Gewalt-Exzess soll keine Überraschung gewesen sein

Nach Randale in Stuttgart: Polizei kritisiert Stadt scharf - Verwaltung nimmt Stellung

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
    schließen
  • Violetta Sadri
    Violetta Sadri
    schließen

Waren die Randale von Stuttgart zu verhindern? Laut der Deutschen Polizeigewerkschaft habe die Stadtverwaltung tatenlos zugesehen. Die Verwaltung weist die Vorwürfe zurück.

  • Laut Deutscher Polizeigewerkschaft seien die Randale in der Innenstadt von Stuttgart absehbar gewesen.
  • Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Problemen mit gewaltbereiten Jugendlichen.
  • Stadtverwaltung von Stuttgart soll Ausbruch der Randale nicht ausreichend entgegengewirkt haben.

Nach Randale in Stuttgart: Stadt nimmt Stellung zu Vorwürfen der Polizei

Update vom 25. Juni, 14 Uhr: Nach der Krawall-Nacht in Stuttgart kritisiert die Polizeigewerkschaft die Stuttgarter Stadtverwaltung. Zu Ausschreitungen dieser Art wäre es früher oder später sicher gekommen. Das hätte sich schon seit längerer Zeit angedeutet, erklärte der Ralf Küsterer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft gegenüber der dpa. 

Die Stadt Stuttgart weist jetzt jedoch jegliche Vorwürfe zurück. Ein Sprecher der Stadt nahm am Donnerstag Stellung dazu: "Niemand hatte vor dem Wochenende Hinweise, dass es zu Krawallen mit dieser gewaltigen Dimension kommen könnte", berichtet stuttgarter-nachrichten.de.

Weiter hieß es seitens der Stadt, dass die Verwaltung stets auf Basis der Lageeinschätzung der Polizei agiere. Nun werde der Blick gemeinsam nach vorne gerichtet. Um Ausschreitungen wie die am vergangenen Samstag in Zukunft zu verhindern, soll eine Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei helfen. 

Stuttgart: Polizei mit Vorwürfen nach Randalen - hat die Stadt versagt?

Erstmeldung vom 25. Juni, 8.30 Uhr: Auch knapp eine Woche nach der Randale-Nacht in der Stuttgarter Innenstadt sitzt der Schock noch tief. Doch nun sorgen deutliche Worte der Deutschen Polizeigewerkschaft für Aufsehen. Die Behauptung: Eine solche Gewalt-Eskalation im Zentrum der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg sei absehbar gewesen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht die Fehler im Vorfeld der Gewalt am vergangenen Wochenende ganz klar bei der Stuttgarter Stadtverwaltung.

Ralf Kusterer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, macht der Stadt Stuttgart im Zusammenhang mit den Randalen, die laut Augenzeugen zu "kriegsähnlichen Zuständen" im Zentrum geführt haben sollen, schwere Vorwürfe. Laut dpa erklärt Kusterer, dass im Stuttgarter Rathaus niemand über die Randale in der Nacht zu Sonntag überrascht gewesen sein müsste. Schließlich hätten sich die Ausschreitungen schon seit längerer Zeit angedeutet.

Stuttgart: Schon lange Probleme mit gewaltbereiten Jugendlichen in der Innenstadt

Probleme besonders mit "jugendlichen und heranwachsenden Tätern mit überwiegendem Migrationshintergrund" hätten die Polizei in den vergangenen Wochen vermehrt beschäftigt und seien der Stadtverwaltung von Stuttgart seit Langem bekannt gewesen. Am langen Pfingstwochenende etwa wurden Polizisten bei Corona-Einsätzen in der Stuttgarter Innenstadt von Hunderten Menschen bedroht, es flogen auch Flaschen in Richtung der Beamten. 30 Streifenwagen waren dabei allein am Pfingstsamstag im Zentrum von Stuttgart im Einsatz.

Kusterer: "Die Problem-Szene versammelt sich dort auf öffentlichen Grünflächen, um nahezu ungehindert auch Drogen und Alkohol zu konsumieren." Dies sei vor allem rund um den Eckensee im Stadtkern von Stuttgart der Fall, wo die Ausschreitungen und die Gewalt gegen die Polizei am vergangenen Wochenende ihren Anfang genommen haben.

An den Krawallen in der Stuttgarter Innenstadt sollen am vergangenen Wochenende mehr als 400 Menschen beteiligt gewesen sein.

Laut Kusterer sei diese Szene äußerst aggressiv und respektlos, bedrohe Polizisten und habe mit dem Stuttgarter Event-Publikum überhaupt nichts zu tun. Forderungen der Polizei nach einer Durchsetzung des Grünflächenverbots seien von der Stadtverwaltung ignoriert worden. "Über die Platzverweise der Polizei macht sich das Problem-Klientel nur lächerlich." Seit Jahren sei zudem eine nächtliche Ausleuchtung des Parks aus polizeilicher Sicht geboten.

Die Polizei sei da erst in zweiter Linie gefordert, sagte Kusterer. "Wer dabei der Polizei Steine in den Weg legt und nicht mit allen Möglichkeiten versucht, Rechtsgrundlagen und Möglichkeiten zu schaffen, damit die Polizei handeln kann, hat entweder die Situation nicht im Griff oder hat aus dogmatischen, politischen Anschauungen heraus einfach nichts getan." Aktuell ist seitens der Stadt Stuttgart im Gespräch, zumindest an den Brennpunkten im Zentrum Alkoholverbote und Videoüberwachung einzuführen.

Rubriklistenbild: © Foto: Silas Stein/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema