Polizeieinsatz in Corona-Zeiten

Illegal Eingereiste in Stuttgart geschnappt – dann folgt Quarantäne-Hammer für Polizei

  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Die Stuttgarter Polizei greift fünf Flüchtlinge auf. Sie sollen aus einem Flüchtlingslager in Serbien kommen - also aus einem Corona-Risikogebiet. Das hat Folgen, sowie für Geflüchtete als auch für beteiligte Polizisten. 

  • Am Dienstag kam es in Stuttgart zu einem Polizeieinsatz.
  • Fünf Flüchtlinge aus einem Lager in Serbien wurden dabei festgenommen.
  • Polizeieinsatz endet in Quarantäne für alle Beteiligten.

Stuttgart: Polizisten schnappen illegal Eingereiste - dann folgt Quarantäne-Hammer

Stuttgart - Corona: Der große Gleichmacher? Vor dem Coronavirus sind alle Menschen gleich? Über die Antwort auf diese Fragen lässt sich durchaus streiten. Nimmt man Amerika als Beispiel, so muss man unwillkürlich erkennen, dass das Virus dort die Klassengegensätze verstärkt. In Deutschland gelten aber andere Regeln und zumindest in einem Fall in Stuttgart gleicht Corona Menschen an. Denn: Nach Ergreifung von fünf Flüchtlingen müssen sowohl die illegal Eingereisten, wie auch die Polizisten in Quarantäne.

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Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen in Baden-Württemberg befindet sich in einem besorgniserregenden Aufwärtstrend. In Heilbronn ist bereits eine Coronavirus-Vorwarnstufe in Kraft, über die echo24.de* aktuell berichtet. Dieser Trend erschwert die ohnehin nicht einfache Arbeit der Polizei. Denn normalerweise ist die Ankunft Geflüchteter für die Stuttgarter Polizei nichts Ungewöhnliches. Sie werden registriert und in entsprechende Unterkünfte gebracht. Doch nicht in Zeiten der Corona-Pandemie. Was war bei diesem Polizeieinsatz genau passiert?

Polizeieinsatz in Stuttgart - Fünf Flüchtlinge als Fracht im Lkw

Ein 56 Jahre alter Fahrer war am Dienstagabend mit seinem Sattelzug aus Rumänien nach Stuttgart unterwegs. Gegen 19 Uhr traf er an seinem Ziel, an der Straße „Am Nordkai“, in Stuttgart ein. Wie die Polizei berichtet, öffnete der Fahrer die Plane seines Aufliegers, um abzuladen. Doch was er auf der Ladefläche entdeckte, war mehr als seine transportierte Fracht. Offenbar waren fünf junge Männer unbemerkt auf der Ladefläche mitgereist. Als sie den Mann erblickten, sprangen sie aus dem Lkw und ergriffen die Flucht über die Otto-Konz-Brücken in Richtung Karl-Benz-Platz in Stuttgart. Die alarmierten Polizeibeamten nahmen die jungen Männer wenig später am Bruckwiesenweg vorläufig fest.

Die illegal Eingereisten hatten keine Ausweispapiere und nur wenig Gepäck dabei, weshalb die Beamten sie zur weiteren Abklärung auf ein Polizeirevier in Stuttgart brachten. Dort gaben die Männer an, für längere Zeit in einem Lager in Serbien gelebt zu haben - also im momentanen Corona-Risikogebiet. Wo genau die Männer ihre abenteuerliche Fahrt mit dem Sattelzug begannen, ist noch unklar und Gegenstand weiteren Ermittlungen.

Polizeieinsatz in Stuttgart: Nach Festnahme - Geflüchtete und Polizisten in Quarantäne

Auch die Identität der mutmaßlich unerlaubt Eingereisten konnte nicht vollends geklärt werde, wie die Polizei Stuttgart mitteilt. Nach eigenen Angaben handelt es sich bei Geflüchteten um afghanische Staatsangehörige im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Soweit so gut und bis dahin nichts Außergewöhnliches. Aber in Zeiten der Corona-Pandemie spielt das Herkunftsland eine entscheidende Rolle.

Da die Tatverdächtigen mutmaßlich aus einem Risikogebiet einreisten, müssen Corona-Tests durchgeführt werden. Bis dahin werden die Fünf in Quarantäne untergebracht. Mit Folgen! Denn auch mehrere Polizisten müssen nach dem Einsatz in Quarantäne. Dabei handelt es sich um Beamte, die über einen längeren Zeitraum in Kontakt mit den Männern standen. Sie wurden vorsorglich vom Dienst freigestellt und befinden sich derzeit in Isolation.

Die Corona-Infektionszahlen steigen in Deutschland weiter an.

Die Gefahr sich mit dem Coronavirus anzustecken besteht für Polizisten aber nicht nur durch illegal Einreisende. Mit ein Grund dafür können Reiserückkehrer sein, die sich im Ausland infiziert haben und das Coronavirus teils unbewusst mit nach Deutschland bringen. Auch in Stuttgart wächst die Sorge, dass sich Reiserückkehrer vermehrt mit Covid-19 infizieren und das Coronavirus in Stuttgart weiter verbreiten . Jüngstes Beispiel sind acht junge Menschen, die in Stuttgart einen Geburtstag feierten, zuvor aber in der kroatischen Partyhochburg Novalja Urlaub machten und sich dort mit Covid-19 infizierten. Die Folge: Auf der darauffolgenden Party in Stuttgart infizierten die acht Jugendlichen weitere Personen mit SARS-CoV-2. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

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