Immer neue Wendungen

Getöteter Junge in Künzelsau: Fall wird immer mysteriöser

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Plüschtiere erinnerten an den Tagen nach der Tat vor dem Wohnhaus der Angeklagten in Künzelsau an den getöteten Siebenjährigen.
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War der Tod des Jungen doch ein schrecklicher Unfall?

+++Update: 19. Januar+++: Pflegeoma-Sohn verweigert Aussage

Am vergangenen Montag noch hat Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth mit großen Erwartungen auf den siebten Prozesstag geblickt: Der Sohn der Angeklagten 70-Jährigen im Fall um den getöteten Siebenjährigen in Künzelsau sollte aussagen. Wie der SWR berichtet, machte dieser gestern jedoch, als naher Angehöriger, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Bereits vor knapp zwei Wochen gestattete das Heilbronner Landgericht ein Vier-Augen-Gespräch zwischen der tatverdächtigen Seniorin und ihrem Sohn. Ein angefertigter Mitschnitt dieser Unterredung kann offenbar ebenfalls nicht zur Klärung der Tat und der möglichen Motive beitragen: Er ist unbrauchbar.

Prozess: Keine weitere Aussage der Pflegeoma

Die erneute Bitte seitens des Vaters des getöteten Jungen in Richtung der Angeklagten, durch Aussagen zum Geschehen ihm und seiner Frau das Verarbeiten des schmerzlichen Verlusts zumindest ein wenig zu erleichtern, führte bei der Angeklagten zu keiner weiteren Reaktion.

+++Update 14. Januar+++: Pflegeoma bricht ihr Schweigen

Bislang hat sie geschwiegen. Heute, am sechsten Prozesstag vor dem Heilbronner Landgericht, erklärt die 70-jährige Pflegeoma: "Ich übernehme die Verantwortung für den Tod des Jungen. Anders möchte ich nicht verstanden werden." Doch klärt diese Aussage wirklich die nach wie vor rätselhaften Ereignisse am Abend des 27. April im Wohnhaus der heute 70-Jährigen in Künzelsau auf? Kam der Siebenjährige durch einen tragischen Unfall zu Tode oder brachte die regelmäßige Betreuerin des Schülers den lebensfrohen Buben absichtlich um?

Die Pflegeoma (Mitte) übernahm am Montag vor Gericht die Verantwortung für den Tod des Siebenjährigen.

In der vergangenen Woche schilderte die Angeklagte in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem psychologischen Sachverständigen Dr. Thomas Heinrich ihre Sicht der Ereignisse am Tatabend. Alles sei ein schrecklicher Unfall gewesen, den Tod des Schülers habe sie nicht gewollt.

Der Abend des 27. April begann harmonisch - und endete in einer Katastrophe. Die Mutter des Siebenjährigen brachte den Jungen wie schon viele Male zuvor bei der Witwe vorbei. Die Eltern waren mit Freunden zu einem Konzertabend verabredet. Zusammen habe die Angeklagte mit dem Schüler Hausaufgaben gemacht, er habe mit Autos gespielt, dann habe man gegessen und Kinderfilme im Fernsehen geschaut. Anschließend, vor dem Schlafengehen, haben die Seniorin und das Kind noch gemeinsam eine Gute-Nacht-Geschichte entwickelt, dann sei der Bub eingeschlafen.

In diesem Haus, nicht weit vom Künzelsauer Stadtkern, starb der Siebenjährige.

Toter Junge in Künzelsau: Woher kommen die Würgemale

Und dann wird es seltsam: Bald sei der Siebenjährige wieder aufgewacht, habe schlecht geatmet. Die Pflegeoma will ihn an sich gepresst und im Badezimmer mit Wasser beträufelt haben. Plötzlich sei er tot gewesen. Bewusst habe sie ihm nichts angetan, auch gewürgt habe sie ihn nicht. Woher die Würgemale kommen, könne sie sich nicht erklären. Sie habe gegenüber dem Jungen weder Hass noch Verlustängste empfunden. Die Ereignisse des Tatabends bekomme sie aus heutiger Sicht "nicht auf die Reihe". Aus Panik habe sie sich dann bis zum nächsten Abend versteckt.

Getötetes Kind in Künzelsau: Widersprüche der Pflegeoma

Nun aber der Widerspruch: Zuvor hat die Angeklagte gegenüber der Polizei ebenfalls von einem Unfall gesprochen. Allerdings sei der Siebenjährige in dieser Darstellung auf dem Bett herumgehüpft und unglücklich gefallen. Ein offenbar erfundener Tathergang, der nicht zu den Verletzungen des Kindes passt.

Im Anschluss an die Zusammenfassung des Sachverständigen gibt auch der Vater des Jungen heute vor dem Heilbronner Landgericht eine Erklärung ab: Die Darstellung der Angeklagten "verstärkt unseren Schmerz, dass unser Sohn nicht mehr ist. Das macht die Aufarbeitung nur noch schwerer. Das ist kein Geständnis, sondern eine taktische Aussage." Und auch der Anwalt der Eltern hält an dem schon zum Prozessauftakt vorgebrachten Tatmotiv der Angeklagten fest: Diese habe die Sorge gehabt, den Jungen in Zukunft nicht mehr zu sehen und habe ihn aus Verlustangst umgebracht.

Das Urteil soll am Mittwoch, 6. Februar, fallen.

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