Offene Aussprache im Vip-Raum der Heilbronner Falken

Heilbronner Falken wissen jetzt, wo die Fans der Schuh drückt

  • Marc Thorwartl
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Der Falkenhorst: Ein Treffen, bei dem unbequeme Fragen nicht nur erwartet, sondern sogar beantwortet werden.

Am Mittwoch findetim Vip-Raum des DEL2-Klubs Heilbronner Falken der Falkenhorst statt. Vor einigen Jahren wurde dieser Austausch ins Leben gerufen, damit auch die Fans äußern können, wo sie der Schuh drückt. Und da gibt es einige Bereiche, wie sich nach der zweieinhalbstündigen Versammlung resümieren lässt.

Die Anhänger der Heilbronner Falken monieren, dass zu wenig Werbung für die Spieltage erfolgt. Falken-Manager Stefan Rapp erklärt die Problematik: „Wir sind im Austausch mit der Stadt, wir haben leider nur eine begrenzte Möglichkeit zur Werbung.“ Um wildes Plakatieren zu verhindern, weist die Stadt wenige Flächen zu, an denen die Werbung hängen darf. Noch krasser ist es in den Landkreiskommunen, wo – nach Aussage der Fans – überhaupt keine Werbung zu sehen ist.

Standen den Fans Rede und Antwort (von links): Christopher Fischer, Stefan Rapp, Jason Morgan, Corey Mapes und Christoph Schubert.

Fans der Heilbronner Falken stellen späte Sonntagsspiele infrage

Weitere Kritik: die späte Spielansetzung an Sonntagen um 18.30 Uhr. Rapp erklärt: „Wir mieten die Eiszeit vom HEC an. Der ist auf den Publikumslauf angewiesen. Wann immer wir sonntags früher spielen wollen, müssen wir eine Ausgleichszahlung für den entgangenen Publikumslauf leisten.“ Das würde er liebend gerne machen, wie er versichert, wenn dafür „im Gegenzug 1.000 Fans mehr ins Stadion kommen“.

Die geringe Auslastung der Heimspiele der Heilbronner Falken ist es, die Sorge bereitet. Das Budget und der sportliche Erfolg stehen und fallen mit den Zuschauereinnahmen. Für das Wegbleiben gibt es laut Rapp mehrere Gründe: Angst vor Corona-Ansteckung, Entfremdung durch die Pandemie vom Sport, finanzielle Nöte oder auch Sprade-TV. Rapp: „In der vergangenen Saison ohne zuschauer hat so mancher gemerkt, dass man Eishockey auch bequem von zu Hause aus auf dem Sofa verfolgen kann.“ Er fordert: „Wir müssen die Halle wieder vollkriegen.“ Denn dann hätte man auch bessere Argumente bei Verhandlungen mit der Stadt. Es werden einige Vorschläge gemacht, beispielsweise, durch Freikarten mehr Leute dazu zu bewegen, ins Stadion zu kommen oder gezielt andere Vereine anzuschreiben.

Heilbronner Falken müssen aus dem sportlichen Tief rauskommen

Natürlich wurde auch die aktuelle sportliche Situation der Heilbronner Falken hinterfragt. Der Vorwurf: „Viele Fans kehren den Falken den Rücken, weil sie sie als Farm-Team der Adler Mannheim sehen.“ Eine Aussage, die Gesellschafter Steffen Schnizer kontert: „Wir stehen voll hinter der Kooperation und der Philosophie, hier junge Spieler auszubilden. Es wäre uns finanziell gar nicht möglich, so viele deutsche Spieler dieser Qualität zu verpflichten.“ Und er gibt zu bedenken: „Die Schulden, die damals angehäuft waren, als die Gesellschafteranteile verkauft wurden, kamen aus den Spielzeiten, in denen wir keine Kooperation mit den Adlern hatten.“

Die Kritik, dass die Heilbronner Falken mit zwei so jungen Torhütern an den Start gehen, versteht Co-Trainer Christoph Schubert nicht: „Wir haben da zwei Jungs, die schon den Puck fangen können. Das Problem ist, macht ein Keeper einen Fehler, ist es ein Tor. Meist geschieht der Fehler aber schon vorher bei der Defensivarbeit. Trifft ein Stürmer nur den Pfosten, dann wird er gefeiert, dass er eine gute Chance herausgespielt hat, da meckert keiner, dass er nicht getroffen hat.“ Trainer Jason Morgan bemängelt, dass sein Team derzeit nicht konstant über 60 Minuten den Spielplan befolgt. Er macht aber Hoffnung: „Es ist normal, dass es im Laufe der Saison zu Schwankungen kommt. Mir ist es lieber, es passiert zu so einem frühen Zeitpunkt als zum Ende der Punktrunde.“ Und er ist sich sicher: „Die Jungs haben großes Potenzial, diese schlechte Phase geht auch wieder vorüber.“

Rubriklistenbild: © Marc Thorwartl

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