Problem wird im Sommer wieder größer

Schockierende Katzen-Bilder aus Wüstenrot lassen Tierheim und Tierschutz verzweifeln

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Viele Katzenbabys, die das Tierheim Heilbronn aufnimmt, sind am Katzenschnupfen erkrankt. So auch Tiere aus Wüstenrot.
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Das Tierheim Heilbronn kämpft derzeit mit einer regelrechten Katzenschwemme. Traurige Schicksale der Samtpfoten sind da kein Einzelfall. Dabei könnte es eine Lösung geben.

Wann immer Silke Anders neu aufgenommene Katzenbabys fotografiert, weiß sie: Es werden nicht die letzten sein. Nicht die letzten, die sie aus einer Notlage gerettet hat. Nicht die letzten, die schon am Beginn ihres Lebens schwer krank sind. Nicht die letzten, von denen einige nicht überleben werden. Jeden Sommer kämpft die Vorsitzende des Heilbronner Tierschutzvereins mit demselben Problem: Das Tierheim platzt aus allen Nähten! Eigentlich können keine Katzen mehr in die übervolle Quarantäne aufgenommen werden. Doch dann steht schon der nächste Notfall vor der Tür und die Augen vor dem Leid der kleinen Samtpfoten verschließen - das gelingt den Tierliebhabern nicht. Dabei könnte es eine Lösung für das Leid der Vierbeiner geben, die auch Tierschutzvereine entlasten würde.

Kastrationspflicht bei Katzen: Verantwortung bei den Kommunen

"In Gemeinden, die eine flächendeckende Kastrationspflicht eingeführt haben, hat sich das als Erfolg herausgestellt", erklärt Anders gegenüber echo24.de. Auf das Katzenproblem angesprochen, verweist das Veterinäramt Heilbronn auf die Regelung des Landes Baden-Württemberg - und damit letztlich auf die einzelnen Gemeinden. Eine sogenannte Katzenschutzverordnung, die auch eine Kastrationspflicht beinhalten könnte, muss jede Stadt demnach selbst erlassen.

©Anders/Tierheim Heilbronn

Der Bund hat die Verantwortung ans Land abgegeben und das wiederum an die Gemeinden. Dies sei sinnvoll, weil die "Feststellung, ob die Gemeinde Schwerpunktgebiet mit einer erhöhten Zahl an freilebenden Katzen ist, am besten durch die örtlichen Behörden erfolgen kann", heißt es in einer Pressemitteilung des Landes. In der Region gebe es viele Orte, die nach dieser Definition betroffen wären, erklärt Anders. Eine Regelung gibt es dort aber nicht.

©Anders/Tierheim Heilbronn

Abschreckendes Beispiel Wüstenrot: Tierheim Heilbronn sammelt elf Katzen ein

Wolfie musste ein Auge entnommen werden. ©Anders/Tierheim Heilbronn

Wie beispielsweise in Wüstenrot. Hier sammelte das Tierheim vor Kurzem elf Katzen ein. Einige mussten direkt eingeschläfert werden, ein Baby verstarb später. Wegen des heftigen Katzenschnupfens musste zwei Katzen ein Auge entfernt werden. Angesichts solchen Elends blutet auch Eveline Federmann vom Tierschutzverein hundundkatz in Ellhofen das Herz: "Eine Dame in Wüstenrot hat die Katzen regelrecht gehortet. Das ist falsch verstandene Tierliebe. Es ist zu befürchten, dass dort noch mehr Katzen auftauchen."

Eine Kastrationspflicht würde genau das verhindern. Denn: "Unter der Annahme, dass eine Kätzin zweimal im Jahr einen Wurf mit drei Jungtiere bekommt und aufzieht und die Nachkommen sich wiederum entsprechend vermehren, so ergibt sich theoretisch nach zehn Jahren eine beachtliche Anzahl von 240 Millionen Nachkommen eines Katzenpaares", heißt es beim Land Baden-Württemberg. Selbst wenn die natürliche Auslese einbezogen wird - das Problem freilebender Katzen wird immer größer.

Kastration: Eine Katze für das Tierheim "irre teuer"

"Wir waren schon beim Bürgermeister", erklärt Federmann. Er habe sich kümmern wollen. Passiert sei aber nichts. Auf eine schriftliche Anfrage der Redaktion beim Wüstenroter Bürgermeister Timo Wolf gab es bislang keine Stellungnahme hierzu. Doch das Problem existiert längst nicht nur in Wüstenrot. "Fragen Sie doch mal in Heilbronn nach. Da ist es genauso", sagt Silke Anders. Regelrechte Katzenhorden hat das Tierheim aber in letzter Zeit beispielsweise auch aus Bad Friedrichshall-Hagenbach oder Bad Rappenau-Babstadt eingesammelt. Jeweils rund 20 Tiere wurden aufgenommen, aufgepäppelt, kastriert. Alles Vorbedingung, ehe eine Vermittlung überhaupt in Frage kommen kann.

©Anders/Tierheim Heilbronn

"Es ist irre teuer für das Tierheim. Eine Katze kostet uns dann mindestens 300 Euro", erklärt Anders. Geld, das das Tierheim anders gut gebrauchen könnte. Zwar würden auch die Gemeinden bei einer Kastrationspflicht Geld auf den Tisch legen müssen. Langfristig führe die Kastrationspflicht -  gerade auch bei freilebenden Katzen - aber zu einer Kostenersparnis, erklärt das Land Baden-Württemberg.

Kastrationspflicht bei Katzen: Änderung wünschenswert

Den für die Umsetzung einer Katzenschutzverordnung erforderlichen Nachweis, dass es ein Katzenproblem tatsächlich gibt, könnte jede Gemeinde durch Anfragen bei Tierschutzvereinen und -heimen einholen. Federmann und Anders würde das freuen. Denn die immer gleichen Bilder wollen beide einfach nicht mehr sehen.

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