Firma aus Kreis Schwäbisch Hall

Nach Corona-Skandal: Tönnies übernimmt Betrieb in Crailsheimer 

  • Violetta Sadri
    vonVioletta Sadri
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Der Fleischkonzern Tönnies sorgte mit einer Corona-Masseninfektion für Schlagzeilen. Es kamen Zweifel an den Arbeitsbedingungen auf. Nun übernimmt die Firma einen Betrieb aus Crailsheim.

  • Tönnies sorgte im Juni für einen Riesen-Skandal. In der Fleischfabrik war das Coronavirus ausgebrochen.
  • Mehr als 1400 Beschäftigte waren infiziert.
  • Jetzt hat Deutschlands größter Fleischhersteller eine Firma in Crailsheim im Kreis Schwäbisch Hall gekauft und übernimmt damit auch die Werkvertragsarbeiter.

Deutschlands größter Fleischbetrieb Tönnies hat sich offenbar nach dem Corona-Skandal im Juni erholt und startet jetzt wieder voll durch. Wie die dpa berichtet, übernimmt der Konzern „Lazar“ aus Crailsheim in Baden-Württemberg. In dem Betrieb sollen laut Kartellamt speziell für die Arbeit in Schlachtbetrieben ausgebildete Arbeitskräfte, sogenannte Zerleger, die überwiegend aus Südosteuropa stammen, beschäftigt sein.

Tönnies wollte eine zweite „Lazar“-Firma kaufen, muss jetzt jedoch auf die Übernahme verzichten. Mit der Übernahme hätte Tönnies auch die Arbeitskräfte übernommen und somit seine eigene Marktposition zum Nachteil der Konkurrenten weiter stärken können, teilte das Kartellamt mit. Daraufhin hatte Tönnies die Anmeldung zurückgenommen. Beide Lazar-Standorte beschäftigen 350 Mitarbeiter.

FirmaTönnies Holding ApS & Co. KG
Gründung1971
SitzRheda-Wiedenbrück
Mitarbeiterzahl 16.500

Tönnies übernimmt Firma mit Werkvertragsarbeitern in Crailsheim

Mit dem Kauf der Firma reagiert der Fleischkonzern auf die schärferen Regeln, die nach den Corona-Massenausbrüchen in Fleischbetrieben auf den Weg gebracht wurden. Ein Gesetzesentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sieht vor, dass in der Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung ab dem 1. Januar 2021 keine Werkvertragsarbeiter mehr beschäftigt werden dürfen. Ab dem 1. April dürfen dann auch keine Leiharbeiter mehr in diesen Bereichen arbeiten. Tönnies hatte angekündigt, bis Mitte September die ersten 1000 Werkvertragsarbeiter fest einzustellen.

Erst vor wenigen Monaten sorgte Deutschlands größter Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh für Schlagzeilen. Das Coronavirus machte in dem riesigen Schlachtwerk, das mehr als 15.000 Mitarbeiter beschäftigt, die Runde. Mehr als 1000 Angestellte hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. Der Schlachtbetrieb musste für zwei Wochen geschlossen werden. 7000 Menschen aus dem Kreis Gütersloh mussten in Quarantäne.

Schulen und Kitas schlossen aus Angst vor weiteren Infektionen. Der Skandal führte zu heftigen Diskussionen in der Politik. In Baden-Württemberg sollten daher strengere Regeln für Schlachthöfe eingeführt werden, echo24.de* berichtete darüber. Auch Lebensmittelhändler wie Kaufland und Lidl reagierten auf den Skandal mit der Abschaffung der Werksverträge.

Tönnies hat sich von den Negativ-Schlagzeilen im Juni offenbar erholt und kauft nun eine Firma im Kreis Schwäbisch-Hall.

Crailsheim: Tönnies übernimmt Konzern - zuvor Negativschlagzeilen durch Corona-Ausbruch

Schnell wurde nach einem Schuldigen gesucht - und es wurde einer gefunden: die Firma selbst. Es war unter anderem auch die Rede von einem Superspreader-Event. Untersuchungen ergaben, dass das nur teilweise der Fall war. Laut Spiegel ist der Ursprung der Infektionen auf die Wurstwarenfabrik Westcrown im niedersächsischen Dissen zurückzuführen. Diese liegt knapp 30 Kilometer entfernt von Tönnies. Anfang Mai stellte sich nach angeordneten Massentests bei der Firma Westcrown heraus, dass 94 von 279 Mitarbeitern positiv auf das Coronavirus getestet worden sind.

Daraufhin sollen zwei Tönnies-Mitarbeiter ihren Vorgesetzten erzählt haben, dass sie mit zwei Kollegen aus Dissen bei einem Gottesdienst gewesen waren. Da schätze man das Infektionsrisiko als gering ein. Die Männer arbeiteten weiter, bis das Testergebnis kam: positiv. Forscher gehen davon aus, dass nur einer der Männer das Virus weitergegeben hatte, da sich dies bei den Genomanalysen der Viren herausgestellt hatte. Diese zeigten bestimmte Mutationen, die auch bei anderen Kollegen festgestellt wurden. So ließen sich die Infektionsketten zurückverfolgen.

Die Infizierten, sowie fünf weitere Kollegen aus der Wohnung mussten daraufhin in Quarantäne - es war jedoch schon zu spät. Laut den Forschungsergebnissen hatte das Virus sich über winzige Luftteilchen verbreitet. Eine weitere wichtige Rolle bei der Virusübertragung könnten die Kühlanlagen in Schlachtbetrieben spielen. Diese saugen permanent die Luft ein, um die Raumtemperatur auf zehn Grad Celsius zu halten. Der infizierte Mitarbeiter steckte dadurch auch Kollegen an, die acht Meter von ihm entfernt waren. Das könnte man vielleicht auch als Grund auf die Ausbrüche in den anderen Schlachthöfen übernehmen. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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