Verbesserung dringend notwendig

"SWR"-Analyse: So erschreckend schlecht ist die Notfallversorgung in einigen Orten der Region

+
Rettungswagen sind in den Landkreisen Heilbronn und Hohenlohe viel zu oft nicht schnell genug vor Ort.
  • schließen

Ein Ort im Landkreis Hohenlohe kommt besonders schlecht weg. Hier braucht ein Rettungswagen im Schnitt länger als es per Gesetz festgelegt ist.

Bei medizinischen Notfällen sind nach einer Analyse des "Südwestrundfunks" (SWR) hunderte Gemeinden in Baden-Württemberg unterversorgt. Demnach brauchen Rettungsdienste auch in vielen Orten der echo24.de-Region zu lange zum Einsatzort.

Nach gesetzlichen Vorgaben soll ein Rettungswagen in Baden-Württemberg innerhalb von 15 Minuten am Notfallort eintreffen. Der Untersuchung des "SWR zufolge" brauchten Rettungsdienste im Jahr 2017 jedoch in 762 von 1098 untersuchten Gemeinden in Baden-Württemberg regelmäßig länger. Die aus medizinischer Sicht wünschenswerte Eintreffzeit von 10 Minuten wurde demnach sogar in 840 Gemeinden zu oft nicht erreicht.

Diese Gemeinden sind von der medizinischen Unterversorgung betroffen

In der echo24.de-Region betrifft die medizinische Unterversorgung unter anderem Gundelsheim, Schwaigern, Neudenau, Obersulm, Wüstenrot, Waldenburg, Dörzbach und Forchtenberg. Hier war der Rettungswagen bei unter 80 Prozent aller Notfälle im Jahr 2017 nicht innerhalb der vorgeschriebenen 15 Minuten vor Ort.

Schaut man sich die Detailanalyse des "SWR" zum Beispiel für Gundelsheim an, so lautet das Urteil "strukturell unterversorgt". Zwar habe es im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung gegeben. Dennoch war der Rettungsdienst in nur 16 Prozent aller Fälle innerhalb von zehn Minuten vor Ort.

Landkreis Hohenlohe noch extremer betroffen

Noch schlimmer sieht es allerdings in Hohenlohe aus. In Waldenburg beispielsweise schaffte es der Rettungsdienst in nur drei Prozent aller Fälle, in wünschenswerten zehn Minuten zum Einsatzort.

Im Durchschnitt brauchte ein Rettungswagen 2017 15:01 Minuten zum Einsatzort - also knapp mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Zeit. Damit hat sich die Versorgung im Vergleich zum Vorjahr sogar noch verschlechtert.

Erschreckende Notfallversorgung: Rettungsdienste schlagen längst Alarm

Die Defizite sind längst bekannt. Schon länger wertet der "SWR" die Notfalldaten akribisch aus. Auch Rettungsdienste selbst schlagen nicht erst jetzt Alarm.

Sie machen vor allem eine unzureichende Infrastruktur für die Unterversorgung verantwortlich. Besonders in ländlichen Gebieten fehle es an Rettungswachen in der Nähe. Die Folge seien lange Anfahrtswege bei Notfällen.

Wie sieht die Notfallversorgung in meiner Gemeinde aus?

Dem SWR-Bericht zufolge sieht Baden-Württembergs Innenministerium "dringenden Handlungsbedarf". Im Land gibt es den Angaben zufolge 34 Zuständigkeitsbereiche für Rettungsdienste. Dort müssten Maßnahmen für Verbesserungen ergriffen werden, hieß es demnach vom Ministerium.

Für seine Analyse wertete der "SWR" Statistiken des Rettungsdienstes im Südwesten mit Einsatzzeiten von Rettungswagen und Notärzten aus. Insgesamt wurden Daten von 3.400 Gemeinden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ausgewertet. Wie die Notfallversorgung in eurem Wohnort aussieht, könnt ihr auf der Themenseite des "SWR" herausfinden.

dpa/jt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare