Menschen randalieren und plündern in Stuttgart

Ein Kommentar: Skandal-Nacht von Stuttgart - es bleiben viele Fragezeichen!

In Stuttgart kam es in der Nacht auf Sonntag zu starken Ausschreitungen und Randalen.

• In Stuttgart eskalierten hunderte Menschen in der Nacht auf Sonntag.
• Eine Polizeikontrolle wegen eines Drogendelikts könnte der Auslöser gewesen sein.
• Die Skandal-Nacht von Stuttgart wirft viele Fragen auf.

Es ist Sonntag. Der Sommer hat nun auch kalendarisch begonnen. Draußen ist kaum was los, die Sonne scheint. Das Frühstück mit der Familie war sorgenfrei, ruhig. Bei vielen von Ihnen wahrscheinlich genauso. Und dennoch ist an diesem Sonntag alles anders. Denn: Während ich noch friedlich mein Marmeladenbrötchen schmierte, war von Frieden in Stuttgart nicht mehr viel übrig. 

Ein Kommentar: Skandal-Nacht von Stuttgart - es bleiben viele Fragezeichen!

Ein Mann schlägt mit einem stangenähnlichen Gegenstand die Scheiben eines Polizeiautos ein. Stühle und Steine fliegen durch die Gegend. Überall ist Blaulicht. Ein junger Mann wirft etwas auf ein Polizeiauto, das vorbeifährt. Ein Anderer springt mit ausgestreckten Beinen in einen Polizisten. Es war eine Skandal-Nacht, eine Horror-Nacht, die sich in Stuttgart abspielte. Ein Polizeisprecher sprach davon, dass die "Lage außer Kontrolle" sei. 

Während ich den Morgen mit meiner Familie genossen habe, erhielt auch die Kontrolle in Stuttgart wieder Einzug. Aber: Es hängt ein düsterer Schatten über der Stadt. Und über vielen von uns auch. Warum eskalierte die Situation nach einer Polizeikontrolle wegen eines Drogendelikts in diesem Maße? Warum randalieren "hunderte" Menschen in der Innenstadt? Warum schlagen sie Scheiben ein, reißen Pflastersteine raus und beschädigen Autos?

Randale in Stuttgart - gibt es keine andere Möglichkeit?

Es sind Bilder, die wir aus Südamerika kennen. In Ecuador, Argentinien, Venezuela - da sahen wir die Szenen im Fernsehen. Ein Mann schwenkt die Flagge seines Landes inmitten eines Trümmerhaufens. Im Hintergrund brennt es. In den USA ziehen viele Menschen auf die Straßen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd. Es ist ein Schrei nach Gerechtigkeit. Sie äußern ihren Unmut über die herrschenden Gegebenheiten im Land - und sehen keine andere Möglichkeit mehr. 

In Frankreich, in osteuropäischen Ländern und auch in anderen Teilen der Welt - wir kennen solche Demonstrationen aus dem TV und den Medien. Wir müssen nicht einmal in andere Länder schauen, sondern uns an 2017 in Hamburg erinnern. Doch auch Hamburg ist rund 600 Kilometer entfernt. Keinen Steinwurf wie Stuttgart. 

Nach Skandal-Nacht von Stuttgart: Die Suche nach Gründen!

Es rattert in meinem Kopf, es ist ein Gefühl der Rastlosigkeit und der Ratlosigkeit in meinem Magen, eine Mischung aus Angst und Neugierde... Ich will wissen, was diese Menschen dazu getrieben hat, aufzuschreien. Ich will wissen, warum sie gleich gewaltbereit durch die Straßen ziehen. Ich möchte wissen, was die Geschäfte dafür konnten - und deren Ladenbesitzer, die nun die Scherben aufsammeln. 

Nach den Krawallen in Stuttgart müssen viele Ladenbesitzer den Scherbenhaufen aufsammeln.

Gab es einen Grund? Einen Grund, den außer den Anwesenden auch andere Menschen begreifen? Oder war es blinde Zerstörungswut. Wollten die Menschen, unter denen wohl auch viele junge Personen waren, ihren Unmut äußern - und haben sie den Glauben in unser System verloren, da sie auf Gewalt zurückgreifen, statt zu reden? 

Eine Polizeikontrolle darf nicht der Grund für die Ausschreitungen in Stuttgart sein!

Vielleicht wurde ja genug geredet. Vielleicht ist es auch gut, dass das eine Generation ist, die wohl nicht nur nickt und Ja sagt. Was dann passieren kann, kennen wir aus der Geschichte. Aber haben wir keine anderen Mittel, als fremdes Eigentum zu beschädigen? Laufe ich zu meinem Nachbarn und schlage die Scheiben seines Wohnzimmers eins, weil mein Internet mal wieder nicht funktioniert, obwohl ich seit Jahren bei den Telefonanbietern um Hilfe bitte? 

Ich glaube nicht, dass sich die Randalierer groß Gedanken gemacht haben über die Aktion. Es scheint fast wie eine spontane Kurzschlussreaktion, die vielleicht auf zu viel aufgestautem Frust basiert. Wir brauchen ein Ventil. Vor allem aber wieder mehr Vernunft. Wenn eine Kontrolle wegen eines Drogendelikts der Auslöser war, dann ist das nicht genug. 

Skandal-Nacht von Stuttgart: Am Ende sind die Gegner doch gleich!

Wir haben Regeln, an die wir uns halten müssen. Wir haben Ordnungshüter, die ihren Job machen - und meist gewissenhafter als in vielen anderen Ländern. Unsere Polizei ist sicher nicht fehlerfrei, aber sie leistet gute Arbeit. In dieser Nacht hat sie Schlimmeres verhindert und Unschuldige wohl meist beschützt. 

Die Polizei rief rund 200 Einsatzkräfte aus dem Umland als Verstärkung.

Ob sie Angst hatten? Bestimmt. Es sind auch nur Menschen, die zu Hause eine Familie haben. Viele der Randalierer wohl auch. Deren Eltern, Lebensgefährten, vielleicht Kinder machen sich wahrscheinlich auch Sorgen. Aktuell mehr denn je. Am Ende sind die, die in der Nacht Gegner waren, doch wieder gleich. Also welchen Sinn hatte die Horror-Nacht von Stuttgart? 

Ich bin neugierig und warte auf mehr Fakten. Aber ich habe auch Angst. Angst davor, dass wir ein Land werden, in dem solche Proteste und Ausschreitungen öfter geschehen - und letztendlich zur Gewohnheit werden. Die Horror-Nacht von Stuttgart sollte uns allen zu denken geben: Wie konnte es dazu kommen? Und wie können wir es vermeiden? Es wird uns noch eine Weile beschäftigen und sollte nicht in Vergessenheit geraten.

Skandal-Nacht von Stuttgart: Die Nachwirkungen sind spürbar

Was am Ende bleibt, ist Fassungslosigkeit. Auch bei Grünen-Politiker Cem Özdemir, der sich in einem Welt-Interview zur Krawall-Nacht in Stuttgart äußert.  Als ein pöbelnder Passant vorbeikommt, beginnt ein Wortgefecht. Später entschuldigt sich Özdemir dafür, bekommt auf Twitter aber viel Zustimmung für seine direkte Art.  

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