sommermärchen» bei der WM 2006 aufgearbeitet werden müssen. Die von Keller initiierte Generalinventur beim Verband soll ein weiterer Streitpunkt sein.

Das Jahr 2021 begann für den DFB zuletzt so holprig, wie das alte beendet worden war. Die «SZ» und das ZDF berichteten, dass sich der Verband nach einer Razzia im Oktober mit einem weiteren Steuerverfahren auseinandersetzen muss. Dabei soll es um «unkorrekte Angaben» in Lohnsteuer-Anmeldungen sowie in Körperschafts- und Gewerbesteuererklärungen von 2015 bis November 2020 gehen.

«Es gibt ein neues Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Abgabe unrichtiger Steuererklärungen und Steueranmeldungen wegen erhaltener Sachzuwendungen», sagte Anna Elisabeth Krause-Ablaß, die leitende Frankfurter Staatsanwältin, dem ZDF. Der DFB hatte mitgeteilt: «Anhaltspunkte für ein steuerstrafrechtlich vorwerfbares Verhalten bestehen nicht.»

Ende des Monats soll zudem laut der «Bild am Sonntag» der Untersuchungsbericht der externen Ermittler des Beratungsunternehmens Esecon zum Sommermärchen-Skandal vorgestellt werden. Vor fast fünf Jahren, im März 2016, hatte der Bericht der Kanzlei Freshfields zu den Vorgängen der WM 2006 viele Details, aber nicht alles entscheidende Beweise geliefert. Der Verband wird das Dauerthema einfach nicht los.

Und so wird viel spekuliert, welche Ermittlungen und welche Erkenntnisse wem schaden und wem nutzen könnten. Man halte sich strikt an die im Oktober «einstimmig getroffene Festlegung, nicht in den Medien übereinander, sondern persönlich und miteinander zu sprechen», hatten die sechs Vizepräsidenten um Rainer Koch sowie Schatzmeister Stephan Osnabrügge auf die Peters-Aussagen im «Kicker» mitgeteilt. Nicht als Absender erwähnt war Verbandsboss Keller.

© dpa-infocom, dpa:210114-99-25415/4

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