Unübersichtliche Nominierungsrichtlinien

Denise Krebs hat noch eine Olympia-Minimalchance

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Denise Krebs hat noch eine minimale Olympia-Chance.
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Denise Krebs ist in diesem Jahr über 1.500 Meter schneller als Maren Kock, darf aber nicht mit nach Rio. Oder vielleicht doch noch?

Es klingt irrsinnig: Für die Olympischen Sommerspiele sind über 1.500 Meter‎ der Frauen die Erste, die Dritte und die Sechste (!!!) der deutschen Jahresbestenliste nominiert. Und nicht etwa die gebürtige Heilbronnerin Denise Krebs vom TV Wattenscheid als vierte. Eine Wahnsinnsentscheidung des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV)? 

Keinesfalls, denn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeichnet für die Nominierungen verantwortlich. Michael Schirp von der DOSB-Presseabteilung erklärt gegenüber echo24.de allerdings: "Die Vergabe der Plätze in der Leichtathletik richtet sich streng nach dem Nominierungszeitraum des Weltverbands IAAF." Und dort wird nach einem wenig bekannten System vorgegangen - wie am Beispiel der 1.500-Meter-Läuferinnen zu sehen ist.

Maximal drei Athleten dürfen pro Nation in einer Disziplin starten. Konstanze Klosterhalfen (4:06,91) und Gesa Felicitas Krause (4:06,99) sind unter der Norm (4:07) geblieben, wobei Krause in Rio auf ihrer Paradestrecke 3.000 Meter Hindernis an den Start gehen wird. Bleiben also noch zwei mögliche freie Plätze...

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Und dafür bedarf es nicht einmal der Norm-Erfüllung. Denn: Bei Olympia muss in den Vorläufen eine gewisse Teilnehmerzahl erreicht werden. Die wiederum rekrutiert sich nach Abzug der "Norm-Erfüller" aus der Weltbestenliste, in der auch die 29-jährige Krebs mit 4:08,14 geführt wird. Diana Sujew (4:07,40) war jedoch schneller und ist dadurch als drittbeste Deutsche dabei. Nun müsste Krebs logischerweise Dritte im Rio-Bunde sein...

Pustekuchen!!! Besagte IAAF-Bestenliste berücksichtigt nämlich nicht nur die Zeiten in der Freiluftsaison 2016, sondern die in bereits erwähntem Nominierungszeitraum. Und der geht bis zum 1. Mai 2015 zurück. Somit steht bei Deutschlands derzeitiger Nummer sechs, Maren Kock, eine 4:07,56 statt einer in diesem Jahr gelaufenen 4:09,33. Krebs guckt dadurch in die Röhre!

Hübsch und schnell: Denise Krebs in Aktion

Eine minimale Olympia-Chance hat sie dennoch. Doch dafür müsste eine ihrer nationalen Kontrahentinnen verletzungs- oder krankheitsbedingt bis zum Akkreditierungsende am 18. Juli ausfallen. Michael Schirp beschäftigt sich mit so einem "Was wäre, wenn?" nicht, verweist aber darauf, dass auch noch Sonderregelungen in Kraft treten können.

Und was sagt Denise Krebs? "So bitter das für mich ist, aber eine Verletzung oder Krankheit wünsche ich weder Diana noch Maren!" Dass ihr nicht mitgeteilt wurde, dass 4:07,55 Minuten gereicht hätten, ist wiederum ein anderes Kapitel...

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