Unerklärliche Fehler und eklatante Abschlussschwäche

Heilbronner Falken vergeigen es beim ESV Kaufbeuren im Mittelabschnitt

  • Marc Thorwartl
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Im katastrophalen zweiten Drittel verschenken die Unterländer durchaus mögliche Punkte im Allgäu. Wieder einmal reicht die Konzentration nur für 40 Minuten.

Heute Abend müssen die Heilbronner Falken zum DEL2-Spiel beim ESV Kaufbeuren antreten. Die Allgäuer stehen da, wo die Unterländer nur zu gerne hinwollen: im gesicherten Mittelfeld mit Kontakt zur Spitzengruppe. Dabei sah es vor gar nicht allzu langer Zeit für den ESV gar nicht so rosig aus. Von Corona gleich zu Saisonbeginn zur Zwangspause verdonnert, fanden sie nur schwer in den Spielrhythmus.

Dann verletzte sich auch noch Topscorer Sami Blomqvist. Doch je mehr Spiele die Allgäuer absolvierten, desto besser fanden sie zurück in die Spur, haben aus den letzten fünf Spielen 10 von 15 möglichen Punkten geholt. An dieser Entwicklung sollten sich die Heilbronner Falken orientieren, die sich jetzt in derselben Situation wie die Hausherren vor ein paar Wochen befinden. Allerdings haben sie die vergangenen zwei Partien nach der Zwangspause verloren. Und sie verlieren auch im Allgäu - mit 2:4.

Heilbronner Falken gehen in Führung

Von Beginn an entwickelt sich ein munteres Spielchen. Beide Teams gehen in die Zweikämpfe. Die Hausherren zwar mit einem optischen Übergewicht, aber die Heilbronner Falken lassen nur Schusschancen aus ungefährlichen Positionen zu. Matthias Nemec wirkt dabei sehr sicher im Heilbronner Tor. In der siebten Minute dann ein schneller Angriff der Unterländer über Stefan Della Rovere, der passt in den Lauf von Dylan Wruck, der genau ins lange Eck trifft. Nur wenige Sekunden später muss er allerdings auf die Strafbank. Alarmstufe rot! Die Allgäuer gewinnen das Bully, Schuss - die Latte rettet für die Heilbronner Falken.

Dylan Wruck war an beiden Heilbronner Treffern beteiligt.

Auch danach der ESV Kaufbeuren mit guten Chancen, doch die größte haben die Falken durch Bryce Gervais bei einem Konter in Unterzahl, dessen Puck nur Zentimeter vor Linie geblockt wird. Kurze Zeit später das erste Powerplay für die Gäste. Aber das funktioniert noch gar nicht. Besser machen sie es im danach folgenden Unterzahlspiel, das sie erneut schadlos überstehen. Doch gerade komplett, pennt die Hintermannschaft, und die Hausherren machen doch noch das 1:1 in der 16. Minute. Doch die Falken bekommen die Chance, zurückzuschlagen, sie erhalten Überzahl. Es dauert 24 Sekunden, da klingelt es im Kasten. Gervais fälscht einen harten Pass von Wruck ins Tor ab. Mit der Falken-Führung geht es auch in die Pause.

Kapitale Fehler der Heilbronner Falken

Klar ist, der ESV wird den Druck erhöhen und versuchen, möglichst schnell den Ausgleichstreffer zu erzielen. Die Heilbronner Falken müssen diese erste Drangphase unbeschadet überstehen. Und wirklich, die Allgäuer kommen mit viel Speed aus der Kabine. Sie nehmen sich allerdings den Vorteil, weil sie ein Foul ziehen. Die Falken haben Powerplay. Das ist fast zu Ende, da rutscht Brock Maschmeyer aus, der ESV mit einem Break, das zum 2:2 führt. Das ist ärgerlich. Danach egalisieren sich beide Mannschaften, die stärkste Phase der Gäste direkt vor dem Powerbreak, als sie sich in der Angriffszone festsetzen können, aber ohne Fortune beim Abschluss sind.

Dann die Riesenchance für die Heilbronner Falken, um erneut in Führung zu gehen. Lukas Ribarik bringt die Scheibe vors Tor, aber Valentino Klos kann sie nicht über die Linie drücken. Das ärgert ihn so, dass er sich zu einem Foul hinreißen lässt. Powerplay für die Allgäuer, Querpass, Schuss, Tor. Wieder einmal wurden die Unterländer für ein unnötiges Foul bestraft. In der 34. Minute ein Foul der Kaufbeurer. Powerplay Heilbronn. Da hat Neal den Ausgleich auf dem Schläger, er ist ganz alleine durch, scheitert aber am Keeper. Und dann kommt er wieder, der katastrophale Fehlpass der Falken im Angriffsdrittel durch Ribarik, der schnelle Gegenstoß, mangelnde Zuordnung im Abwehrverbund, Tor. Das geht viel zu einfach. Erneut haben die Falken ein Drittel total verpennt.

Heilbronner Falken bemüht, aber nicht kaltschnäuzig genug

Das letzte Drittel beginnt wenig verheißungsvoll. Nach 40 Sekunden muss Stefan Della Rovere wegen eines Checks zum Kopf für 2+10 Minuten in die Kühlbox. Zum Glück ohne Konsequenzen. In der Folgezeit die Hausherren abgezockt, während die Heilbronner Falken ein Fehlpass-Festival aufs Eis zaubern. Dann haben die Falken zweimal Überzahl, ohne Erfolg. Vor allem beim Abschluss fehlt die Kaltschnäuzigkeit. Das setzt sich auch im dritten Powerplay fort. Die Scheibe läuft gut, aber nicht schnell genug, die Verantwortung für den Torschuss wird nur zu gerne weitergegeben. Nur noch vier Minuten sind zu spielen, die Messe ist gelesen.

Rückblickend muss festgehalten werden, dass es wohl selten einfacher gewesen wäre, im Allgäu zu punkten. Falken-Trainer Michel Zeiter muss sich fragen, warum seine Mannschaft wirklich nahezu in jedem Spiel ein Drittel nicht auf dem Eis steht? Auf der Pressekonferenz bemängelt Zeiter die individuellen Fehler seines Teams, die Powerplay-Schwäche und die fehlende Konstanz über 60 Minuten. Fehler, die schnell abgestellt werden müssen. Die Heilbronner nisten sich im Tabellenkeller ein - und das für lange Zeit. Die Pre-Playoffs sind so weit entfernt, dass es schon einer richtigen Serie bedarf, um den Anschluss zu schaffen. Zeiter muss liefern - und zwar schnell.

Rubriklistenbild: © Thorwartl

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