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Metzgerei Kühnle sieht sich Tierquälerei-Vorwurf ausgesetzt

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Von: Kathrin Kuna, Michaela Ebert

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Schlachthof Kühnle
Die Aufnahmen von SOKO Tierschutz zeigen erschreckende Bilder aus der Metzgerei Kühnle. © Report Mainz/SOKO Tierschutz

Es sind erschreckende Bilder, die das TV-Magazin „Report Mainz“ kürzlich in der ARD gesendet hat. Rinder werden mit Elektroschockern vorangetrieben, der Schnitt zum Entbluten führt zu einem minutenlagen Todeskampf. Die Metzgerei Kühnle aus Backnang ist mittendrin in den Tierquälerei-Vorwürfen.

21. September, 20 Uhr: Knapp einen Monat nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegenüber des Schlachthofs der Backnanger Metzgerei Kühnle gibt es neue Entwicklungen. Die ARD hatte in einem Bericht der Fernsehsendung Report Mainz über mutmaßliche Missstände im Schlachthof berichtet. Nach einer offiziellen Stellungnahme des diffamierten Betriebs äußern sich nun auch Landrat und Dezernat vor den Kreisräten zur aktuellen Kritik.

Laut Gerd Holzwarth, dem für den Rems-Mur-Kreis zuständigen Dezernaten, habe man nicht tatenlos dabei zugesehen, wie tierschutzrechtliche Maßnahmen nicht oder nur unzureichend umgesetzt wurden. Vielmehr sei man bereits mit einem „gestuften Verwaltungsverfahren“ nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit vorgegangen. Dabei seien schon mehrere Maßnahmen „lange vor den Medienberichten“ in Kraft getreten, wie etwa die Erhebung von Zwangsgeldern oder die Überlegung einer betrieblichen Teilschließung.

Landratsamt betont: „Wir können einen Betrieb nicht einfach gleich zu machen“

Zudem erklärt der örtliche Kreisrat Willi Härtner (Grüne), dass schlichtweg „das Veterinäramt gepennt“ haben müsse. Immerhin ist in einzelnen Ausschnitten der heimliche gemachten Videoaufnahmen ein Mann zu sehen, der mutmaßlich ein Veterinär des Landratsamtes sein könnte. Im Video unterstützt dieser die Schlachthofmitarbeiter beim Eintreiben der Tiere und würde somit seine neutrale Kontrollfunktion missachten.

Zudem mahnt Richard Sigel, Landrat des Rems-Mur-Kreises, im Umgang mit den handelnden Personen fair zu bleiben. Ein nicht benannter Behördenmitarbeiter habe bereits eine schriftliche Ermahnung erhalten. Dennoch wolle das Dezernat „objektiv“ in der Sache vorgehen und den laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht vorweggreifen. Das Landratsamt verweist in diesem Zusammenhang ebenfalls auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel und betont: „Wir können einen Betrieb nicht einfach gleich zu machen“.

Metzgerei Kühnle plant bis Februar 2023 die baulichen Maßnahme umzusetzen

Die Metzgerei Kühnle gab bekannt, den Betrieb bis voraussichtlich Februar 2023 freiwillig ruhen zu lassen. In dieser Zeit sollen die bereits vor den Medienberichten geplanten baulichen Änderungen umgesetzt werden. Zudem schätzt das örtliche Dezernat die aktuelle Situation um die Schweineschlachtung als „deutlich“ verbessert ein, während die Rinderverarbeitung zuletzt noch als „mangelhaft“ bezeichnet wurde.

Metzgerei Kühnle sieht sich Tierquälerei-Vorwurf ausgesetzt

Erstmeldung: Die Metzgerei Kühnle sieht sich heftigen Tierquälerei-Vorwürfen ausgesetzt. Das TV-Magazin „Report Mainz“ von der ARD zeigte unlängst erschreckende Aufnahmen aus Schlachtbetrieben. Mittendrin: Die Metzgerei Kühnle aus Backnang.

Die heimlichen Videoaufnahmen stammen von SOKO Tierschutz und dokumentieren acht Tage in dem Schlachthof. Die Metzgerei Kühnle, die ihren Sitz in Backnang hat, äußert sich in einer Mitteilung zu den Vorwürfen. Die beiden Mitarbeiter seien demnach noch am selben Tag der Ausstrahlung „unter Fortzahlung der Bezüge mit sofortiger Wirkung freigestellt“ worden. Die Schlachtung ist vorerst ausgesetzt.

Missstände bei Metzgerei Kühnle waren dem Amt schon länger bekannt

Doch wie konnte es soweit kommen? Wie aus Recherchen des SWR  hervorgeht, wusste das zuständige Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises bereits seit zwei Jahren von Missständen im Schlachtbetrieb Kühnle. Diese hätten vor allem bauliche Mängel des Zutriebs betroffen, also den Weg der Tiere zur Betäubungsanlage.

Auf Nachfrage bekräftigt eine Pressesprecherin des Landratsamtes, dass das Amt deshalb „in einem umfangreichen tierschutzrechtlichen Verwaltungsverfahren mit Zwangsmitteln eine Beseitigung der Mängel angegangen“ habe. Und weiter: „Wegen Verstößen gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen wurden zudem Ordnungswidrigkeiten angezeigt.“ Doch die bekannten Mängel hätten nicht dafür gereicht, die Schlachtung ganz oder teilweise zu untersagen.

Kühnle Schlachtbetrieb
Dass es bei der Metzgerei Kühnle Missstände gibt, war dem zuständigen Veterinäramt schon länger bekannt. © Report Mainz/SOKO Tierschutz

Metzgerei Kühnle nahm an Programm zur freiwilligen Ausstattung mit Kameras teil

Der Schlachthof habe sich außerdem an einem Programm des Landes zur freiwilligen Ausstattung mit Kameras beteiligt, so das Landratsamt. Das Amt habe allerdings keine rechtliche Handhabe, auf das Material ohne Zustimmung des Betreibers zuzugreifen, erklärt die Pressesprecherin. Wie sinnvoll war also die Teilnahme an dem Programm? „Wenn bei der Sichtung des Videomaterials Verstöße festgestellt wurden, wurden diese seitens des Veterinäramts verfolgt“, heißt es weiterhin. Und: Die Videoaufnahmen, die von SOKO Tierschutz gemacht wurden, „machen auch uns betroffen.“

Landratsamt des Rems-Murr-Kreises erklärt: Amt sei nicht untätig gewesen

Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz spricht in dem Report von „brutaler Gewalt, technischem Versagen, inkompetenten Mitarbeitern und das alles mit bester Überwachung des Amtes, sogar mit den extra geforderten Videokameras dafür.“ Auch die Pressesprecherin des Amtes erklärt: „Die Betäubung an sich war aus unserer Sicht in Teilen optimierungsfähig, aber insgesamt in Ordnung.“

Dennoch sei das Veterinäramt nicht untätig gewesen, so das Landratsamt, sondern habe aufgrund der festgestellten Mängel das amtliche Personal bei der Metzgerei Kühnle „deutlich verstärkt, spezifisch geschult und dessen Präsenz im Betrieb deutlich erhöht“. Und weiter: „Die amtlichen Kontrollen erfolgten risikoorientiert, regelmäßig, aber nicht durchgängig.“ Dies sei weder vorgegeben noch leistbar.

Metzgerei Kühnle gelobt Besserung und zieht Gutachter zu Rate

Der Schlachtbetrieb Kühnle selbst räumt in einer Mitteilung „mögliche Unregelmäßigkeiten beim Zutrieb von Rindern sowie bei der Betäubung einzelner Tiere“ ein. Weiterhin soll ein unabhängiger Gutachter hinzugezogen werden, der zur Aufklärung der Vorwürfe weiterhelfen soll. Auch spricht die Metzgerei davon, seine Mitarbeiter „intensiver schulen“ und „Arbeitsprozesse verbessern“ zu wollen. Der Betrieb ist gerade an der Aufarbeitung der Vorfälle dran und untersucht mögliche Fehler. Sollten diese auch die Firma selbst betreffen, würden „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um solche für die Zukunft mit Sicherheit auszuschließen.“

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