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Heilbronner Falken zahlen bei den Löwen Frankfurt Lehrgeld

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Von: Marc Thorwartl

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Heilbronner Falken Löwen Frankfurt Playoffs DEL2 Arno Tiefensee
Arno Tiefensee zeigte erneut eine erstklassige Vorstellung. © Marc Thorwartl

Die Heilbronner Falken verschlafen die ersten zehn Minuten und laufen dann dem Rückstand gegen die Löwen Frankfurt verzweifelt hinterher. Die Löwen gewinnen mit 4:1.

Heute Abend kommt es in der Eissporthalle Frankfurt zum ersten Aufeinandertreffen im DEL2-Halbfinale zwischen den Löwen Frankfurt und den Heilbronner Falken. Während sich die Hessen im Viertelfinale mit vier Siegen in vier Partien glatt gegen den EHC Freiburg durchgesetzt hatten, benötigten die Heilbronner Falken gegen die Dresdner Eislöwen zwei Spiele mehr. Demnach sind die Löwen ausgeruhter, sie hatten fünf Tage länger Pause als die Unterländer. Ob das unbedingt ein Vorteil ist?

Jason Morgan, Trainer der Heilbronner Falken, vertraut nahezu exakt demselben Team, das zuletzt den Halbfinaleinzug gegen Dresden realisierte. Mit einer Ausnahme: Wie erhofft hat Bill Stewart, neuer Trainer der Adler Mannheim, kein Problem damit gehabt, Luca Tosto den Heilbronner Falken zur Verfügung zu stellen. Ganz klar eine Stärkung, hatte der Förderlizenzspieler in der Vergangenheit doch immer viel Speed und auch körperliche Robustheit aufs Eis gebracht. Während die Heilbronner Falken mit dem Erreichen des Halbfinals alle Saisonerwartungen bereits übertroffen haben, sind die Löwen Frankfurt zum Aufstieg in die DEL verdammt. Wie sie mit dieser Bürde umgehen, werden die kommenden 60 Minuten zeigen. Die Ankündigung einer Boulevardzeitung, dass „der Hauptrunden-Siebte auch kein Problem für die Löwen sein dürfte“, könnte für zusätzliche Motivation bei den Heilbronner Falken sorgen.

Heilbronner Falken unkonzentriert und mit vielen Fehlpässen

Fünf Minuten ist es ein ausgeglichenes Spiel, die Heilbronner Falken gewinnen sogar mehr Bullys, haben ein kleines Plus, aber richtig gefährlich wird es nicht. In der sechsten Minute dann das 1:0 für die Hausherren. Die vierte Reihe der Falken ist zu langsam in der Rückwärtsbewegung, die Überzahlsituationen nutzt ausgerechnet Ex-Falke Pierre Preto zum 1:0. Dieses Tor gibt den Löwen Auftrieb. Begünstigt durch Fehler in der Hintermannschaft der Heilbronner Falken, sichere Pucks werden durch schlechte Pässe wieder hergegeben. Ein solcher Fehlpass in der Abwehrzone beschert den Hessen zwei Minuten später erst Scheibenbesitz und dann das 2:0. Auch in der Folgezeit die Löwen im Vorwärtsgang, Arno Tiefensee reagiert mehrfach brillant, sonst wäre hier bereits eine Vorentscheidung gefallen.

Nach dem Powerbreak haben sich die Heilbronner Falken wieder etwas gefangen. Ein schneller Vorstoß über die rechte Seite, Justin Kirsch mit dem Querpass vors Tor, doch Julian Lautenschlagers Schuss wird pariert. Kurz danach ein Konter, die Falken laufen einen Drei-gegen-eins-Konter, Judd Blackwater entscheidet sich für den Schuss anstatt den Pass - und zieht übers Tor. Solche Chancen müssen die Heilbronner Falken cleverer verwerten, denn viele werden sie nicht bekommen. Zumal die Fehlpassquote im eigenen Abwehrdrittel weiterhin zu hoch ist, nach einem von Lautenschlager fällt fast das 3:0. Die Falken müssen sich endlich mehr konzentrieren, wenn sie hier wirklich eine Chance haben wollen. 15:8 Schüsse im ersten Drittel, das 0:2 ist für die Heilbronner Falken schmeichelhaft. Pause.

Heilbronner Falken sind aufgewacht und im Halbfinale angekommen

Die Heilbronner Falken müssen mehr für die Offensive tun, wenn sie es hier nochmals spannend machen wollen. Morgan hat reagiert, die Reihen umgestellt, Valentino Klos und Karl Fabricius haben die Positionen getauscht. Zudem Blackwater und Stefan Della Rovere. Die Unterländer sind jetzt bedeutend besser in der Partie. Fabricius, Tosto, Brock Maschmeyer mit guten Möglichkeiten. Allerdings müssen sie sich in Acht nehmen, wieder ein abgefangener Pass, ein Konter der Löwen, Tiefensee mit einer Glanztat. Gleich darauf Justin Kirsch mit einem knallharten Schuss, der noch pariert wird.

Heilbronner Falken Löwen Frankfurt Playoffs Eishockey DEL2 Justin Kirsch
Justin Kirsch hat zwei gute Einschussmöglichkeiten im zweiten Drittel. © Marc Thorwartl

In der 32. Minute dann die erste Strafe. Es erwischt Kenney Morrison von den Heilbronner Falken. Keine gute Idee gegen das beste Powerplay-Team der Liga. Es brennt mehrfach lichterloh vor Tiefensee, der alles abwehrt, es bleibt beim 2:0. Danach eine kurze Schwächephase der Heilbronner Falken, die sich wieder haarsträubende Abspielfehler im Abwehrverbund leisten. Anschließend fangen sie sich wieder, starten konzentrierte Angriffe. Luke Volkmann scheitert frei vor Keeper Jake Hildebrandt. 99 Sekunden vor der Pause das erste Powerplay für die Heilbronner Falken. Das ist richtig gut, allerdings ohne Torerfolg. Es bleibt beim 2:0 nach 40 Minuten. „Wir haben die ersten zehn Minuten verschlafen, sind dann aber besser ins Spiel gekommen. Wir müssen im letzten Drittel zulegen, härter spielen, noch mehr Schüsse aufs Tor abgeben“, sagt Noah Dunham im Pausen-Interview.

Heilbronner Falken können die Wende nicht erzwingen

Die Heilbronner Falken müssen im Schlussabschnitt noch aktiver werden und eine weitere Schippe drauflegen, damit sie die Partie drehen können. Ein schnelles Tor wäre da äußerst hilfreich. Sie haben noch 21 Sekunden Überzahl. Die Unterländer probieren alles, das Tor ist wie vernagelt. Das frühe Forechecking schmeckt den Löwen Frankfurt nicht, jetzt erlauben auch sie sich ungenaue Pässe. Dann nehmen sich die Heilbronner Falken selbst den Wind aus den Segeln, weil sie eine Strafe bekommen. Nach fünf Sekunden Powerplay Frankfurt verhindert nur der Pfosten das 3:0, danach aber ein erstklassiges Penalty-Killing der Heilbronner Falken, sie lassen keine weitere Chance zu. Dann kommt wieder so ein Fehlpass, die Löwen laufen einen Konter, treffen den Pfosten, den abprallenden Puck bringt wieder Preto ins Tor. Allerdings scheint er das mit der Hand gemacht zu haben, jedenfalls entscheidet der Schiedsrichter hinter dem Gehäuse sofort auf kein Tor. Nach Beratschlagung am Mittelkreis wird die Entscheidung in „Tor“ geändert und nach Sichtung des Videobeweises auch bestätigt.

Dieser Treffer ist natürlich Gift für die Heilbronner Falken. Frappierend ist auch, dass Frankfurts vierte Reihe bisher alle Treffer erzielt hat. Aber die Gäste geben sich noch nicht geschlagen. Kirsch zieht ab, der Puck prallt vom Bein eines Frankfurters an das des nächsten Löwen und von dort ins Tor. 3:1. Ein Glückstor, aber manchmal benötigt man genau so einen Treffer. Die Freude währt allerdings nur kurz. Puckverlust beim Angriff, Konter der Löwen, 4:1. Fast im direkten Gegenzug, das war ein geschenkter Treffer - und die Entscheidung. Die Falken sind in der Folgezeit bemüht, nochmals den Drive zu bekommen, aber vieles bleibt jetzt Stückwerk. Die erste Halbfinal-Partie geht verloren, jetzt müssen die Heilbronner Falken versuchen, am Samstag in der Serie zurückzuschlagen.

„Frankfurt ist gestartet, wie wir es eigentlich wollten, uns hat die Intensität gefehlt“, erklärt Falken-Coach Jason Morgan. „Im zweiten Drittel habe ich die Reihen geändert, wir haben mehr Schüsse aufs Tor abgegeben, härter gearbeitet, mehr Zweikämpfe gewonnen und Chancen kreiert. Wir fahren jetzt heim und bereiten uns intensiv auf die Partie am Samstag vor.“

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