Lebenslänglich für den Ehemann der Getöteten

Mord-Prozess Löwenstein: Das Urteil ist gefallen

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  • Melissa Sperber
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Das Heilbronner Landgericht sieht das Motiv in der gescheiterten Beziehung und gekränktem Stolz.

Es blieb bis zum Schluss ein Indizienprozess: Der Angeklagte hatte ein Motiv, es gibt DNA-Spuren von ihm am Tatort und er ist strafrechtlich schon mehrfach aufgefallen. Den Mord an seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau bestritt er allerdings bis zuletzt. Direkte Zeugen der Tat gibt es nicht. Nach Ansicht des Heilbronner Landgerichts reicht das jedoch für ein Urteil aus: Der Ehemann der Getöteten muss wegen Mordes lebenslang hinter Gitter!

Bei der Urteilsbegründung ging der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth detailliert auf die vorangegangenen Prozesstage, die polizeiliche Ermittlungsarbeit und den Charakter des Täters ein. Gleich zu Beginn wendet sich Kleinschroth an den Angeklagten: "Ihr gesamtes Leben war aufgebaut auf Lug und Betrug!" Alle Chancen, die ihm eingeräumt worden seien, habe er nicht genutzt - an einer vollen Schuldfähigkeit gebe es somit nichts zu rütteln. 

Hochgradig manipulativ

Die umfangreiche Beweisaufnahme mit 106 Zeugen und vier Sachverständigen war langwierig, aber bei dieser Tat notwendig. So liegen dem Gericht schlussendlich viele Punkte vor, die auf die Schuld des Ehemanns hinweisen: DNA-Spuren, die Beschreibung zweier Zeugen, Faserspuren, Täterwissen, seine nicht zu den Ermittlungen passenden Angaben und nicht zuletzt das fehlende Alibi. 

Kleinschroth: "Sie sind sowas von manipulativ, das ist unglaublich." Der Verurteilte hatte noch durch seine Geschwister versucht, auf die Aussagen seines Sohnes einzuwirken - ohne Erfolg. Die Ermittlungen ergaben eindeutig, dass keine anderen Personen als Täter in Betracht kommen. "Sie haben gedacht, dass Sie den perfekten Mord begehen können. Aber den gibt es nicht", erklärt der Vorsitzende Richter. "Wenn man alle Indizien zusammennimmt,  gibt es überhaupt keine Zweifel, dass Sie der Täter sind."

Brutal und heimtückisch

Die 59-jährige Ehefrau des Verurteilten wurde am 29. März 2017 heimtückisch nach Feierabend auf dem Parkplatz der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein, wo sie in einem Kiosk arbeitete, angegriffen. Der Täter stach brutal auf sie ein, fügte ihr neun Stich- und fünf Schnittverletzungen zu. Nachdem sich die Frau noch ein paar Meter weitergeschleppt hatte, brach sie zusammen und starb auf dem Parkplatz.

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