Wegen exzessiven Suffs gibt es bei dem Paar erhebliche Gedächtnislücken

Freundin angezündet: Gerichtsurteil gefallen

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Im Streit hatte der 46-jährige S. seine Freundin mit Spiritus übergossen. Dann kam das Feuerzeug zum Einsatz.
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Irgendwann konnte und wollte der Angeklagte die permanenten Erniedrigungen nicht mehr ertragen und dachte sich: "So, jetzt reicht's:"

Sex mit dem Ex, Dauerstreit, Suff, Spiritus, Feuer, Brandverletzungen. Auch wenn die genauen Ereignisse der Nacht vom 10. und 11. Dezember 2016 immer noch nicht klar sind: Wegen schwerer Körperverletzung muss der 46-jährige S. aus Schwäbisch Hall jetzt für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. So lautet das heutige Urteil am Heilbronner Landgericht. Das Anzünden seiner damaligen Freundin war offenbar der Gipfel des permanenten Zanks, der die On-off-Beziehung regierte.

Der offenbare Hauptgrund des Beziehungskrachs: S. wollte eine langfristige Bindung, doch K. landete immer wieder mit anderen Männern in der Kiste. Als die Geschädigte in der Tatnacht die sexuellen Fähigkeiten von S. bemängelte, sie fernsehen wollte, es S. aber auch nicht gelang, das Gerät anzuschließen und dazu - wie schon so oft - der Alkohol in Strömen floss, platzte S. der Kragen.

S. spritzte der Geschädigten etwa 170 Milliliter Spiritus auf den Unterleib, drohte daraufhin, sie anzuzünden. K.'s Reaktion: eine erneute Kränkung - sie lachte S. aus. Darauf nahm S. sein Feuerzeug, entzündete dieses und brachte es in die Nähe von K.'s Unterleib. Sofort brannte die Unterhose der 43-Jährigen.

Doch K. reagierte trotz ihres Suffs goldrichtig: Im Liegen zog sie ihre Hose aus. Der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth erklärte während der Urteilsverkündigung: "Da hatten Sie beide wirklich Glück. Wären Sie, Frau K., aufgestanden, hätten sie vermutlich am ganzen Körper gebrannt wie eine Fackel." Verletzt konnte sich K. in die Toilette retten und den Notruf alarmieren.

"Entgegen der Anklage halten wir die Tatbestände eines versuchten Mordes nicht für gegeben", erläutert Kleinschroth bei der Urteilsbegründung, "obwohl der Grat zwischen schwerer Körperverletzung und versuchten Mordes so schmal ist, wie ich selbst es noch nie erlebt habe."

Vermutlich habe der Angeklagte der Geschädigten nur Angst einjagen und sie nicht verletzen wollen. Allerdings sei er sich über die Gefahr seiner Handlung klar gewesen, auch wenn S. morgens beim Eintreffen der Polizei noch 1,78 Promille gehabt habe. Kleinschroth: "Sie waren voll schuldfähig." Schließlich sei S. große Alkoholmengen gewöhnt.

Die Folgen für K.: monatelange Schmerzen, Schlafprobleme, Alpträume. 15 Prozent ihres Körpers sind nach den Verbrennungen zweiten Grades an Händen, Ober- und Unterschenkeln dauerhaft entstellt. An die genauen Ereignisse der Nacht können sich die beiden nicht mehr erinnern. Zwei Notrufe bei der Polizei vor dem Brand wegen des permanenten Streits und angeblicher Handgreiflichkeiten sind aus dem Gedächtnis des Ex-Paares wie gelöscht.

Kleinschroth sagt zum Angeklagten: "Sie haben noch keine Alkoholsucht entwickelt, aber Sie sind jemand, der bei Beziehungsproblemen zur Flasche greift. Schon vorherige Anzeigen gegen Sie haben das gezeigt. Während Ihrer Haftstrafe haben Sie die Gelegenheit, über ihr Trinkverhalten nachzudenken und Problemen direkt zu begegnen." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann noch Revision einlegen, die Geschädigte und die Staatsanwaltschaft haben bereits darauf verzichtet.

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