Urteil bis Ostern?

Getöteter Junge in Künzelsau: Verminderte Schuldfähigkeit der Pflegeoma?

+
Plüschtiere erinnerten an den Tagen nach der Tat vor dem Wohnhaus der Angeklagten in Künzelsau an den getöteten Siebenjährigen.
  • schließen
  • echo24.de Redaktion
    echo24.de Redaktion
    schließen

Der Prozess um den getöteten Jungen in Künzelsau zieht sich weiter in die Länge. Infolge einer Gehirnuntersuchung nimmt der Fall eine überraschende Wendung.

+++Update 16. März: Verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten nicht ausgeschlossen+++

Der Prozess gegen die angeklagte Pflegeoma erfährt eine überraschende Wendung: Auf Druck ihrer Verteidigerin war die Angeklagte bildgebenden Verfahren unterzogen wurden. Und die MRT-Untersuchung hat Veränderungen im Gehirn sichtbar gemacht. Dadurch musste der psychiatrische Gutachter seine bisherige Einschätzung zum Teil revidieren: Er hält eine organische Depression nun für möglich. Das bedeutet auch, dass er eine verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten nicht ausschließt. Denn: Eine organische Depression könne die Steuerungs- und Erinnerungsfähigkeit der Angeklagten deutlich beeinflussen.

+++Update 15. März: Weitere Zeugen werden befragt+++

Im Prozess um den Tod eines Siebenjährigen gegen dessen Pflegeoma steht heute eine weitere Runde an Zeugenbefragungen an. Noch einmal muss der Sohn der Angeklagten aussagen und erklären, ob seine Mutter mit ihm über den Tod des kleinen Ole gesprochen hat. Auch die Brüder der 70-Jährigen kommen zu Wort. Es geht vor allem um den Gesundheitszustand der Angeklagten. Schon bei den vergangenen Zeugenaussagen gab es Widersprüche. Einige Zeugen sprachen von depressiven Phasen, andere schilderten die Angeklagte als lebensfrohe Person.

Elisabeth S. hat die Verantwortung für den Tod des Siebenjährigen übernommen. Dieser war erwürgt in einer Badewanne gefunden worden. Der genaue Tathergang blieb bislang aber unklar. Das Landgericht strebt inzwischen einen Abschluss des Verfahrens bis Ostern an. Gelingt dies nicht, muss der Fall laut "stimme.de" aufgrund der Schwangerschaft einer Richterin neu aufgerollt werden.

+++Update 1. März: Kommentar zum Pflegeoma-Prozess+++

Es ist nicht zum Lachen. Dafür ist alles viel zu bitter. Aber wer den Prozess um den vor knapp einem Jahr getöteten Siebenjährigen in Künzelsau verfolgt, kann mittlerweile nur noch den Kopf schütteln. Ursprünglich sollte am 6. Februar das Urteil fallen. Jetzt wird es mindestens Anfang April. 

Juristisch gesehen, scheint die Verteidigungsstrategie legitim, die Beweisaufnahme zu verlängern und erneut den Sohn und weitere psychologische Gutachter vor Gericht anzuhören. Moralisch ist die Haltung der Angeklagten aber sehr fragwürdig. Vor Gericht hat sie bereits die Verantwortung für den Tod des Buben übernommen. Freilich, ohne ein Geständnis abzulegen. Bislang präsentierte die ehemalige Krankenschwester drei Versionen des Tathergangs am Abend des 27. April 2018. Und in allen stellt sie sich als Unschuldige dar, alles sei nur ein schrecklicher Unfall gewesen, obwohl die Würgemale am Leichnam des Jungen eine andere Sprache zu sprechen scheinen.

Pflegeoma tötet Siebenjährigen? Bedrückende Bilder vom Tatort in Künzelsau

Vielleicht kann sich die Seniorin ihre Tat selbst nicht erklären. Aber um der früheren Freundschaft Willen zu den Eltern des Jungen, wäre es angebracht, endlich Tacheles zu reden – und nicht auf Teufel komm raus nach Leuten zu suchen, die entgegen der bisherigen Fakten die eingeschränkte Schuldfähigkeit bezeugen sollen. Mit jedem Prozesstag verändert sich die Leidenszeit der trauernden Eltern nur noch mehr, denen im vergangenen Frühling mit Gewalt der Lebensmittelpunkt entrissen wurde.

Die Pflegeoma (Mitte) übernahm am Montag vor Gericht die Verantwortung für den Tod des Siebenjährigen.

+++Update 26. Februar: Gefängnispsychologin soll aussagen+++

Nachdem die Verteidigerin der 70-Jährigen das Gutachten eines weiteren Sachverständigen beantragt hatte, werden nun CTs und MRTs gemacht - die Angeklagte willigte den bildgebenden Verfahren ein. Zusätzlich stimmte die Angeklagte auch zu, dass eine Gefängnispsychologin vor Gericht aussagt, mit der sie sich zweimal die Woche trifft. 

Auch der Sohn der Angeklagten soll nochmals aussagen, fordert die Verteidigerin - dabei hatte er bei seiner letzten Aussage vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Ebenso die Brüder der Angeklagten - auch sie sollen erneut geladen werden.

Das alles soll vor dem 4. April geschehen. Denn dann geht eine Beisitzerin in Mutterschutz. Bisher sind folgende Fortsetzungstermine angesetzt:
○ Donnerstag, 4. April, 9 Uhr: Plädoyers
○ Montag, 8. April, 9 Uhr: Urteilsverkündung

+++Update 18. Februar: Plädoyers erneut verschoben+++

Im Prozess um den Tod eines Siebenjährigen gegen dessen Pflegeoma sind die Plädoyers erneut verschoben worden. Die Verteidigerin der 70-Jährigen hatte am Montag am Landgericht Heilbronn ein Gutachten eines weiteren Sachverständigen beantragt. Das ursprüngliche Gutachten hält die Verteidigerin für mangelhaft. Der Sachverständige hatte ausgesagt, dass die Angeklagte zur Tatzeit wohl keine schwere Depression gehabt habe. Die Verhandlung soll am 26. Februar fortgesetzt werden.

+++Update 4. Februar: Plädoyers verschoben+++

Eigentlich sollten am heutigen Montag die Plädoyers im Prozess um den getöteten Jungen in Künzelsau verlesen werden. Dies wird nun aber verschoben. Dennoch stellt sich kurz vor der Schlussphase des Prozesses die Frage, welches Urteil die angeklagte Pflegeoma des verstorbenen Siebenjährigen zu erwarten hat.

Die Staatsanwaltschaft könnte demnach ein höheres Strafmaß fordern, als zunächst angenommen. Auch, weil die Pflegeoma sich während des Prozesses in Widersprüche verstrickte, als sie ihr Schweigen am sechsten Prozesstag endlich brach.

+++Update 19. Januar: Pflegeoma-Sohn verweigert Aussage+++

Am vergangenen Montag noch hat Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth mit großen Erwartungen auf den siebten Prozesstag geblickt: Der Sohn der Angeklagten 70-Jährigen im Fall um den getöteten Siebenjährigen in Künzelsau sollte aussagen. Wie der SWR berichtet, machte dieser gestern jedoch, als naher Angehöriger, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Bereits vor knapp zwei Wochen gestattete das Heilbronner Landgericht ein Vier-Augen-Gespräch zwischen der tatverdächtigen Seniorin und ihrem Sohn. Ein angefertigter Mitschnitt dieser Unterredung kann offenbar ebenfalls nicht zur Klärung der Tat und der möglichen Motive beitragen: Er ist unbrauchbar.

Prozess: Keine weitere Aussage der Pflegeoma

Die erneute Bitte seitens des Vaters des getöteten Jungen in Richtung der Angeklagten, durch Aussagen zum Geschehen ihm und seiner Frau das Verarbeiten des schmerzlichen Verlusts zumindest ein wenig zu erleichtern, führte bei der Angeklagten zu keiner weiteren Reaktion.

+++Update 14. Januar: Pflegeoma bricht ihr Schweigen+++

Bislang hat sie geschwiegen. Heute, am sechsten Prozesstag vor dem Heilbronner Landgericht, erklärt die 70-jährige Pflegeoma: "Ich übernehme die Verantwortung für den Tod des Jungen. Anders möchte ich nicht verstanden werden." Doch klärt diese Aussage wirklich die nach wie vor rätselhaften Ereignisse am Abend des 27. April im Wohnhaus der heute 70-Jährigen in Künzelsau auf? Kam der Siebenjährige durch einen tragischen Unfall zu Tode oder brachte die regelmäßige Betreuerin des Schülers den lebensfrohen Buben absichtlich um?

In der vergangenen Woche schilderte die Angeklagte in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem psychologischen Sachverständigen Dr. Thomas Heinrich ihre Sicht der Ereignisse am Tatabend. Alles sei ein schrecklicher Unfall gewesen, den Tod des Schülers habe sie nicht gewollt.

Der Abend des 27. April begann harmonisch - und endete in einer Katastrophe. Die Mutter des Siebenjährigen brachte den Jungen wie schon viele Male zuvor bei der Witwe vorbei. Die Eltern waren mit Freunden zu einem Konzertabend verabredet. Zusammen habe die Angeklagte mit dem Schüler Hausaufgaben gemacht, er habe mit Autos gespielt, dann habe man gegessen und Kinderfilme im Fernsehen geschaut. Anschließend, vor dem Schlafengehen, haben die Seniorin und das Kind noch gemeinsam eine Gute-Nacht-Geschichte entwickelt, dann sei der Bub eingeschlafen.

In diesem Haus, nicht weit vom Künzelsauer Stadtkern, starb der Siebenjährige.

Toter Junge in Künzelsau: Woher kommen die Würgemale

Und dann wird es seltsam: Bald sei der Siebenjährige wieder aufgewacht, habe schlecht geatmet. Die Pflegeoma will ihn an sich gepresst und im Badezimmer mit Wasser beträufelt haben. Plötzlich sei er tot gewesen. Bewusst habe sie ihm nichts angetan, auch gewürgt habe sie ihn nicht. Woher die Würgemale kommen, könne sie sich nicht erklären. Sie habe gegenüber dem Jungen weder Hass noch Verlustängste empfunden. Die Ereignisse des Tatabends bekomme sie aus heutiger Sicht "nicht auf die Reihe". Aus Panik habe sie sich dann bis zum nächsten Abend versteckt.

Getötetes Kind in Künzelsau: Widersprüche der Pflegeoma

Nun aber der Widerspruch: Zuvor hat die Angeklagte gegenüber der Polizei ebenfalls von einem Unfall gesprochen. Allerdings sei der Siebenjährige in dieser Darstellung auf dem Bett herumgehüpft und unglücklich gefallen. Ein offenbar erfundener Tathergang, der nicht zu den Verletzungen des Kindes passt.

Im Anschluss an die Zusammenfassung des Sachverständigen gibt auch der Vater des Jungen heute vor dem Heilbronner Landgericht eine Erklärung ab: Die Darstellung der Angeklagten "verstärkt unseren Schmerz, dass unser Sohn nicht mehr ist. Das macht die Aufarbeitung nur noch schwerer. Das ist kein Geständnis, sondern eine taktische Aussage." Und auch der Anwalt der Eltern hält an dem schon zum Prozessauftakt vorgebrachten Tatmotiv der Angeklagten fest: Diese habe die Sorge gehabt, den Jungen in Zukunft nicht mehr zu sehen und habe ihn aus Verlustangst umgebracht.

Das Urteil soll am Mittwoch, 6. Februar, fallen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare