Comeback im Aufsichtsrat?

Daimler: Comeback in Stuttgart für Dieter Zetsche im Aufsichtsrat?

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Wird Dieter Zetsche neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Daimler AG in Stuttgart? Kritiker wollen sein Comeback verhindern und erheben schwere Vorwürfe.

  • Ex-Daimler-Vorstand Dieter Zetsche ist als neuer Aufsichtsratschef der Daimler AG im Gespräch.
  • Wie mächtig wäre Dieter Zetsche als Daimler-Aufsichtsratschef? echo24.de erkundigt sich.
  • Kritiker werfen Dieter Zetsche ein schlechtes Management vor und wollen ihn nicht im Aufsichtsrat.

Daimler in Stuttgart: Comeback von Dieter Zetsche steht kurz bevor

Die Stuttgarter Daimler AG kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. Erst vergangene Woche verkündete Daimler-Chef Ola Källenius einen Milliardenverlust in Folge von Diesel-Skandal und Coronavirus-Pandemie. Jetzt könnte ein noch massiveres Sparprogramm mit Personalabbau in der Daimler AG kommen.

Womöglich sogar mit Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche inklusive. Hintergrund: Der 66-Jährige wird als Nachfolger des scheidenden Aufsichtsratschefs Manfred Bischoff im Jahr 2021 ins Spiel gebracht. Die Nachfolge wolle der Aufsichtsrat der Daimler AG möglichst früh regeln, heißt es.

Daimler in Stuttgart: Wie mächtig wäre Dieter Zetsche im Aufsichtsrat?

Der Dax-Konzern Daimler könnte ab 2021 an Ex-Vorstands-Chef Dieter Zetsche als Aufsichtsratschef bekommen. Dagegen regt sich Widerstand.

Vom Aufsichtsrat der Daimler AG heißt es: "Der Aufsichtsrat beabsichtigt, der Hauptversammlung zu diesem Zeitpunkt die Wahl von Dieter Zetsche in den Aufsichtsrat vorzuschlagen." Bischoff wiederum würde Zetsche als Aufsichtsratschef der Daimler AG empfehlen, sein Zepter quasi weitergeben.

Aber wie mächtig wäre Dieter Zetsche als Aufsichtsratschef der Daimler AG? Fakt ist: Der Aufsichtsrat fungiert als Kontrollgremium der Daimler AG und ist somit an Entscheidungen des Daimler-Vorstands indirekt beteiligt. Denn neben seiner Funktion als Kontrollorgan nimmt der Aufsichtsrat auch eine Beratungsfunktion wahr.

Der Aufsichtsratschef der Daimler AG ist also auch aktiv an der geschäftlichen Entwicklung der Stuttgarter Daimler AG beteiligt. Er steht allen Daimler-Vorständen beratend zur Seite. Insofern haben der Aufsichtsrat und dessen Vorsitzender durchaus eine gewisse Machtstellung in der Stuttgarter Daimler AG.

Daimler in Stuttgart: Kritiker wollen Dieter Zetsche nicht im Aufsichtsrat

Und eben weil der Daimler-Vorstand durchaus Einfluss auf die Konzernspitze ausübt, sehen Kritiker die Wahl von Dieter Zetsche zumAufsichtsratschef der Daimler AG kritisch. Allen voran Ingo Speich, der Leiter für Nachhaltigkeit und Corporate Governance der Deka Investment, einer Sparkassengruppe.

Zetsche stamme aus der "Verbrenner-Welt", stehe für einen "viel zu späten Wandel hin zum Elektrozeitalter" und sei deshalb kein geeigneter Kandidat für den Aufsichtsratsvorsitz, erklärt Speich auf der Hauptversammlung der Stuttgarter Daimler AG am 8. Juli.

Daimler in Stuttgart: Das spricht gegen Dieter Zetsche im Aufsichtsrat

Für die Zukunft der Daimler AG brauche es laut Speich einen Kandidaten von Außen, jemanden mit neuen Ideen. Alte Daimler-Welt oder zukunftsorientiertes Zeitalter? Speich: "Das ist die Gretchenfrage." Auch die Fehlentscheidungen im Diesel-Skandal sprechen gegen Dieter Zetsche als Aufsichtsratschef.

Speich: "Durch die vielen offenen Rechtsverfahren sind die Interessenskonflikte, in denen Zetsche steckt, zu groß." Das mögliche Führungsduo Källenius/Zetsche bezeichnet Speich als "gefährliche Konstellation", die schon früher nicht funktioniert habe, als Källenius noch in der Entwicklungsabteilung war.

Daimler in Stuttgart: Zetsche-Kritiker in der Unterzahl – das sind die Entscheidungsträger

Ob Dieter Zetsche aber tatsächlich neuer Daimler-Aufsichtsratschef wird, entscheidet letztlich die Mehrheit der Aktionäre in der Hauptversammlung des Stuttgarter Autobauers. Und dort ist die Deka Investment mit nur knapp ein Prozent der Daimler-Anteile ein vergleichsweise kleines Tier.

Die größten Entscheidungsträger sind Großaktionäre aus Asien, die fast 22 Prozent der Daimler-Anteile innehaben. Ihre Meinung zur Zetsche-Frage dürfte wegweisend für die Zukunft des Stuttgarter Autobauers und seiner vom Sparplan gefährdeten Mitarbeiter sein.

Daimler in Stuttgart: Zetsche-Rückkehr "würde Daimler guttun"

Doch bisher gibt es von allen Großaktionären der Stuttgarter Daimler AG noch keine Stellungnahme zur Zetsche-Frage im Daimler-Aufsichtsrat. Dafür findet sich auch eine positive Stimme, die Dieter Zetsche als Aufsichtsratschef der Daimler AG begrüßen würde.

Und diese Stimme gehört Stefan Reindl, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft aus Geislingen. Er lobt Zetsche als Ex-Daimler-Vorstand und erklärt, Dieter Zetsche habe auch viele richtige Entscheidungen in seiner Zeit als Daimler-Vorstand getroffen - trotz Diesel-Skandal.

Reindl: "Dieter Zetsche habe Daimler als Vorstandschef zu neuer Größe geführt. Er weiß, wie man einen Konzern auf links dreht und wieder flott macht." Zuvor berichtete die Stuttgarter Zeitung über Dieter Zetsche und sein mögliches Comeback im Aufsichtsrat der Stuttgarter Daimler-AG ab 2021.

Neuer Aufsichtsratschef im Daimler-Konzern? Das macht Dieter Zetsche aktuell

Von Zetsche selbst ist derzeit wenig zu hören. Laut Stuttgarter Zeitung unterstützt er wohl "Stayonboard". Eine Initiative, die sich für die Elternzeit von Vorständen in börsennotierten Unternehmen einsetzt. "Wir müssen die Chefetagen menschlicher machen", lautet deren Forderung.

Sicher eine wegweisende Erkenntnis für Dieter Zetsche, wenn er tatsächlich im Chefsessel des Daimler-Aufsichtsrats sitzen sollte. Doch in Zeiten von Diesel-Skandal und Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg dürfte die Stayonboard-Forderung wohl erstmal Nebensache sein.       

Rubriklistenbild: © dpa/ Marijan Murat

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