Durchsuchung in 19 Wohn- und Geschäftsräumen

Polizei und Zoll mit Mega-Schlag gegen Autoschieber-Bande im Raum Stuttgart

  • Olaf Kubasik
    vonOlaf Kubasik
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Die Ermittler finden beim Mega-Schlag gegen Mitglieder der Autoschieber-Bande auch verschiedene Waffen.

  • Eine Autoschieber-Bande treibt im Raum Stuttgart ihr Unwesen.
  • Mit Fahrzeugen aus dem arabischen Raum werden Käufer abgezockt.
  • Ermittlern von Zoll und Polizei gelingt jetzt der Mega-Schlag.

Mega-Schlag der Kriminalpolizei Ludwigsburg und der Zollfahndung Stuttgart. Nach monatelangen, teils verdeckten Ermittlungen gegen eine deutsch-libanesische Bande erfolgte jetzt der Zugriff. 19 Wohn- und Geschäftsräume bei neun Tatverdächtigen in den Landkreisen Böblingen, Ludwigsburg, Stuttgart, Reutlingen, Rems-Murr-Kreis und Göppingen wurden durchsucht. Das Ergebnis fasst der leitende Kriminaldirektor Mathias Bölle zusammen: "Durch das professionelle Zusammenwirken von Polizei und Zoll ist es gelungen, ein international agierendes kriminelles Netzwerk zu zerschlagen."

Die Bande hatte hochwertige Gebrauchtfahrzeuge aus dem arabischen Raum gewinnbringend in Deutschland in Umlauf gebracht. Und das obwohl diese in Europa nicht zugelassen sind. Um an die notwendigen Papiere für die Autos zu erhalten, bestachen die Autoschieber Prüfingenieure im Großraum Stuttgart. Über eine Mitarbeiterin bei der Zulassungsstelle des Landratsamtes Böblingen wurden die Fahrzeuge dann kurzzeitig auf Strohmänner zugelassen. Dadurch hatten sie deutsche Zulassungsbescheinigungen - und konnten an gutgläubige Kunden verkauft werden.

Polizei und Zoll ist eine Autoschieber-Bande ins Netz gegangen, die im Großraum Stuttgart ihr Unwesen trieb.

Raum Stuttgart: Polizei und Zoll finden bei Autoschieber-Bande auch Waffen

Damit das kriminelle Geschäftsmodell den Käufern nicht auffällt, haben von der Autoschieber-Bande beauftragte Fachleute zuvor Ausstattungsabweichungen korrigiert. Von Seiten der Ermittler heißt es: "Dazu zählte etwa die Umprogrammierung arabischer Bordcomputer oder Navigationsgeräte, aber auch die Korrektur der angezeigten Laufleistung." Etwa 500 Fahrzeuge seien so von der Autoschieber-Bande in Umlauf gebracht worden. Die flog am Ende jedoch ebenso auf wie ein Drogendealer, der in der Region Heilbronn die Szene versorgte.

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Die Ermittler fackelten nicht lange - und kamen der Autoschieber-Bande genauso auf die Schliche wie in einem anderen Fall in der Region Heilbronn. Bei den Durchsuchungen der Wohn- und Geschäftsräume der Bande fanden die Ermittler rund 50.000 Euro Bargeld sowie verschiedene Datenträger und Unterlagen. Bei einem Tatverdächtigen konnten zwei Sturmgewehre russischer Bauart, Munition, zwei Handgranaten und ein Kleinkalibergewehr sichergestellt werden.  Die Überprüfung dauert noch an. Eine Person wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart bereits einem Haftrichter vorgeführt. Und der setzte den zuvor erlassenen Haftbefehl in Vollzug.

Verbindung nach Stuttgart: Ermittler schnappen in Berlin weitere Bande 

Zeitgleich zu diesen Durchsuchungen schlugen Ermittler des Zollfahndungsamts Berlin zu. Dort hatte sich ebenfalls eine deutsch-libanesische Bande gebildet, die mit der im Großraum Stuttgart kooperierte. Diese nutzte, wie es bei Clan-Kriminalität häufig vorkommt, vor allem deren Beziehungen bei der Beschaffung von Zulassungspapieren und Sachverständigengutachten. In Berlin wurden drei Haftbefehle vollstreckt.

Rubriklistenbild: © Annette Riedl/dpa

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