Verspielter Frischling

Deshalb hat diese Familie ein Wildschwein als Haustier

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Viola Hans spielt mit Rudi in seinem Stall und hat den jungen Keiler längst in ihr Herz geschlossen.
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Ein etwas ungewöhnliches Haustier hat die Familie Hans aus Forchtenberg bei sich aufgenommen.

Rudi genießt es sichtlich, ausgiebig gekrault zu werden. Richtig übermütig wird er, als Viola und Valerie ihn zum Spiel auffordern. Er knabbert an ihren Schuhen, macht Männchen und ist fast nicht mehr zu bremsen. Rudi ist derzeit das achte Familienmitglied im Hause Hans in Forchtenberg und kein gewöhnliches Haustier. Denn Rudi ist ein junges Wildschwein im besten Flegelalter und sorgt für mächtig Aufsehen.

Alle wollen das süße Borstentier sehen und kennen lernen. Auch die Kinder vom Kindergarten Forchtenberg waren schon zu Besuch und von Rudi hellauf begeistert, erzählt Sigrid Hans.

In Forchtenberg: Wildschwein Rudi verläuft sich bei Erkundungstour

Hündin Lotta, die ebenfalls zur Familie gehört, lässt der ganze Rummel kalt. Sie liegt beim echo-Besuch unterm Tisch und döst vor sich hin. Sie war dabei an diesem denkwürdigen Tag Anfang Dezember 2018, an dem Herrchen Martin Hans die Teilnehmer einer Drückjagd im Salltal betreute. Er habe gerade einen der Schützen vom Hochsitz abgeholt, als ein Frischling ihm auf dem Waldweg direkt vors Auto lief, erzählt der Förster.

„Das Jungtier war völlig aufgeschreckt und hatte offensichtlich den Anschluss an seine Mutter und den Geschwistertieren verloren.“ Dass Frischlinge nach ein bis zwei Wochen auf kleinere Erdkundungstouren aufbrechen, sei nicht unüblich, berichtet Martin Hans weiter, doch für ihn war klar, dass dieses Tier sich verlaufen hatte und nicht mehr zu seinem Wurfkessel zurück fand. Kurzentschlossen packte er ihn ins Auto und nahm in mit nach Hause. Tochter Viola erinnert sich: „Mein Vater hat mir den Frischling in den Arm gedrückt, damit er sich beruhigt. Er schrie und zitterte vor Angst und Kälte.“ Zu diesem Zeitpunkt wog das verängstigte Tier gerade mal 2 kg und war nicht größer als eine Katze.

Wildschwein wurde als Junges mit der Spritze aufgezogen

Von einem befreundeten Landwirt besorgte sich Martin Hans Ferkelmilchpulver und richtete in seiner Werkstatt einen provisorischen Stall her mit Heu, Stroh und Wärmelampe. In den nächsten Tagen wechselten sich die Familienmitglieder ab bei der Versorgung des kleinen Keilers, der anfangs alle zwei bis drei Stunden mit der Spritze gefüttert werden musste. Nach wenigen Tagen begann das kleine Kerlchen selbständig zu fressen. Ein Brei aus Getreideschrot wurde zu seiner Leibspeise, später kamen noch Eicheln und Löwenzahn hinzu. Die Familie taufte ihn auf den Namen Rudi.

Bilder: So süß ist Frischling Rudi

Inzwischen wiegt Rudi knapp 25 kg, ist handzahm und äußerst gesellig. Die Längsstreifen auf seinem Jungtierfell sind beinahe verschwunden und bald wird der Tag kommen, an dem der junge Keiler seinem heimeligen Stall entwachsen sein wird.

Doch was kommt dann? Martin Hans hat bereits Kontakt aufgenommen mit einem Wildschweingehege im Raum Stuttgart, den eine Forstkollege von ihm betreut. Wenn alles klappt, wird Rudi in ein paar Wochen dorthin umziehen. Hans hofft, dass Rudi dort schnell Anschluss an eine Rotte findet, auch wenn der ganzen Familie der Abschied schwer fallen wird. „Es ist schon ein komisches Gefühl,“ meint Viola, „aber wir wollen ihn dort auf jeden Fall regelmäßig besuchen“.

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