Das war 55 Minuten einfach viel zu wenig

Talfahrt der Falken geht auch bei den Eislöwen weiter

  • Marc Thorwartl
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Die Unterländer stecken tief in der Krise. Nach der fünften Niederlage in Folge müssen sie sich nach unten orientieren.

Weiterhin ohne die Förderlizenzspieler, die bei den Adler Mannheim wegen eines Corona-Ausbruchs im dortigen Team benötigt werden, müssen die Heilbronner Falken am Freitag in der DEL2 bei den Dresdner Eislöwen antreten. Die Sachsen sind so etwas wie das Team der Stunde. Nach verhaltenem Saisonbeginn haben sie sich zuletzt in Topform präsentiert, vier von fünf Spielen gewonnen und stehen auf Platz vier der Tabelle.

Ganz anders die Heilbronner Falken, die ja die letzten vier Spiele in Folge verloren haben und dringend ein Erfolgserlebnis fürs Selbstvertrauen benötigen. Vor allem die Stürmer müssen endlich wieder ins Tor und nicht nur das Gebälk treffen. Dass es die Sturmabteilung der Heilbronner Falken besser kann, hatte sie im Oktober bewiesen. Gleiches gilt für die Special-Teams, die seit drei Wochen völlig außer Tritt sind.

Julian Lautenschlager zeigte eine tadellose Leistung - was man nicht von allen Falken behaupten kann.

Heilbronner Falken mit neuen Sturmreihen

Obwohl beim ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison Torhüter Arno Tiefensee beim 4:0 Sieg der Heilbronner Falken einen Shut-Out feierte, hütet heute Abend Florian Mnich das Tor der Unterländer. Auch die Reihen hat Falken-Trainer Jason Morgan neu gemischt. Jetzt lässt er die beiden Heilbronner Topscorer Jeremy Williams und Julian Lautenschlager zusammen auflaufen, Karl Fabricius übernimmt dafür die Position von Williams im ersten Sturm. Und wirklich, die Heilbronner Falken starten mit unglaublich viel Druck. Judd Blackwater, Simon Thiel, Williams und Lautenschlager mit ganz dicken Chancen - aber wieder geht der Puck nicht ins Tor. Und wie in Bayreuth am Dienstag passiert es dann. Erster Schuss der Eislöwen, ein verdeckter Schlenzer von der blauen Linie vors Tor, ein Schläger der Mnich noch irritiert, 1:0. Das darf doch einfach nicht wahr sein!

Doch anders als bei den Oberfranken verunsichert dieser Treffer die Heilbronner Falken nicht. Ein schneller Spielaufbau, eine Finte von Thiel, ein Schuss - und endlich zappelt der Puck im Tor, das war ganz stark vom Youngster. 1:1, nur 57 Sekunden nach dem Führungstreffer der Eislöwen. Die Tore tun der Partie gut. Jetzt beide Teams mit harter Abwehrarbeit, frühem Forechecking und Drang zum Tor. Drei Minuten vor der Pause die erneute Führung für die Sachsen. Verteidiger Christian Obu auf Heilbronner Seite nicht zum ersten Mal völlig orientierungslos, Alibi-Defensivarbeit von Blackwater und Stefan Della Rovere, Tor. So einfach darf man es dem Gegner nicht machen. In der Folgezeit die Hausherren dem dritten Tor einige Male ganz nah, mit Glück retten die Heilbronner Falken den knappen Rückstand in die Pause.

Heilbronner Falken

Das zweite Drittel bietet viel Leerlauf - auf beiden Seiten. Die besseren Chancen allerdings jetzt aufseiten der Heilbronner Falken. Zweimal setzt sich Lautenschlager super durch, scheitert aber am Keeper, beim zweiten Mal kommt sein Pass ein bisschen zu spät, sodass Williams nicht aus spitzem Winkel die Scheibe über die Linie drücken kann. Und dann sind es wieder die Dresdner, die den ersten Treffer des Drittels markieren. Einen Assist darf sich Blackwater zuschreiben lassen, der mit dilettantischem Abwehrverhalten diesen Treffer begünstigt.

Jetzt kann man schon sagen: Das Ding ist hier durch. Es spielt nur noch Dresden. Begünstigt durch Heilbronn, Della Rovere kassiert die erste Strafe der Partie. Mnich bockstark, er pariert mehrfach erstklassig, sodass es beim 3:1 bleibt. Frappierend bis zum Pausenpfiff: Schlüsselspieler tauchen völlig ab, die einzigen Akteure, die sich augenscheinlich gegen die drohende fünfte Niederlage in Folge stemmen, sind Lautenschlager und Mnich.

Heilbronner Falken machen es doch noch spannend

Das einzige, das den Heilbronner Falken im letzten Drittel helfen kann, ist ein frühes Tor. Sie bekommen die Chance, da Dresden ein Foul zieht. Geht was im Powerplay? Nein, „the trend is your friend“. Es ist gefühlt die 20. Überzahlsituation in Folge, in der die Unterländer nichts reißen. Die Partie verflacht zusehends, unzählige Fehlpässe bestimmen das Spiel der Unterländer. Wenn eine Chance kreiert wird, dann durch Einzelaktionen, beispielsweise durch Alex Lambacher.

Als fünf Minuten vor dem Ende dann ein Schuss durch die Beine von Mnich geht, ist das wohl die Vorentscheidung. Allerdings erzielen die Heilbronner Falken im direkten Gegenzug das 2:4 durch Blackwater und nur zwei Minuten später legt Lautenschlager das 3:4 nach. Dann eine knifflige Entscheidung. Die Referees entscheiden nach langer Beratschlagung auf Strafe gegen Heilbronn, weil sich zu viele Spieler auf dem Eis befanden. Eine Strafe, die sie in der ersten Minute gegen Dresden zurückgenommen hatten. Das hat jetzt ein Geschmäckle. Dann Strafe gegen Dresden. Morgan nimmt eine Auszeit, zieht den Keeper, aber es bleibt bei der knappen Niederlage. Fünf gute Minuten in einer Partie sind einfach zu wenig. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns, dass wir endlich mal über 60 Minuten konstant gut spielen. Wir haben unsere Chancen wieder nicht genutzt, wir müssen einfach härter arbeiten“, erklärt Morgan.

Rubriklistenbild: © Marc Thorwartl

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