Viel mehr als nur füttern und streicheln

Fischotter haben auch an Weihnachten Hunger: unterwegs mit einem Tierpfleger in Tripsdrill 

Kälte oder Feiertag? Die Fischotter wollen auch dann von Tierpfleger Rudi versorgt werden.
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Kälte oder Feiertag? Die Fischotter wollen auch dann von Tierpfleger Rudi versorgt werden.
  • Anna-Maureen Bremer
    vonAnna-Maureen Bremer
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  • Melissa Sperber
    Melissa Sperber
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Das Wildparadies in Tripsdrill hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Kein Wunder: Die Tiere wollen ja auch an Feiertagen ihr Futter. echo24.de hat Tierpfleger Rudi einen Tag lang begleitet...

  • Das Wildparadies Tripsdrill hat 365 Tage im Jahr geöffnet. 
  • Tierpfleger versorgen die Tiere im Wildparadies.
  • Bei Fütterungen können Besucher die Tiere genau beobachten.

Eigentlich stehen das Otter-Männchen und Weibchen sofort parat, wenn es Futter gibt. Aber heute ist etwas anders: Das Weibchen hält Abstand, es kommt nicht näher heran. Tierpfleger Rudi ist beunruhigt. Weil vorm Zaun viele Besucher die Fütterung beobachten, lässt er sich nichts anmerken. Nachdem die Park-Besucher zum nächsten Gehege gegangen sind, geht er der Ursache auf den Grund...

Wer meint, dass Tierpfleger den ganzen Tag nur füttern und streicheln, der hat weit gefehlt. Unsere beiden Redakteurinnen Anna und Melissa haben Tierpfleger Michael, den alle nur Rudi nennen, einen Tag lang begleitet und ihm bei seinem Job über die Schulter geschaut.

Im Wildparadies in Tripsdrill: Tierpfleger ist kein Job für Langschläfer

Unser Tag beginnt um 8 Uhr in der Futterküche (und das nur, weil der Tierpfleger Gnade mit uns hatte, in Wirklichkeit steht er früher auf der Matte). Was sofort in die Nase sticht - und zwar wortwörtlich: der Geruch! Intensiv, aufdringlich und irgendwie undefinierbar.

Das kann doch nicht vom Gemüse, das in mehreren Kisten auf der Arbeitsplatte steht, kommen? "Es sind eben nicht alle unsere Bewohner Vegetarier", erklärt Rudi und deutet auf einen riesigen Behälter mit Fleisch. Der 38-Jährige ist seit vielen Jahren Tierpfleger und war schon auf der ganzen Welt tätig. Selbst nachdem er von einer giftigen Schlange gebissen wurde, verlor er die Liebe zum Job nicht. Auch nicht, als sein Kollege vor seinen Augen von einem Elefanten erdrückt wurde.

Bilder aus dem Tierpark Tripsdrill: Unterwegs mit einem Tierpfleger

Während er uns viele Informationen zu seiner Arbeit mit den Tieren und dem Wildparadies in Tripsdrill gibt, portioniert er Fleisch für die Raubtiere und schnippelt Gemüse und Obst, auf das sich zum Beispiel die Muntjaks (kleine Hirsche) besonders freuen. Zack, zack, zack...


Und - oh, Überraschung - auch an Weihnachten und anderen Feiertagen wollen die Tiere versorgt werden. Tagelang faul herumliegen gibt’s bei Tierpflegern nicht. Rudi teilt sich seine Aufgaben mit nur einem weiteren Pfleger. Außerdem ist noch ein Falkner angestellt. Feierabend zu einer bestimmten Uhrzeit? "Schluss ist dann, wenn alle versorgt sind", sagt er und lacht. 

Tripsdrill: Besucher verfolgen Fütterungen im Wildpardies

Wenn der Park geöffnet hat, verfolgen viele Besucher gespannt die Fütterungen. "Wir nutzen das, um den Gästen einzelne Tierarten näher vorzustellen - und um Vorurteile abzubauen. Den bösen Wolf aus dem Märchen gibt es zum Beispiel gar nicht." Ach ja? Das möchte Redakteurin Anna natürlich genau wissen. Unter Anweisung darf sie ins Wolfsgehege. Vielleicht möchten die betagten Tiere mal an ihr schnuppern?

Von wegen. Interesse haben sie überhaupt nicht an der Fremden. Noch nicht mal beobachten wollen sie, wer da in ihr Revier stiefelt. Wo sind die überhaupt hin? Annas Fazit: "Das war ausgesprochen unspektakulär." Das mag auch am fortgeschrittenen Alter der Wölfe im Tierpark liegen. Rudi erklärt: "Weil unsere zwei Wölfe schon älter sind, dürfen sie bei uns ihre Ruhe haben. Wir setzen ihnen keine Jungtiere mehr vor die Nase."

Allein, allein - die Wölfe in Tripsdrill haben kein Interesse an der Fremden in ihrem Gehege: 

Kleine Sensation in Tripsdrill: Fischotter bekommen im Wildparadies Nachwuchs

Die eigentlichen Stars des Tages sind jedoch die Fischotter. Denn: Sie haben eine besondere Überraschung für Tierpfleger Rudi. Warum das Otterweibchen heute bei der Fütterung ungewöhnlich viel Abstand gehalten hat, wird bei einem vorsichtigen Blick in den Bau schnell klar. Noch ganz klein und nur wenige Tage alt liegen sie eng aneinander gekuschelt: Fischotter-Babys.

"Das ist wirklich eine kleine Sensation", sagt Rudi und grinst. "Fischotter bekommen so spät im Jahr eigentlich keine Jungen mehr. Auch dass die Vermehrung überhaupt klappt, ist nicht selbstverständlich. Jetzt müssen wir ihnen viel Ruhe lassen. Stress könnte den Tod für den Nachwuchs bedeuten, weil die Mutter sie dann zu früh alleine lässt."

Dass wir dabei sein durften, als die Tierbabys entdeckt wurden, war ein absoluter Glücksfall. Für alle, die die Fischotter-Familie, Wölfe, Muntijaks und viele mehr besuchen möchten: Die Tiere haben auch an Weihnachten Hunger, deshalb ist das Wildparadies an den Feiertagen geöffnet. 

So hat das Wildparadies in Tripsdrill zwischen den Jahren geöffnet

In der Wintersaison (04.11.2019 - 03.04.2020) hat das Wildparadies täglich ab 9 Uhr geöffnet! Die Flugvorführung und Fütterungsrunde finden in der Wintersaison nur an Wochenenden, Feiertagen und während der Schulferien in Baden-Württemberg statt (freitags findet keine Fütterungsrunde statt). Auch die Wildsau-Schenke hat zu diesen Zeiten geöffnet!

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