Jammern auf hohem Niveau

Die Falken zeigen im Derby gegen die Steelers nur eine Schwachstelle

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Anstatt im Überzahlspiel den Vorsprung auszubauen, kassieren sie Gegentore.

Was für ein Spiel. Vor ausverkaufter Hütte. Zum ersten Mal, seit dem Aufstiegsspiel gegen Bad Tölz 2007. Am Ende liegen sich die Fans der Heilbronner Falken in den Armen. Im dritten Anlauf der diesjährigen DEL2-Saison hat es ihr Team geschafft und den ersten Derbysieg gegen die Bietigheim Steelers sichergestellt. Knapp, mit 4:3 nach Penalty-Schießen. Dass es am Ende nochmals eng wird, hatten sich die Unterländer selbst zuzuschreiben.

Die Falken setzten die Steelers permanent im eigenen Abwehrdrittel unter Druck.

Zwei Drittel lang liefern sie wohl ihre bis dato beste Saisonleistung ab. Im Spiel fünf-gegen-fünf sind sie den Gästen überlegen. Mit aggressivem Forechecking unterbinden sie den Spielaufbau der Bietigheimer teils schon in deren eigener Abwehrzone. Die Ellentaler haben kaum Zeit zum Atmen, geschweige denn für einen geordneten Spielaufbau.

Heilbronner Falken immer eng am Mann

Bestes Beispiel: das 1:0. Dadurch, dass die Falken nachsetzen, erobern sie den Puck, den die Gäste schon sicher haben, ein schneller Pass vors Gehäuse, Kevin Lavallée muss nur noch die Kelle hinhalten. "Ich denke, dass wir bei voller Mannschaftsstärke auf dem Eis überlegen waren", erklärt Falken-Coach Alexander Mellitzer. Und damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Denn am Freitagabend gibt es nur eine Schwachstelle im Heilbronner Spiel: das Powerplay.

Justin Kirsch (links) war an allen drei Heilbronner Toren der regulären Spielzeit beteiligt.

Anstatt bei numerischer Überlegenheit die komfortable 3:0-Führung auszubauen, laden die Unterländer die Gäste durch Risikopässe zum Kontern ein. Bereits der Treffer zum 1:3 aus Steelers-Sicht darf getrost als Shorthander bezeichnet werden, auch wenn sie zum Zeitpunkt des Treffers seit zwei Sekunden wieder komplett sind. Vorausgegangen ist ein leichter Scheibenverlust und eine Defensive, die den Gegenangriff nur halbherzig versucht zu unterbinden.

Heilbronner Falken laden die Steelers zum Kontern ein

Das wiederholt sich beim 2:3. Wieder wird die Scheibe in Überzahl leichtfertig hergegeben, dann zögert Keeper Mirko Pantkowski beim Rauslaufen, schon ist die Partie wieder offen. Mellitzer: "Ich kann mit dem Powerplay überhaupt nicht zufrieden sein." Zu Saisonbeginn war das die ganz große Stärke seines Teams, jetzt kassiert es im zweiten Spiel nacheinander einen Shorthander - ein Tor bei eigenem Powerplay.

Falken-Keeper Mirko Pantkowski zeigte eine tadellose Derby-Partie.

Die Verlängerung ist dann wohl die beste, die das Heilbronner Publikum jemals zu sehen bekam. Beide Teams suchen die Entscheidung - und beide Keeper wachsen über sich hinaus. Sowohl Pantkowski als auch sein Gegenüber Sinisa Martinovic machen mehrfach todsichere Chancen zunichte, bringen die Stürmer zur Verzweiflung. Im Penalty-Schießen sind dann Roope Ranta und Derek Damon für die Hausherren erfolgreich und sichern den Zusatzpunkt.

Heilbronner Falken ist Verschleiß anzumerken

Am späten Abend lässt sich Coach Mellitzer dann in die Karten schauen: "Man merkt den Jungs den Verschleiß jetzt schon ein bisschen an." Das Mammutprogramm mit acht Spielen in 16 Tagen geht natürlich an die Substanz. Das erklärt auch die wenigen Aussetzer, die zu den Gegentoren im Derby führen. Überbewerten darf man sie nicht. Vielmehr führt das Derby zu einer Erkenntnis: Die Falken können im Reigen der Großen der Liga wieder mitmischen.

Pickepackevolle Hütte: Die Fans honorieren die guten Leistungen der Falken.

Noch nicht in jedem Spiel, aber immer häufiger. Nach Jahren der sportlichen Tristesse ist jetzt ein Aufschwung zu verzeichnen. Kontinuierlich, Schritt für Schritt. Und genau das ist das Ziel, das die Gesellschafter ausgegeben haben. Und die Fans haben das bemerkt. Die Zuschauerzahlen steigen, die Unterländer haben ihr Herz fürs Eishockey wiederentdeckt. Weiter so!

Bilder: Derby zwischen den Falken und den Steelers

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