Eine ernste, aber keine aussichtslose Lage

Falken-Geschäftsführer: „Wollen auch kommende Saison DEL2-Eishockey in Heilbronn“

  • Marc Thorwartl
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Am Dienstagabend steigen die Heilbronner Falken nach mehr als drei Wochen Corona-Zwangspause wieder mit der Partie in Bad Tölz in den Spielbetrieb der DEL2-Saison ein.

„Ich, amtsmüde? Eigentlich nicht, aber vielleicht wäre das mal eine Überlegung wert.“ Stefan Rapp, Geschäftsführer der Heilbronner Falken, nimmt die Einstiegsfrage mit Humor. „Obwohl, vielleicht würde ich damit ein paar Fans einen Gefallen tun.“ Dabei spricht er wohl auf den nicht immer fairen Umgangston in den sozialen Medien an. Der Unmut ist teilweise nachvollziehbar. Der Saisonstart verlief alles andere als optimal. Rapp: „Natürlich bin ich enttäuscht!“ Derzeit sind die Unterländer Tabellenschlusslicht. Sie haben allerdings bisher auch nur sechs Spiele absolviert, die Konkurrenz bis zu 13.

Nicht nur die Corona-Krise, sondern auch die sportliche Leistung hat Auswirkungen auf die finanzielle Lage bei den Heilbronner Falken. Rapp: „Es ist auf alle Fälle eine angespannte Situation. Wer die gerade nicht hat, der ist in einer anderen Branche. Aber im Profisport fehlen die Zuschauereinnahmen, teilweise sind auch Sponsoren weggebrochen. Trotzdem ist es uns gelungen, mit Jabra, 3b IDO, Toto-Lotto und Saas-Fee neue Sponsoren zu akquirieren. Teilweise haben auch langjährige Partner, die die Krise nicht so trifft, ihr Engagement aufrechterhalten, einige sogar noch erhöht.“ Und Rapp legt nach: „Nur weil in der Vergangenheit die Bande komplett mit Werbung voll war, heißt nicht, dass die Flächen auch komplett verkauft waren.“

Heilbronner Falken ändern das Saisonziel ab

Rapp: „Als wir unsere Saisonplanung gemacht hatten, sind wir noch von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen. Jetzt ändert sich die Situation für die Heilbronner Falken nahezu stündlich.“ Rückblickend hält er fest: „Am besten wäre es wohl gewesen, wenn wir den ursprünglich anvisierten Saisonstarttermin im Oktober wahrgenommen hätten.“ Rapp weiß, dass die Fans ungeduldig werden, dass sie positive Nachrichten wollen: „Klar wäre es besser, wenn wir einen Hauptsponsor auf dem Trikot oder einen Hallen-Sponsor hätten, aber ganze Branchen kämpfen gerade um ihr Leben, das sind ganz andere Voraussetzungen als beispielsweise noch vor ein oder zwei Jahren.“

Rapp ordnet sein Handeln einer Maxime unter: „Wir wollen so wirtschaften, dass wir auch in der kommenden Saison DEL2-Eishockey in Heilbronn sehen können.“ Deshalb ist auch die Suche nach einem gleichwertigen Ersatz für Ian Brady vorerst auf Eis gelegt. Sogar das Saisonziel der Heilbronner Falken hat Rapp revidiert: „Wir wollten ja das Ergebnis der vergangenen Saison - den vierten Platz - einstellen oder toppen und dann in den Playoffs sehen, wie weit es geht. Jetzt ist das Erreichen der Playoffs unser Ziel.“

Heilbronner Falken bekommen Unterstützung der Jungadler

In der größten Personalnot - aktuell fehlen den Heilbronner Falken zehn Spieler - erweist sich wieder einmal die Kooperation mit der Adler-Organisation Mannheim als Glücksfall. Gleich drei DNL-Nachwuchsspieler haben die Jungadler den Unterländern für die kommenden Partien zur Verfügung gestellt. Neben Verteidiger Arkadiusz Dziambor werden das auch die Stürmer Lukas Ribarik und Simon Thiel sein. „In der jetzigen Situation bin ich über jeden Spieler froh, der mir zur Verfügung steht“, erklärt Falken-Trainer Michel Zeiter.

Auf Matthias Nemec wird es ankommen, der Goalie muss in der nächsten Zeit Spitzenleistungen im Dutzend abliefern.

Nur durch die personelle Unterstützung hat er überhaupt die Möglichkeit, dass die Heilbronner Falken in Bad Tölz mit drei Sturmreihen antreten können. „Es kommen bis zum Jahreswechsel unglaublich harte Spiele auf uns zu.“ Aber er jammert nicht: „Wir müssen das Beste aus der Situation machen. Die Jungs sind heiß auf die Spiele - und natürlich wollen sie gewinnen.“ Das kann nur mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung sowie einem überragenden Torhüter klappen. Wenn sich alle an den Spielplan halten und von der Strafbank fernbleiben. Zeiter: „Ich habe das System geändert. Wir werden defensiv ausgerichtet spielen.“

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