Schlachthof im Jahr 2018 geschlossen

Nach Tierquälerei im Schlachthof - Soko Tierschutz mit schweren Vorwürfen

Seit die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Deutschland vorgedrungen ist, müssen Bauern penibel auf Hygiene im Stall achten. Foto: Sina Schuldt/dpa
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Im Zusammenhang mit dem Tauberbischofsheimer Schlachthof-Skandal will der Verein Soko Tierschutz jetzt Anzeige gegen die Staatsanwaltschaft Mosbach erstatten.
  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Ein Schlachthof in Tauberbischofsheim stand im Jahr 2018 wegen Tierquälerei am Pranger. Nun wurde das Verfahren gegen drei Tierärzte eingestellt. Soko Tierschutz erhebt schwere Vorwürfe. 

Tauberbischofsheim - Was sich im Jahr 2018 in einem Schlachthof in Main-Tauber-Kreis ereignet hat, lässt bis heute das Blut in den Adern gefrieren. Die von Soko Tierschutz heimliche aufgenommene Bilder und Videos gingen vor knapp zwei Jahren viral. Sogar Fernsehmagazin „Stern TV“ zeigte damals die schockierenden Aufnahmen von Rindern, die mit Elektroschockern getrieben und anschließend an den Schlachthaken gehängt wurden, obwohl die Betäubung teilweise sichtbar nicht anschlug. Der Betrieb gehörte zur Firma OSI mit Europa-Sitz in Gersthofen bei Augsburg. Nach Bekanntwerden der Tierquälerei hatten die Behörden die Schließung des Hofs verfügt. Jetzt zwei Jahre nach dem Skandal will die Soko Tierschutz eine Anzeige gegen die Staatsanwaltschaft Mosbach erheben. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen drei Amtstierärzte eingestellt.

In Tauberbischofsheim: Tierquälerei im Schlachthof - Ermittlung gegen drei Tierärzte

Wie echo24.de bereits berichtete, beschäftigte der Fall der Tierquälerei im Tauberbischofsheimer Schlachthof die Behörden über einen längeren Zeitraum. Im Jahr 2019 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen 25 Personen. Darunter drei Tierärzte des zuständigen Landratsamtes sowie Schlachter und andere Mitarbeiter, die mit den Tieren in direktem Kontakt waren. Laut swr.de wurde das Verfahren gegen die Tierärzte nun eingestellt.

Daraufhin reichte die Soko Tierschutz eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft in Karlsruhe ein und scheiterte. Davon lassen sich die Tierschutzaktivisten aber nicht entmutigen. „Was dieser Staatsanwalt sich da geleistet hat, das grenzt für uns an Rechtsbeugung. Und das muss überprüft werden. Auch Strafverfolgungsbehörden in Deutschland sind nicht frei vom Gesetz“, sagt der Vereinsvorsitzende Friedrich Mülln dem SWR Studio Heilbronn gegenüber.

In Tauberbischofsheim: Tierquälerei im Schlachthof - Tierärzte sahen einfach weg

Über die damaligen Zustände im Tauberbischofsheimer Schlachthof ist der Vorsitzenden immer noch entsetzt. Aufgrund dessen macht ihm die gescheitere Beschwerde in Karlsruhe und die Einstellung des Verfahrens gegen die drei Amtstierärzte zu schaffen, wie swr.de weiter berichtet. Denn schließlich hätten die Tierärzte des Main-Tauber-Landkreises tatenlos bei der Tierquälerei zugesehen und nichts dagegen unternommen, so Mülln.

Die Zustände im Schlachthof Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis), wie beispielsweise das Töten von Rindern ohne Betäubung, sorgten Anfang 2018 für einen Aufschrei und schließlich für die Schließung des Schlachthofs. (Symbolbild)

Unbegreiflich seien auch die Gründe, aus denen die Beschwerde scheiterte. Man habe dem Soko-Tierschutz Verein von Anfang an das Recht abgesprochen, Beschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Mosbach einzulegen. „Und zum anderen hat man sich ganz der Meinung der Staatsanwaltschaft Mosbach angeschlossen und die heißt ja: Der Staat kann sich im Schlachthof ohnehin nicht durchsetzen, also kann man die staatlichen Überwacher auch nicht zur Rechenschaft ziehen“, erklärt Mülln. Was genau könnte das für die Zukunft aller Tiere in Schlachthöfen bedeuten?

Nach Tierquälerei in Tauberbischofsheim: Ähnliche Zustände im Schlachthof Gärtringen

Wenn die besagten Tierärzte nicht zur Rechenschaft gezogen werden, könnte das andere Veterinäre dazu animieren, es mit dem Tierschutz nicht so genau zu nehmen, führt der Tierschützer seinen Gedankengang weiter aus. Und die Folgen machen sich bereits bemerkbar. Denn im August hat Soko Tierschutz ähnliche Zustände im Schlachthof Gärtringen (Kreis Böblingen) aufgedeckt, echo24.de berichtete bereits darüber.

„Wenn das Quälen von Tieren in Tauberbischofsheim keine Folgen hatte, dann können die das jetzt in Gärtringen in Sicherheit weiterhin tun, weil sie wissen, das hat dann auch keine Folge“, so der Vereinsvorsitzende. Aus diesem Grund will der Tierschutzverein nicht einfach aufgeben und kämpft weiterhin gegen die Tierquälerei und die Rechte der Tiere.

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