1000 Euro für Ein-Zimmer-Wohung

Wucher-Mieten in der Region: Das können Mieter tun!

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
    schließen

In Stuttgart wollte ein Vermieter 1.000 Euro für eine Ein-Zimmer-Wohnung. Doch was können Mieter gegen solche Preise tun?

  • Auf Facebook postete ein Vermieter eine Anzeige für eine Ein-Zimmer-Wohnung.
  • Die Miete: 1.000 Euro.
  • Ein Verstoß gegen die neue Mietpreisbremse.

Stuttgart: Das können Mieter bei Wucher-Mieten tun

1.000 Euro für eine Ein-Zimmer-Wohnung in Stuttgart, das gibts doch gar nicht? Gibt es doch, und zwar in Stuttgart Süd. Eine entsprechende Anzeige postete ein Vermieter auf Facebook und erntete darauf erzürnte Reaktionen der Facebook-Nutzer, die die Miete für die 33 Quadratmeter Wohnung viel zu hoch fanden.

Nach wenigen Minuten war die Anzeige dann auch schon wieder verschwunden, der Vermieter hatte diese aufgrund der Reaktionen wieder gelöscht. Eine Anfrage von StN.de, warum er die Miete so hoch angesetzt hatte, blieb unbeantwortet.

Stuttgart: Mietpreisbremse hilft den Mietern

Auch bei Rolf Gaßmann vom Mieterverein Stuttgart stößt die Anzeige auf wenig Verständnis, doch dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. "Das liegt daran, dass Vermieter schlichtweg das nehmen, was der Markt hergeben kann und der gibt durch die Wohnungsnot viel her", erklärt Gaßmann. 

Das Gute: Anfang Juli ist in einigen Regionen in Baden-Württemberg dieneue Mietpreisbremse in Kraft getreten. Seit dem dürfen Vermieter in 89 Städten und Gemeinden, in denen der Wohnungsmarkt als angespannt gilt, bei Neuvermietungen maximal zehn Prozent mehr verlangen als ortsüblich ist.

Stuttgart: Mieter können Geld zurückfordern

Vor rund einem Monat hatten Mieter also noch relativ wenig gegen solche Wucher-Mieten in der Hand. Gaßmann betont, dass sich das nun geändert hat: "Wenn der Vermieter gegen die Mietpreisbremse verstößt, können Mieter die Herabsetzung der Miete einfordern."

Was aber, wenn sich der Vermieter weigert? "Dann gibt es zwei Möglichkeiten", sagt Gaßmann. Der Mieter kann das Geld, das er zu viel bezahlen würde einbehalten. "Das kann aber eventuell eine Klage des Vermieters nach sich ziehen." Die Alternative: Der Mieter klagt selbst! Zudem können Mieter das zu viel gezahlt Geld zurückfordern.

Stuttgart: Keine Strafen für Vermieter

Denn: "Solche Mietpreise sind illegal", erklärt Gaßmann mit Bezug auf die Anzeige auf Facebook. Hier könnten je nach Lage zwischen 8 und 12 Euro plus die zehn Prozent für den Quadratmeter veranschlagt werden. Allerdings droht den Vermietern bei Verstößen gegen die Mietpreisbremse keine Strafe

Seit Juni gilt in Baden-Württemberg die neue Mietpreisbremse.

"Es wäre natürlich toll, wenn man direkt zum Ordnungsamt gehen könnte, um auf solche Wohnungsanzeigen hinzuweisen", sagt Gaßmann. Diese Regelung gibt es jedoch seit rund 15 Jahren nicht mehr. "Damals war der Wohnungsmarkt relativ entspannt, weshalb – um gegen solche Preise vorgehen zu können – ein Nachweis verlangt wurde, dass keine andere vergleichbare Wohnung in der Umgebung verfügbar war."

Stuttgart: Blick auf den Mietspiegel kann helfen

Ein weiteres Problem ist, dass bei möblierten Wohnungen oft ein heftiger Aufschlag verlangt wird: "Viele Vermieter glauben, dass die Mietpreisbremse nicht mehr gilt, wenn sie Ikea-Möbel in die Wohnung stellen. Das ist natürlich Quatsch." Zwar gibt es einen Möblierungszuschlag dieser dürfe aber nicht zu Wucher-Mieten führen. Doch wie hoch darf der Zuschlag sein? "Dies lässt sich aus der Benutzungsdauer der Möbel von zehn Jahren errechnen", sagt Gaßmann.

Die ortsüblichen Preise können Mieter beispielsweise durch den qualifizierten Mietspiegel herausfinden. Für Stuttgart ist der auf der Homepage der Stadt zu finden. Auch für Heilbronn gibt es einen solchen Mietspiegel, in dem Wohnungen nach Lage, Baujahr und Ausstattung preislich eingeschätzt werden.

Rubriklistenbild: © Franz-Peter Tschauner/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema