Leitstelle sah offenbar keinen Notfall

Unfassbarer Vorfall! Seniorenheim kriegt bei kaputtem Aufzug keine Hilfe für Patienten - Tierrettung springt ein

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Mithilfe von Tragetüchern der Tierrettung konnten die Patienten schließlich auf ihre Zimmer gebracht werden.
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Sechs Patienten können nicht auf ihre Zimmer gebracht werden. Am Ende hilft nur die Tierrettung.

Was sich am Donnerstag in einem Seniorenheim in Schönbrunn im Rhein-Neckar-Kreis abgespielt hat, ist nur schwer zu fassen. Weil der Aufzug defekt war und angeblich weder Firma noch Rettungsleitstelle reagieren konnten, kamen schwerstpflegebedürftige Patienten nach dem Abendessen nicht zurück auf ihre Zimmer. Es handele sich nicht um einen Notfall. Letztlich bat das Seniorenheim die Tierrettung um Hilfe - und diese reagierte endlich richtig. Gegen Firma und den Mitarbeiter der Rettungsleitstelle prüft das Heim nun rechtliche Schritte.

Defekter Aufzug führt zu unfassbarem Vorfall: Patienten von Seniorenheim betroffen

Bereits am Mittag war im Seniorenheim Parkblick nach eigenen Angaben der Aufzug ausgefallen. Ein Servicetechniker setzte diesen demnach zwar wieder in Betrieb, doch der Lift fiel am Nachmittag erneut aus.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich aber etliche Bewohner im Speisesaal des vierstöckigen Gebäudes. Ohne Aufzug kam ein Großteil von ihnen nicht zurück aufs Zimmer. Doch als sich das Seniorenheim daraufhin erneut an den Techniker wand, lehnte dieser offenbar ab, "da er ansonsten die gesetzlich maximal Arbeitszeit von 10 Stunden überschreiten würde."

Unfassbarer Vorfall in Seniorenheim: Notfall-Vertrag gebrochen?

Auch die zuständige Firma, mit der es laut Seniorenheim einen 24-Stunden-Vertrag gibt, habe zwei Stunden lang zunächst nicht helfen können - und schlussendlich darauf verwiesen, dass kein Techniker zur Verfügung stehe. Das Seniorenheim solle sich an die Feuerwehr wenden.

Inzwischen hatte das Pflegepersonal offenbar selbst viele Patienten in ihre Zimmer gebracht. Doch sechs älteren Menschen konnten "von den Mitarbeitern des Seniorenheims aufgrund des Gewichtes kräftemäßig nicht auf die entsprechenden Stockwerke getragen werden".

Kein Notfall? Leitstelle lehnt Feuerwehreinsatz in Seniorenheim offenbar ab

Doch mit dem Anruf bei der Integrierten Rettungsleitstelle endete das Drama im Seniorenheim leider nicht wie erwartet. Nachdem der Fall hier geschildert worden sei, bekam man erneut keine Hilfe. Es handele sich nicht um einen Notfall.

Weil Heimleiter Sven Jensen aber auch Gründer der Haus- und Wildtierrettung Neckartal-Odenwald ist, kam ihm in der verzweifelten Situation eine Idee - und die führte zum Erfolg. Wenn auch einem mit sehr bitterem Beigeschmack.

Unfassbarer Vorfall in Seniorenheim: Keine Hilfe für Patienten - außer von Tierrettung

Die Tierrettung rückte ehrenamtlich an und transportierte die verbliebenen sechs Patienten mit Tragetüchern auf ihre Zimmer. "Als ich davon gehört habe, ist mir der Hut hochgegangen", erklärt ein Mitarbeiter der Tierrettung gegenüber echo24.de. "Das ist menschenunwürdig."

Zwar nutzen auch Rettungskräfte immer wieder Tragetücher, um Patienten in unwegsamem Gelände oder steilen Treppenhäusern zu transportieren - doch für die Heimleitung des Seniorenheims ist dies überhaupt kein Trost.

Nach unfassbarem Vorfall: Seniorenheim prüft rechtliche Schritte

"Wir werden rechtliche Schritte gegen die Aufzugfirma, mit der ein Vollwartungsvertrag besteht, einleiten", heißt es in einer Pressemitteilung zum Vorfall. Auch prüfe ein Anwalt, ob das Handeln des Leitstellen-Mitarbeiters als unterlassene Hilfeleistung zu werten ist. "Unserer Auffassung nach lag entgegen der Aussage des Disponenten der Rettungsleitstelle Rhein-Neckar, dass es sich hier nicht um einen Notfall handeln würde, nämlich sehr wohl ein Notfall vor."

Der Freiwilligen Feuerwehr Schönbrunn selbst, mache man keine Vorwürfe, "da die Rettungsleitstelle unseren Notruf erst gar nicht weitergeleitet hat". Warum dies der Fall war, ist bislang unklar. "Selbstverständlich ist die integrierte Leitstelle an der gewissenhaften Aufarbeitung des gestrigen Vorfalls interessiert", heißt es von der Leistelle Rhein-Neckar auf echo24.de-Anfrage.

Allerdings seien die betroffenen Mitarbeiter derzeit nicht im Dienst, sodass man leider erst am Montag eine umfassende Auskunft zum Vorfall geben könne. Doch auch die Leitstelle bewundert den spontanen Einsatz der Tierrettung: "Wir freuen uns über das spontane bürgerschaftliche Engagement."

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