Ohne Worte

Peinlicher Auftritt der Falken bei den Tigers

  • Marc Thorwartl
    VonMarc Thorwartl
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Die Unterländer scheinen das Spiel vor Beginn schon abgehakt zu haben, anders ist so eine Leistung gegen nur 13 Bayreuther Feldspieler nicht zu erklären.

Die Heilbronner Falken müssen in der DEL2 heute beim Team der Stunde antreten: den Bayreuth Tigers. Die Oberfranken haben zuletzt drei Siege in Folge eingefahren und sind so aus dem Tabellenkeller bis in die unmittelbare Nähe zu den Playoff-Plätzen aufgestiegen. Die Heilbronner Falken hingegen hatten ja nur einen von neun möglichen Punkten vor der Deutschlandcup-Pause geholt, sollen jetzt also nach Möglichkeit wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Keine einfache Aufgabe für die Heilbronner Falken, zumal Trainer Jason Morgan eine ganze Reihe an Spielern nicht zur Verfügung stehen. Der Grund: Die Corona-Pandemie, die beim Kooperationspartner Adler Mannheim gleich sieben Spieler auf Eis gelegt hat.

Somit sind Luca Tosto, Philipp Preto und Valentino Klos heute in der Champions League für die Kurpfälzer an der Scheibe. Allerdings dürfen die Heilbronner Falken auch einen Neuzugang in ihren Reihen begrüßen. Der 18-jährige Stürmer Maximilian Heim wurde heute mit einer Förderlizenz ausgestattet und bestreitet am selben Abend sein erstes Spiel im Profibereich. Aber auch die Bayreuth Tigers sind schwer gebeutelt. Nur acht Stürmer und fünf Verteidiger stehen Tigers-Coach Petri Kujala zur Verfügung, wobei der Ex-Falke Frederik Cabana - gelernter Stürmer - gar in der Defensive aushelfen muss.

Jeremy Williams musste gleich zweimal auf die Strafbank.

Heilbronner Falken machen das Spiel, die Bayreuth Tigers das Tor

Die erste Überraschung gibt es bei der Mannschaftsaufstellung der Heilbronner Falken: Das Tor hütet Arno Tiefensee, der den Vorzug vor Florian Mnich erhalten hat. Die Unterländer sind gleich im Vorwärtsgang - auch weil die Hausherren nach 13 Sekunden eine Strafe ziehen. Dann beginnt das muntere Scheibenschießen. Doch wie in den vergangenen Spielen fehlt die letzte Initialzündung, gehen die Schüsse vorbei oder sind zu harmlos. Nur die Heilbronner Falken setzen die Offensiv-Akzente - aber ohne zählbaren Erfolg.

Vielleicht geht etwas im zweiten Powerplay für die Heilbronner Falken? Nein, wie gehabt, viele Schüsse, kein Ertrag. Und dann passiert, was passieren musste. Die Tigers mit einem schnellen Spielzug, die Falken-Defensivarbeit viel zu pomadig, Tor, 1:0, durch Ville Järveläinen. Der Spielverlauf ist komplett auf den Kopf gestellt. Dieser Treffer zeigt Wirkung, jetzt die Hausherren besser im Spiel, allerdings auch durch unglaubliche Abspielfehler der Heilbronner Falken begünstigt. Die Unterländer spielerisch das klar bessere Team, die besseren Chancen haben aber die Bayreuther. Mit viel Glück geht es nur mit dem 0:1-Rückstand aus Heilbronner Sicht in die Kabine.

Heilbronner Falken spielen immer schlechter

Gleiches Bild zu Beginn des Mitteldrittels. Die Heilbronner Falken mit besten Chancen, auch weil den biederen Bayreuthern immer wieder Fehler im Aufbauspiel unterlaufen, doch egal wer den Schuss nimmt, er trifft nicht. Ganz anders die Bayreuth Tigers. Wieder einmal schlechtes Abwehrverhalten der ersten Reihe, Järveläinen bekommt die Scheibe erneut auf den Schlager, Schuss, Tor, 2:0. Das ist aus Heilbronner Sicht schlichtweg dilettantisch. Danach wie im ersten Drittel ein planloses Anrennen der Heilbronner Falken, ungenaue Pässe und Missverständnisse. Die Falken werden hier richtig vorgeführt und haben Glück, dass die Tigers in Überzahl nicht das 3:0 nachlegen.

Dann hat Judd Blackwater, Stürmer der Heilbronner Falken, auch noch Glück, dass er für einen Check nur zwei Minuten bekommt. Die Schiedsrichter waren ewig lange beim Videobeweis, da musste schon eine große Strafe befürchtet werden. In Unterzahl treffen die Hausherren nur die Latte. Über den Rest des Drittels breitet man aus Heilbronner Sicht lieber den Mantel des Schweigens. Immer wieder diese fast schon arrogant gespielten No-Look-Backhand-Pässe, die allesamt beim Gegner landen. Nach vorne entwickeln die Heilbronner Falken überhaupt keinen richtigen Druck. Julian Lautenschlager resümiert im Interview zur Pause treffend: „Wir machen die blaue Linie nicht zu, lassen Bayreuth viel zu einfach da durch. Wenn wir nur mit Halbgas spielen, dann gewinnst du hier nichts.“

Heilbronner Falken mit katastrophalem Powerplay

Das Motto fürs letzte Drittel kann aus Sicht der Heilbronner Falken nur „Attacke!“ lauten. Wenn nicht endlich gekämpft, der Gegner müde gelaufen wird, kassieren die Unterländer die vierte Niederlage in Folge. Der erste Schuss nach 13 Sekunden geht wieder nicht ins Tor - ist das ein Wink des Schicksals? Blackwater trifft aus dem Gewühl nur den Pfosten. Dann kommt Hilfe von den Schiedsrichtern. Die überprüfen ein Foul der Hausherren, das sah nach Stockstich aus - und würde eine Spieldauerdisziplinarstrafe nach sich ziehen. Es dauert gefühlte Ewigkeiten, bis die Referees zurückkommen - und die Strafe geben. Fünf Minuten Überzahl für die Heilbronner Falken!

Das ist definitiv die letzte Chance für die Heilbronner Falken, hier noch etwas zu reißen. Aber das Powerplay war ja zuletzt die Achillesferse. Die Tigers mit einem Break in Unterzahl, Tiefensee pariert, Williams zieht das Foul, weg ist das Powerplay. Die Falken so etwas von passiv, das ist nur noch peinlich. Nicht eine echte Chance in den fünf Minuten, davon drei in Überzahl. Dann muss noch ein Tiger auf die Strafbank. 18 Sekunden doppelte Überzahl - wieder nichts! Das ist das schlechteste Spiel, das die Falken in dieser Saison zeigen. Kein Wille, kein Kampf, kein Aufbäumen, keine Ideen. Es bleibt beim 0:2. Die vierte Niederlage in Folge - und vor allem eine, die Fragen aufwirft.

Coach Morgan war auf der Pressekonferenz merklich angefressen: „Wir hatten einen guten Start, trafen aber nicht. Im zweiten Drittel haben wir viel zu weich gespielt. Heutzutage werden Spiele häufig im Powerplay entschieden, da haben wir heute überhaupt nichts gerissen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Rubriklistenbild: © Marc Thorwartl

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