Im Finale nun gegen Basilashvili

Struffs Siegeszug beim Neckarcup geht weiter

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Da ist die Faust! Jan-Lennard Struff ist im Finale.
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Der deutsche Tennis-Profi zeigt wieder eine makellose Leistung und trifft nun auf einen Georgier.

Die Super-Bilanz von "Mr. NECKARCUP" Jan-Lennard Struff in Heilbronn geht weiter. Sieger, Halbfinalist und jetzt: wieder Turniersieger? Der gebürtige Warsteiner und bekennende Dortmund-Fan benötigte zumindest keine 52 Minuten, um den Spanier Albert Montanes – immerhin schon einmal die Nummer 22 der Welt – mit 6:0 und 6:3 förmlich zu pulverisieren.

Er knüpfte nahtlos da an, wo er im Viertelfinale gegen Florian Mayer aufgehört hatte. Vor allem im ersten Durchgang fühlte sich Montanes wie vom ICE überfahren. Struff zeigte ein perfektes Spiel. Er pfefferte dem Spanier die Returns um die Ohren, die Geschwindigkeitsmessanlage zeigte bei seinen Aufschlägen konstant mehr als 200 km/h an und selbst die besten Stopps erlief er mit spielerischer Leichtigkeit.

Im zweiten Satz fast das identische Bild: Er hatte nahezu auf jeden Ball von Montanes eine bessere Antwort parat. "Ich hatte bereits die ganze Woche gut gespielt. Die ersten zwei Matches, in denen es eng zuging, haben mir Selbstvertrauen gegeben. Ich habe hart mit meinem Coach gearbeitet. Das ist vielleicht der Grund, weshalb es seit Donnerstag nochmals besser läuft, aber so richtig kann ich es mir auch nicht erklären", erklärte der 26-Jährige.

Impressionen vom Neckarcup

Jetzt hat er nur noch ein Ziel vor Augen: "Ich will den Titel. Zweiter will keiner werden." Eine spezielle Vorbereitung hatte er dabei nicht ins Auge gefasst: "Ich werde jetzt noch ein bisschen stretchen und danach relaxen. Ein guter Freund aus Dortmund ist heute extra hierher gekommen. Nachher schauen wir zusammen die Sportschau und dann werden wir noch in der Stadt in einem Restaurant etwas essen gehen."

Vorbereitung dürfte wichtig werden. Denn auch die kleine georgische Kolonie auf der Tribüne hatte gestern allen Grund zum Feiern. In dem hochdramatischen zweiten Halbfinalspiel hatte sich ihr Landsmann Nikoloz Basilashvili in drei hart umkämpften Sätzen mit 1:6, 6:4 und 6:3 gegen den Slowaken Jozef Kovalik durchgesetzt.

"Sie sind treue Anhänger. Wo immer in Deutschland ein Turnier stattfindet, an dem ich teilnehme, sind sie zur Unterstützung da", erklärte der 24-Jährige. Zuvor hatte er ein Wechselbad der Gefühle durchlaufen. Im ersten Satz war nichts mehr von seinem perfekten Viertelfinalspiel zu sehen. Er leistete sich viele leichte Fehler, die Bälle hatten nicht die richtige Länge und viele seiner druckvollen Grundlinienschläge landeten im Aus.

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"Ich habe im ersten Satz meinen Rhythmus überhaupt nicht gefunden und Jozef trumpfte selbstbewusst auf." Der sonst so stille Georgier ließ seinem Unmut dann auch freien Lauf, als er nach einem Doppelfehler den returnierten Ball mit Urgewalt in den Himmel schoss und er jenseits der Jägerhausstraße in einem Garten landete. "Das musste einfach raus", erläuterte die Nummer 125 der Welt und lachte. Die Verwarnung vom Schiedsrichter nahm er dafür gerne in Kauf.

Ob diese Gefühlsexplosion letztendlich ausschlaggebend für die Wende im Spiel war, lässt sich nicht beweisen. Allerdings stand im Anschluss ein ganz anderer Basilashvili auf dem Platz. "Ich habe versucht mein Spiel zu ändern, um das Match zu drehen."

Im zweiten Satz waren sie plötzlich wieder da, diese famosen Passierschläge. Ob longline oder cross, als Drive, Topspin oder Slice: Er verteilte die Bälle mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerkes, lag schnell ein Break im zweiten Satz vorne, ließ sich auch vom Rebreak nicht erschüttern und gewann zunehmend Oberwasser. "Vielleicht sind mir auch die Bedingungen entgegengekommen. Ich spiele gerne, wenn es etwas kühler ist. Das bin ich aus meiner georgischen Heimat gewohnt."

Als er nach exakt 90 Minuten dann das Match für sich entschieden hatte, ballte er die Faust. "Ich hatte dieses Jahr schon viele Ups und Downs und bin immer noch nicht auf dem Top-Level angelangt. Aber solche Siege geben natürlich Auftrieb. Jetzt bereite ich mich intensiv auf das Finale vor."

Eines ist sicher: Die besten Spieler im Verlauf der Turnierwoche haben das Endspiel erreicht. Die Zuschauer können sich auf eine hochklassige Partie einstellen.

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