1. echo24
  2. Sport
  3. Heilbronner Eishockey

Heilbronner Falken sind der moralische Sieger bei den Eispiraten Crimmitschau

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marc Thorwartl

Kommentare

Heilbronner Falken Eispiraten Crimmitschau Eishockey DEL2 Justin Kirsch
Justin Kirsch zeigt als Kapitän eine tadellose Leistung und geht mit gutem Beispiel voran. © Marc Thorwartl

Die Mini-Truppe der Heilbronner Falken hält die Partie bis zur 50. Minute offen, ehe ein Doppelschlag die Entscheidung für die Eispiraten Crimmitschau bringt.

Grand ohne vier - darüber können die Heilbronner Falken heute Abend bei der DEL2-Partie bei den Eispiraten Crimmitschau nur lachen. Stark durch Corona oder Verletzungen gebeutelt, stehen den Falken elf Stammspieler - darunter alle vier Ausländer - nicht zur Verfügung. Als sich der Bus in Heilbronn gen Sachsen in Bewegung setzt, hat Falken-Trainer Jason Morgan zehn Feldspieler - davon nur zwei etatmäßige Verteidiger - und die Torhüter Nummer vier und fünf an Bord.

Auf dem Weg nach Crimmitschau bekommen die Heilbronner Falken dann gute Kunde übermittelt. Das Spiel der Adler Mannheim bei den Nürnberg Ice Tigers wurde abgesagt. Natürlich wegen Corona. Und was machen die vier Förderlizenzspieler Luca Tosto, Valentino Klos, Moritz Wirth und Arkadiusz Dziambor? Sie setzen sich ins Auto, fahren nach Sachsen, um für die Heilbronner Falken aufzulaufen. „Wir wollen einfaches Eishockey spielen, defensiv gut stehen und unsere Chance suchen“, erklärt Falken-Coach Morgan die Taktik. Das klappt lange Zeit sehr gut, erst in den letzten zehn Minuten, als den Heilbronner Falken die Kräfte ausgehen, können die Sachsen das Ergebnis auf 6:1 ausbauen.

Heilbronner Falken scheitern zweimal am Gestänge

Das mit der stabilen Defensive klappt bei den Heilbronner Falken leider nur etwas mehr als drei Minuten, dann fällt das 1:0 für die Gastgeber. Willy Rudert kommt ums Tor, schießt ins lange Eck, trifft den Innenpfosten, und von dort springt der Puck ins Tor. Dann Powerplay für die Heilbronner Falken. Das macht die Rumpftruppe richtig gut, Kirsch und Tosto scheitern aus guter Position, Christian Obus Hammer von der blauen Linie wird nur vom Innenpfosten gestoppt. Dann Überzahl für die Hausherren. Die ist unnötig, Wirth muss wegen Spielverzögerung auf die Strafbank. Die eh schon dünnbesetzte Hintermannschaft der Heilbronner Falken nochmals geschwächt.

Das nutzen die Eispiraten aus, treffen zum 2:0. Kurze Zeit später erneut Strafe gegen die Heilbronner Falken. Das sollten sie lassen, denn das Unterzahlspiel kostet viel Kraft. Aber die beste Chance haben die Falken. Ein Break von Moritz Elias, ein knallharter Schuss, den Abpraller hält Luke Volkmann artistisch im Spiel, scheitert aber am Pfosten. Wenn die Chancenverwertung etwas besser wird, dann könnte hier noch eine Überraschung möglich sein. Jedenfalls ist kein eklatanter Klassenunterschied im ersten Abschnitt zu erkennen. Pause.

Heilbronner Falken treffen in Unterzahl

Die Hausherren kommen mit viel Schwung aus der Pause, die Heilbronner Falken stehen gleich unter Druck. Volkmann muss in letzter Sekunde das Foul ziehen, zwei Minuten Unterzahl. Und es ist nicht zu glauben. Kirsch wittert einen Querpass, spritzt dazwischen, spurtet übers ganze Feld und erzielt den Anschlusstreffer zum 1:2 in Unterzahl. Die Falken setzen nach. Strafe gegen Crimmitschau. Kirsch und Tosto scheitern mit ihren Möglichkeiten, aber jetzt ist es die Partie auf Augenhöhe. Bis sich eine Unaufmerksamkeit bei den Heilbronner Falken einschleicht, Eine sichere Scheibe wird im eigenen Drittel vertändelt, die Eispiraten nutzen das zum 3:1.

Die Heilbronner Falken antworten mit wütenden Angriffen. Jede Chance wird zum Schuss genutzt. Schon jetzt zur Halbzeit der Partie hat die Truppe Unglaubliches geleistet, macht es den Eispiraten viel schwerer als gedacht. Weil das Team jeder Scheibe nachsetzt, erzwingt es Puckverluste, Dunham verpasst zweimal ganz knapp, Roman Zap - Heilbronns zweiter Neuzugang an diesem Abend - scheitert nach toller Einzelleistung mit einem Backhander am Keeper. Auf der anderen Seite zieht Falken-Keeper Ganz dem Eispiraten Patrick Pohl bei eins-gegen-eins den Zahn. Ebenso scheitert Thiel im Alleingang an Gracnar. Dann wieder Powerplay für die Heilbronner Falken, aber ohne Erfolg. 30 Sekunden vor der Pause Strafe gegen die Heilbronner Falken, aber kein weiterer Treffer im zweiten Drittel.

Heilbronner Falken nutzen die Chancen nicht - und dann kommt der Doppelschlag

Die Devise für die Heilbronner Falken im letzten Drittel? In der verbleibenden Unterzahl keinen weiteren Treffer kassieren und alsbald den Anschlusstreffer erzielen. Wieder gelingt den Unterländern ein Break, Thiel vergibt die Riesenchance zum 2:3. Die Heilbronner Falken mit unglaublicher Moral. Tosto, Volkmann und Julius Ramoser scheitern. Und dann kommt er, dieser Fehler in der Hintermannschaft. Zweimal nacheinander mit No-Look-Pässen direkt zum Gegner, dann nicht konsequent genug, den Rebound wegzunehmen, 4:1. Das war ein Eigentor.

Nur eine Minute später die endgültige Entscheidung gegen die Heilbronner Falken. Abgefälschte Scheibe, keine Chance für Ganz, 5:1. Jetzt bricht der Widerstand der Unterländer. Crimmitschau mit dem 6:1. Drei Tore in drei Minuten, das haben die Heilbronner Falken nicht verdient. Foul von Thiel in der Angriffszone, Unterzahl Falken. Das kostet zusätzliche Kraft. Die Falken machen das aber gut, auch wenn die Hausherren jetzt nicht mehr mit letzter Konsequenz nachsetzen. Am Ende steht ein 6:1-Sieg für die Eispiraten. Die DEL2 sollte sich fragen, ob sie solche Spiele ohne Wert wirklich will oder doch besser ihre Regularien mal überdenkt. Chapeau Falken, die können die Heimreise mit erhobenem Haupt antreten. „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung meines Teams“, erklärt Morgan auf der Pressekonferenz. Besser kann man es nicht ausdrücken.

Auch interessant

Kommentare