Neue Entwicklung im Dieselskandal

Nächste Klagewelle wegen Dieselskandal: Warum Daimler jetzt schon wieder Ärger bekommt 

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Gegen Daimler sind am Stuttgarter Landgericht im ersten Halbjahr 2020 fast 2.000 neue Dieselklagen eingegangen - Tendenz steigend. Zu den Hintergründen...

  • Am Landgericht Stuttgart ist die Zahl neuer Dieselklagen gegen Daimler auf Rekordniveau.
  • Neben Besitzern von Dieselautos klagen auch Daimler-Anleger auf Schadensersatz.
  • Neben Geld und Zeit ist vor allem der Imageschaden für Daimler ein großes Problem.

Daimler in Stuttgart: Hunderte neue Dieselklagen beschäftigen das Landgericht

Auch die Daimler AG bleibt vom Dieselskandal der Automobilbranche nicht verschont. Das zeigen die neuen Dieselklagen, die im ersten Halbjahr 2020 zu Hunderten am Stuttgarter Landgericht einschlagen sind. Laut Deutscher-Presse-Agentur sind es rund 1.700 Dieselklagen von Mercedes-Besitzern, die seit Anfang des Jahres am Landgericht eingegangen sind.

"Das sind bereits mehr Dieselklagen als im gesamten Jahr 2019 mit 1.500 Neueingängen", erklärt Gerichtspräsident Andreas Singer am Freitag. Und die fast 2.000 neuen Dieselklagen könnten nur die Spitze des Eisbergs sein. Der Grund: Die Zahl der Dieselklagen am Landgericht Stuttgart nimmt seit einem Jahr kontinuierlich weiter zu.

Daimler in Stuttgart: Dieselklage ist nicht gleich Dieselklage - das steckt dahinter

Eine neue Dieselklagewelle gegen die Daimler AG erreicht das Stuttgarter Landgericht.  

Hinter der klassischen Dieselklage steht meist ein Verfahren, in welchem ein Autobesitzer im Hinblick auf unzulässige Abgastechnik von der Daimler AG Schadensersatz verlangt. Aber auch andere Klagen, die beispielsweise auf angeblich fehlerhafte Widerrufsbedingungen in Finanzierungsverträgen anspielen, werden vom Stuttgarter Landgericht als Dieselklage gegen Daimler gewertet.

In diesem Fall fordern die Kläger meist die Rückabwicklung des Kaufs bei Daimler, also der Finanzierung. Oft steckt dahinter die Absicht, ein unliebsames Dieselauto loszuwerden. Der Grund: Kommende Fahrverbote wie in Stuttgart stellen Besitzer von Dieselautos vor eine große Herausforderung. Damit einher gehen sinkende Verkaufspreise für alte Dieselautos, die in Stuttgart keiner mehr fahren kann.

Dieselskandal und Coronavirus: Der Überlebenskampf für Daimler?

Laut Stuttgarter Nachrichten zum Dieselskandal kommen noch fast 100 Klagen von Anlegern hinzu, die im Zusammenhang mit der Dieselaffäre ebenfalls Schadenersatz von Daimler einklagen. Das heißt: Die Spannweite der neuen Dieselklagen ist groß. Zwar sind die Erfolgsaussichten der Kläger unterschiedlich, für Daimler bedeutet das aber trotzdem Geld-, Zeit- und vor allem Imageverlust. Bei einer Umfrage unter Schülern ist Daimler beim Ranking der beliebtesten Arbeitgeber von Platz 1 verdrängt worden

Hinzu kommen die Folgen der Coronavirus-Pandemie für die Daimler AG, die in vielerlei Hinsicht für Schlagzeilen sorgen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sparmaßnahmen der Daimler AG, welche auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausschließen. Das wiederum sorgt für Zoff mit dem Betriebsrat, was ebenfalls medienwirksam einen Imageverlust weiter begünstigt.     

Seit 1. Juli gilt in Stuttgart das Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5. Die Klage des Landes Baden-Württemberg beim Verwaltungsgericht, um das Diesel-Fahrverbot abzuwenden, bleibt erfolglos. Nun setzt sich die Regierung mit einer Vollstreckungsabwehrklage gegen dieses Urteil zur Wehr.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Pixabay

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