Nicht schön, aber erfolgreich

Die Unterländer kämpfen die Allgäuer nieder

Heilbronner Falken ESV Kaufbeuren Eishockey DEL2 Jeremy Williams
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Jeremy Williams trifft im Powerplay zur Falken-Führung.
  • Marc Thorwartl
    VonMarc Thorwartl
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Es ist kein Eishockey-Leckerbissen, den die Falken beim ESV Kaufbeuren zeigen, aber sie beißen sich durch, und mit einem Doppelschlag sichern sie den 3:2-Erfolg.

Bis auf eine Ausnahme treten die Heilbronner Falken heute Abend zum DEL2-Spiele beim ESV Kaufbeuren mit exakt demselben Team an, das sich am Mittwoch so bravourös in Bad Nauheim präsentierte. Die Ausnahme: Statt Torhüter Arno Tiefensee ist Youngster Luca Ganz heute Back-up von Ilya Andryukhov. Bis kurz vor der Abfahrt hatte Falken-Trainer Jason Morgan auf ein Comeback von Judd Blackwater gehofft. Der hatte ja am Dienstag ausgesetzt, um seiner leicht lädierten Schulter eine Verschnaufpause zu gönnen. Mit der ist auch alles wieder klar, doch Blackwater fühlte sich heute Morgen nicht ganz fit, weshalb er nochmals eine Partie aussetzt.

Große Veränderungen gibt es hingegen im Kader des ESV Kaufbeuren. Dort wurde gestern erst Verteidiger Sören Sturm freigestellt, danach der Bitte von Stürmer Brandon Gracel nachgekommen, seinen Vertrag aufzulösen. Zwei Schlüsselspieler, die heute nicht mehr im Aufgebot der Allgäuer stehen. Ausgangslage: Beide Teams müssen gewinnen. Die Gastgeber, um von den Playdown-Plätzen Abstand zu halten. Die Heilbronner Falken, um weiterhin den Anschluss an die direkten Playoff-Plätze zu halten. Das verspricht, ein spannendes Spiel zu werden.

Heilbronner Falken nach verhaltenem Beginn das zielstrebigere Team

Beide Teams starten verhalten in die Partie. Die Heilbronner Falken wollen mit ihrem kleinen Kader nicht überpacen, der ESV Kaufbeuren hat nach zuletzt acht Niederlagen in Folge ein verstärktes Auge auf seine Defensivarbeit. Auch als es das erste Powerplay gibt - Justin Kirsch ist für die Heilbronner Falken auf der Strafbank - können die Allgäuer kaum Akzente setzen. Die Unterländer haben eine kleine Chance durch Jeremy Williams, ansonsten wirkt alles noch etwas zerfahren.

Das könnte sich in der zwölften Minute ändern, denn jetzt haben die Heilbronner Falken Überzahl. Es dauert genau 34 Sekunden, da zieht Williams trocken aus dem Handgelenk ab und trifft über die Schulter des Keepers ins kurze Eck. Die erste echte Chance, gleich der Treffer. Kurz danach ist es die dritte Formation der Heilbronner Falken, die für Furore sorgt. Maximilian Heims Backhander wird nur vom Lattenkreuz gestoppt. Dann hat Julian Lautenschlager das 0:2 auf dem Schläger. Er wird mutterseelenallein im Slot angespielt, riskiert die Direktabnahme, schießt aber hauchdünn am Tor vorbei. Danach verpasst Stefan Della Rovere bei einer Zwei-auf-Eins-Situation den richtigen Moment zum Abspiel. Die Führung für die Unterländer ist längst verdient. Pause.

Fehler der Heilbronner Falken wird eiskalt bestraft

Auch zu Beginn des zweiten Drittels ist es kein Eishockey-Leckerbissen, den beide Mannschaften zeigen. Vieles bleibt Stückwerk, die Pässe kommen teilweise zu ungenau. Aber die Heilbronner Falken stellen immer noch das aktivere Team. Luke Volkmann schießt am langen Pfosten vorbei. Dann aus dem Nichts das 1:1. In der Abwehr der Heilbronner Falken stimmt einmal die Zuordnung nicht, der Ex-Falke Joey Lewis überwindet Andryukhov aus der Nahdistanz. Gleich danach Überzahl für die Heilbronner Falken - doch die ist diesmal nicht erfolgreich.

Danach die Kaufbeurer mit ihrer stärksten Phase, die Heilbronner Falken haben etwas die Linie verloren. Das mag aber auch daran liegen, dass sie nur noch mit fünf Verteidigern agieren, Malte Krenzlin hat einen Cut abbekommen, muss genäht werden. Die beste Chance für die Unterländer hat Williams, der bei einem Alleingang scheitert. Dann ein Konter über Kirsch, der passt perfekt auf Simon Thiel, doch dem verspringt die Scheibe und er entscheidet sich für den Schuss, statt zu passen. Übers Tor - die Heilbronner Falken haben eine richtig gute Möglichkeit vergeben. Dann macht Karl Fabricius eigentlich alles richtig, doch sein Schuss prallt vom Innenpfosten zurück aufs Feld. Hoffentlich rächen sich diese vergebenen Chancen später nicht. Pause.

Heilbronner Falken mit einem Doppelschlag innerhalb von 47 Sekunden

Die gute Nachricht für die Heilbronner Falken zu Beginn des letzten Drittels: Krenzlin kann wieder mitwirken. Schlechter läuft es für Simon Schütz. Der ESV-Verteidiger hatte kurz vor Ende des zweiten Drittels einen Puck ins Gesicht bekommen und ist auf dem Weg ins Krankenhaus. In der 43. Minute dann Lautenschlager mit einem sensationellen Solo, das er perfekt mit dem Schuss über die Schulter zum 1:2 abschließt. Nur 47 Sekunden später kommt Kirsch mit viel Tempo über die Seite, schießt ins kurze Eck, den Abpraller verwertet Stefan Della Rovere zum 1:3. Das könnte jetzt eine Vorentscheidung bedeuten. Die hat Lautenschlager nur eine Minute später auf dem Schläger, aber Glanzparade von ESV-Keeper Stefan Vajs.

Ilya Andryukhov war im letzten Drittel der Fels in der Brandung und sicherte seinem Team den Sieg.

Eigentlich läuft jetzt alles für die Heilbronner Falken. Allerdings schleichen sich hinten wieder kleine Unaufmerksamkeiten ein. Bully-Gewinnn für den ESV, Schuss, Brock Maschmeyer blockt den Puck unglücklich ab, Kaufbeurens Topscorer John Lammers erkennt die Situation am schnellsten und macht das 2:3. Knapp neun Minuten vor dem Ende, die Partie wird doch nicht mehr kippen? Die Hausherren jetzt mit viel Zug zum Tor. Bei einem Entlastungsangriff vergibt Leon Fern das 2:4. Ansonsten spielt sich jetzt alles vor Andryukhov ab. Mit einem Monstersave gegen Lammers verhindert er den Ausgleich. Am Ende riskiert der ESV alles, nimmt den Keeper vom Eis, doch die Heilbronner Falken werfen sich in alle Schüsse und sichern so den knappen, aber verdienten 3:2-Erfolg.

„Das waren ganz wichtige drei Punkte für uns. Wir haben so einen kleinen Kader und unsere Junioren-Reihe hat wieder ein tolles Spiel gemacht. Der Doppelschlag im letzten Drittel war enorm wichtig. In den letzten neun Minuten sind wir mächtig unter Druck geraten, da hat uns Ilya den Sieg festgehalten. Jetzt gelingt es uns endlich, die knappen Spiele zu gewinnen“, erklärt Falken-Trainer Morgan. „In der jetzigen Phase ist es für uns schwierig, Spiele zu gewinnen. Am Ende waren wir ganz eng dran, es hat aber nicht gereicht. Wir müssen irgendwann endlich wieder ein Spiel gewinnen, das wäre so wichtig für das Team“, sagt ESV-Coach Tray Tuomie.

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