Von Stuttgart nach Belgien

US-Truppenabzug in Stuttgart: Könnte Umsetzung doch ganz entfallen?

  • Olaf Kubasik
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  • Tobias Becker
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  • Jason Blaschke
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Stuttgart: Die Ankündigung eines US-Truppenabzugs könnte auf riesiger Fläche Wohnraum schaffen. Jetzt gibt es neue Ankündigungen, aber auch ein Fragezeichen!

  • Der US-Truppenabzug aus Deutschland könnte neuen Wohnraum in Stuttgart schaffen.
  • Der Stuttgarter Mietverein fordert von Oberbürgermeister Fritz Kuhn eine klare Haltung.
  • Doch der US-Truppenabzug scheint sich langfristig zu verzögern. 

US-Truppenabzug in Stuttgart: Kommandozentrale soll nach Belgien - Wohnraum bald verfügbar?

Update, 29. Juli: Jetzt könnte es doch fix gehen, mit dem neuen Wohnraum in Stuttgart, denn: Die Kommandozentrale für die US-Truppen in Europa soll von Stuttgart nach Mons in Belgien verlegt werden. Das kündigte der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Walters, am Mittwoch in Washington an. 

Hinzu kommt, dass eventuell auch die Afrika-Kommandozentrale aus Stuttgart an einen Ort verlegt werde, der laut Walters noch bestimmt werden müsse. Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Mark Esper angekündigt, dass die Zahl der US-Truppen in Deutschland um ein Drittel reduziert werden soll. 

Von den rund 36.000 Soldaten sollen 6.400 in die USA zurückgeholt werden, weitere 5.600 sollen in andere Nato-Länder verlegt werden. Bislang hatte die US-Regierung von einem Abzug von rund 10.000 Soldaten in Deutschland gesprochen.

Der Wohnraum in Stuttgart ist knapp. Ob hier ein US-Truppenabzug Abhilfe schaffen kann?

US-Army Abzug aus Stuttgart: Umsetzung kann noch dauern - oder ganz entfallen!

Zur Umsetzung des geplanten - und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen - Teilabzugs dürfte aber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Im US-Kongress hat sich bereits bei Trumps Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Der Plan wird dort vor allem kritisch gesehen, weil er das Verteidigungsbündnis Nato schwächen und Russland in die Hände spielen könnte. 

Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es daher Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Zudem bewirbt sich Trump im November um eine zweite Amtszeit. Falls er die Wahl verlieren sollte, könnte der neue Präsident die Pläne auf Eis legen.

Stuttgart: Schaffung von Wohnraum wegen US-Truppenabzug verzögert sich

Update vom 24. Juni: Der Stuttgarter Mieterverein muss sich wohl noch ein Weilchen gedulden. Grund: Der Abzug der US-Truppen aus Deutschland und somit auch aus Stuttgart verzögert sich. Und damit auch die Schaffung möglichen neuen Wohnraums in der Landeshauptstadt auf einer Fläche von 184 Hektar. Aus Kreisen der US-Regierung heißt es über den Abzug der etwa 10.000 Soldaten: "Es sei voreilig, einen Zeitpunkt zu nennen."

Das US-Verteidigungsministerium zieht anscheinend mehrere Möglichkeiten in Betracht, wie der von Präsident Donald Trump angeordnete Abzug auch aus Stuttgart umgesetzt werden kann. Auch eine finale Entscheidung, wo genau die Soldaten hinkommen sollen, gebe es noch nicht. In Deutschland sind momentan noch rund 35.000 US-Soldaten stationiert - in Baden-Württemberg die meisten neben Stuttgart in der Region um Mannheim.

Stuttgart: Mehr Wohnraum durch US-Truppenabzug? Es geht um große Flächen

Erstmeldung vom 19. Juni: Die USA wollen einen Teil ihrer Soldaten aus Deutschland abziehen. Und die Ankündigung aus Washington weckt bei einigen Stuttgartern Begehrlichkeit. Grund: Die stationierten US-Streitkräfte im Raum Stuttgart haben mit ihren Kasernen und Truppenunterkünften eine mächtige Fläche inne. Mehr als 100 Hektar Flächen, die vielleicht bald für den Wohnungsbau zur Verfügung steht.

Unterm Strich geht es um insgesamt 184 Hektar potenziellen Wohnraum in der Landeshauptstadt, den insbesondere der Stuttgarter Mietverein anvisiert. Es sei "die einmalige Chance, den bestehenden und auch zukünftigen Wohnungsbedarf für die wachsende Metropole Stuttgart befriedigen zu können", schreibt der Mietvereinsvorsitzende Rolf Gaßmann in einem Brief an Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Mehr Wohnraum durch US-Truppenabzug: Soldaten sollen vorrangig aus Stuttgart weg

184 Hektar Fläche: Das ist mehr als doppelt so viel Grund wie im Stuttgarter Rosensteinareal, wo 7.500 neue Wohnungen entstehen sollen. Insofern ist ein US-Truppenabzug für den angespannten Wohnungsmarkt in Stuttgart womöglich ein Segen. Nicht zuletzt deshalb fordert Gaßmann, dass sich Kuhn bei der amerikanischen Regierung und deren Militärbehörden für einen vorrangigen Truppenabzug aus der Region Stuttgart einsetzt.

Gaßmann: "Eine Kaserne ist besser in einer strukturschwachen Region aufgehoben als in einer Metropole, wo der Platz wirklich knapp ist." Das erklärt Gaßmann gegenüber der Stuttgarter Zeitung zum US-Truppenabzug, der für Stuttgart eine große Chance sein könnte. Insgesamt geht es im Raum Stuttgart um drei US-Garnisonen mit 25.000 US-Soldaten, Zivilangestellten und befristeten Mitarbeitern - inklusive Familien.

Stuttgart: Besonders ein Stützpunkt der US-Truppen ist im Visier des Mietvereins

Besonders eine der insgesamt drei US-Garnisonen in Stuttgart steht im Visier des Mietvereins. Dabei dreht es sich um die Robinson-Barracks-Garnison, wo man auf 65 von insgesamt 184 Quadratmetern mehr Wohnraum für Stuttgart schaffen könnte. Einen Teil von diesem Gelände hatten die US-Streitkräfte bereits abgegeben. Gut 200 Wohnungen und Einfamilienhäuser sind darauf entstanden.

Ob die US-Truppen noch mehr Fläche für dringend benötigten Wohnraum in Stuttgart abgeben, ist ungewiss. Auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung heißt es von der US-Garnison: "no comment" - kein Kommentar. Ähnlich äußert sich Stuttgarts Oberbürgermeister Kuhn zur Sachlage. Er hält von derartigen Gedankenspielen nichts. Weil noch nicht ganz klar ist, inwieweit US-Flächen tatsächlich zum Kauf stehen.

Wohnraum durch US-Truppenabzug: Stuttgarts Oberbürgermeister mit klarer Meinung

Der Einfluss des US-Truppenabzugs aus Deutschland auf Stuttgarts Wohnraum bleibt vor allem eins: Spekulation. Kuhn: "Und an Spekulationen will ich mich nicht beteiligen." Werden aber tatsächlich Kasernen in Stuttgart frei, fallen die entsprechenden Grundstücke zunächst an die Bundesanstalt für Immobilienfragen. Die wiederum kann Kommunen die Flächen als "bevorzugten Direkterwerb" anbieten.

Heißt: Nur weil Flächen in Stuttgart frei werden, fallen sie nicht direkt an die Stadt. Insofern würde sich das Projekt "Wohnraum auf ehemaligem US-Gelände" ohnehin hinziehen. Es wäre jedenfalls keine schnelle Lösung für die Wohnraum-Not in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg. Auf lange Sicht könnte sich aber der Wohnungsmarkt in Stuttgart entspannen.

Neuer Wohnraum in Stuttgart: Mietverein mit klaren Vorstellungen und Prognosen

Das bekräftigt neben Gaßmann auch Angelika BrautmeierGeschäftsführerin des Mietervereins in Stuttgart. Gaßmann: "Jede Wohnung, die nicht so teuer auf den Markt kommt, ist für den Stuttgarter Wohnungsmarkt gut." Fraglich bleibt, ob neuer Wohnraum in Stuttgart tatsächlich "billig" auf den Markt kommen kann. Hintergrund: Gerade in Stuttgart ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum groß.

Alternativen oder Lösungsansätze scheinen in weiter Ferne. Aber immerhin: Auch in Stuttgart ist ein Kapsel-Hotel geplant, dass zwar kein dauerhafter Wohnraum, dafür aber eine "smarte Lösung" ist. Hinzu kommt, dass mangelnder Wohnraum das eine, steigende Mietpreise in Baden-Württemberg das andere Problem sind. Ob ein US-Truppenabzug hier nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist? 

Rubriklistenbild: © Pixabay

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