Kurzreisen im Homeschooling

Eisenmann-Machtwort: Keine Urlaubsreisen im Fernunterricht! 

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Stuttgart nutzen einige Schüler die neuen Freiheiten im Fernunterricht für Kurzreisen innerhalb Deutschlands. Kultusministerin Susanne Eisenmann ist empört.

  • Vereinzelt machen sich Schüler aus Stuttgart die Freiheiten im Fernunterricht zunutze und gehen auf Kurzreisen.
  • Kultusministerin Susanne Eisenmann spricht sich ganz klar gegen Kurzreisen in der Nicht-Ferienzeit aus.
  • Das Zeugnis muss jeder Schüler in Stuttgart in der Regel persönlich in der Schule entgegennehmen.

Stuttgart: Schüler machen in Zeiten von Fernunterricht Kurzreisen

Das Schuljahr geht langsam zu Ende, alle Klassenarbeiten sind geschrieben und der Präsenzunterricht in der Schule findet in der Regel an nur zwei Tagen pro Woche statt. Ansonsten lernt ein Großteil der Stuttgarter Schüler im Homeschooling zu Hause, per Videokonferenz oder mit zugeschickten Materialien der Lehrer

Warum also zu Hause bleiben, wenn doch Reisen trotz Coronavirus wieder möglich sind? Das dachten sich wohl auch einige Schülergruppen in Stuttgart und nutzen die neue Freiheit des Fernunterrichts kurzerhand für Kurzreisen innerhalb Deutschlands. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten in Berufung auf interne Informationen.

Kurzurlaub trotz Fernunterricht: Stuttgarter Schüler nutzen neue Freiheiten

Und wer kann schon kontrollieren, ob die zweistündige Videokonferenz von einer Jugendherberge in Berlin oder einem Hotel in Hamburg verfolgt wird? Gerade dieser Gedanke dürfte die Stuttgarter Schüler noch darin bestärkt haben, ihren Fernunterricht mit einer kurzen Reise angenehmer zu gestalten.

Ralf Scholl, Landesvorsitzender des Philologenverbandes, ist die Entwicklung nicht unbekannt. Auch er habe von einer Schule mitbekommen, dass eine Familie schon am Wochenende vor der letzten Schulwoche in die Ukraine fliegen wollte. Offenbar hatte der betreffende Schüler angefragt, ob er sein Zeugnis auch in Abwesenheit erhalten könne.

Daraufhin flog das Vorhaben auf. Scholl: "Durch dasrollierende Schulsystem in Baden-Württemberg sind die meisten Schüler ja nur jede zweite oder sogar dritte Woche persönlich an der Schule." Das führe wiederum dazu, dass an vielen Schulen einzelne Schüler die Zeit für Kurzreisen innerhalb Deutschlands nutzen.

Machtwort von Kultusministerin Eisenmann: Keine Urlaubsreisen im Fernunterricht

Dass Schüler in Zeiten von Coronavirus-bedingtem Fernunterricht Kurzreisen unternehmen, stößt im Kultusministerium auf Unverständnis. Auf Anfrage der Stuttgarter Nachrichten zu Kurzreisen im Fernunterricht erklärt ein Ministeriumssprecher: "Die Phasen des Fernunterrichts sind nicht dazu gedacht, dass Schüler verreisen."

Anderer Meinung ist Elisabeth Schilli, Pressesprecherin des Landesschülerbeirats, die selbst noch Schülerinist. Sie könne verstehen, dass nach Wochen des Homeschoolings die Luft raus ist. Schilli: "Theoretisch ist es egal, ob ich meinen Fernunterricht vom eigenen Schreibtisch oder von woanders verfolge."

Kurzurlaub trotz Fernunterricht: Das könnte Kurzreise-Schülern drohen

Von Stuttgarter Schülern, die während des Fernunterrichts Kurzreisen unternehmen, habe Schilli ohnehin nichts mitbekommen. Schilli: "Ich kann nur bestätigen, dass die Luft nach diesem Schulhalbjahr wirklich raus ist." Im Gegenteil: Viele Schüler könnten es kaum erwarten, dass es wieder mehr Präsenzunterricht gibt.

Auch das Thema "eigenmächtige Ferienverlängerung" kommt in Zeiten der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg immer häufiger zur Sprache. Grundsätzlich gilt: Beurlaubungen sind nur in Ausnahmefällen möglich. Zum Beispiel, wenn ein Schüleraustausch oder die Teilnahme an einem Wettbewerb es erfordert

Eine persönliche Urlaubsreise ist kein dringender Grund. Diese Regel gilt auch im Fernunterricht. Das heißt: Wenn Schüler in der Nicht-Ferienzeit ohne Beurlaubung eine Kurzreise unternehmen, kann das unter Umständen gegen das Schulgesetzverstoßen. In diesem Fall könnten die Eltern Post von der zuständigen Bußgeldbehörde bekommen.

Stuttgart: Schüler müssen Zeugnis persönlich in der Schule abholen

Die Eltern haben dafür zu sorgen, dass ihre Kinder am Unterricht und allen Schulveranstaltungen teilnehmen, erklärt das Kultusministerium. Das Problem: Wenn Schüler am Unterricht, zum Beispiel per Videochat, teilnehmen, verstoßen sie eigentlich nicht gegen das Schulgesetz. Sie haben ja am Unterricht teilgenommen, nur eben nicht von zu Hause aus.

Das Zeugnis müssen die Schüler in der Regel persönlich entgegennehmen. Auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie?

Kurzreisen in der Nicht-Ferienzeit: Verboten oder rechtliche Grauzone? Diese Fragen lässt sich nicht eindeutig beantworten. Klar ist nur, dass auch der Fernunterricht als regulärer Unterricht gilt und als solcher wahrgenommen werden muss. Die Zeugnisausgabe ist übrigens nicht von staatlicher Seite festgelegt, sondern jeder Schule selbst überlassen.

Die meisten Schulen setzen allerdings eine Anwesenheit voraus. Entweder mit Mindestabstand oder die Zeugnisausgabe wird gestaffelt durchgeführt. Das die Schulen inStuttgart das Zeugnis per Post oder in Abwesenheit herausgeben, ist nicht bekannt. Es wäre aber sicher von Vorteil, zur Zeugnisausgabe im Land zu sein.  

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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