Gegen den drastischen Abbau

Kampfansage in Stuttgart: Daimler-Betriebsrat spricht Klartext

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Folge der Coronavirus-Pandemie plant die Daimler AG in Stuttgart einen noch drastischeren Stellenabbau, auch Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Betriebsratschef Michael Brecht ist empört und macht eine deutliche Kampfansage. 

  • In Folge derCoronavirus-Pandemie sind mehr als 15.000 Stellen in der Daimler AG in Gefahr.
  • Der Daimler-Betriebsratschef spricht sich wegen des Coronavirus für eine Arbeitszeitverkürzung aus.
  • Der echo24.de-Redaktion erklärt Michael Brecht, welche Abteilungen betroffen sein könnten. 

Daimler in Stuttgart verschärft Personalabbau drastisch - trotz Beschäftigungsgarantie

Update vom 17. Juli: "Wir haben eine klare Vereinbarung zwischen Gesamtbetriebsrat und Geschäftsführung, in der die Beschäftigung bis ins Jahr 2030 gesichert ist." Das waren die Worte von Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht auf die echo24.de-Anfrage zum Thema verkürzte Arbeitszeit statt Personalabbau.

Doch in Folge der Coronavirus-Pandemie zieht die Konzernspitze jetzt drastische Konsequenzen und verschärft den Personalabbau in der Daimler AG weiter. Auch betriebsbedingte Kündigungen sind trotz vereinbarter Beschäftigungsgarantie nicht mehr ausgeschlossen. Das berichtet das Handelsblatt zu Daimler und der neuen Spar-Offensive der Konzernspitze.

Daimler in Stuttgart: Kündigung trotz Beschäftigungsgarantie: Betriebsratschef mit klarer Ansage

Brecht: "Das ist ein Tabubruch." Für Daimler-Chef Ola Källenius wird die Durchführung seiner Spar-Offensive also nicht einfach werden. Denn Daimlers Betriebsrat ist mächtig. Und besonders Michael Brecht gilt als kluger Kopf und zäher Verhandlungspartner. Wie es weitergeht? Ungewiss.

Sicher ist aber, dass in der aktuellen Situation wohl kaum ein Daimler-Mitarbeiter freiwillig die Segel streicht. "Wer jetzt von Bord geht, muss reichlich lebensmüde sein", erklärt ein Manager. Hintergrund ist die aktuell schwierige Lage am Arbeitsmarkt, die besonders für Beschäftigten in der Automobilbranche einfach zu unsicher ist.

Ein Kampf zwischen Konzernspitze und Betriebsrat ist fast schon absehbar. Auf der einen Seite der einflussreiche Betriebsrat, auf der anderen Seite die Daimler AG mit Milliardenverlusten und einem Konzernchef, der eine ganz klare Vision für die Zukunft hat. Und in dieser Vision gibt es eindeutig weniger Daimler-Mitarbeiter.   

Stuttgart: Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht für verkürzte Arbeitszeit

Update vom 14. Juli: Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg treffen die großen Automobilkonzerne im Südwesten mit voller Härte. Die Folgen reichen vom Gewinneinbruch in der Daimler AG bis hin zur anhaltenden Kurzarbeit im Audi-Werk Neckarsulm, über die echo24.de aktuell berichtet.

Kommt es bald zum befürchteten Personalabbau? Viel wird darüber spekuliert und Fakt ist: Das Thema Kündigung ist teils gar nicht mehr abwegig. Allein in der Daimler AG sind fast 15.000 Stellen in Gefahr. Im Betriebsrat schrillen bereits die Alarmglocken, auch eine Alternative wird bereits diskutiert.

Und die heißt Arbeitszeitverkürzung und könnte womöglich tausende Stellen im Daimler-Konzern vor der betriebsbedingten Kündigung  retten. Insbesondere in den Abteilungen, die wegen der Coronavirus-Pandemie eine "deutliche Unterauslastung" aufweisen, wie es Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht im Interview mit der echo24.de-Redaktion formuliert.

Stuttgart: Arbeitszeitverkürzung im Daimler-Konzern - welche Abteilungen könnten betroffen sein?

Die Arbeitszeitverkürzung als Mittel zur Beschäftigungssicherung: Zum Beispiel in der Produktion, wo wegen des Coronavirus aktuell die Nachfrage nach Autos sinkt und dementsprechend eine solche Unterauslastung im Daimler-Konzern herrscht. 

Brecht: "Aber auch die Verwaltungsbereiche mit möglichen Doppelstrukturen müssen angeschaut werden."

Voraussetzung dafür ist, dass der Vorschlag zur verkürzten Arbeitszeit von der Daimler-Konzernspitze beschlossen wird. Erst dann könne über eine genauere Ausgestaltung einer möglichen Arbeitszeitverkürzung gesprochen werden, erklärt Brecht ergänzend zu seinem Vorschlag.

Verkürzte Arbeitszeit im Daimler-Konzern: Das könnte auf betroffene Mitarbeiter zukommen

Bereits in der Finanzkrise 2008/2009 wurde die Arbeitszeit an allen Daimler-Standorten flächendeckend reduziert. Brecht: "Gleichzeitig wurde ein Teillohnausgleich für die entfallenen Stunden vereinbart." Ein ähnliches Vorgehen könnte sich Brecht auch jetzt in der Coronavirus-Zeit vorstellen.

Verkürzte Arbeitszeit und dafür keine Kündigungen. Das ist die Idee von Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Gegenüber der echo24.de-Redaktion äußert er sich zu Details.

Brecht: "Über ein mögliches Vorgehen in dieser Situation sprechen wir derzeit mit der Unternehmensleitung." Kommen Betriebsrat und Konzernspitze auf einen Nenner, könnte eine verkürzte Arbeitszeit tausende Stellen im Daimler-Konzern erhalten. Gute Erfahrungswerte liegen vor.

Stuttgart: Kurzarbeit im Daimler-Konzern: Darum ist eine Arbeitszeitverkürzung sinnvoll

Verkürzte Arbeitszeit und folglich weniger Geld - dafür aber eine Beschäftigungsgarantie. Das wäre der Preis, welchen die betroffenen Daimler-Mitarbeiter bezahlen würden. Der Betriebsrat hält die Arbeitszeitverkürzung für ein "sinnvolles Werkzeug", um die Folgen der Coronavirus-Pandemie abzumildern.

Brecht: "Aber auch wir verschließen uns nicht vor der Tatsache, die Kosten in unserem Unternehmen verringern zu müssen." Eine Kompensierung der Kosten in der Coronavirus-Zeit sei aber auch ohne betriebsbedingte Kündigungen durchführbar. Das aufzuzeigen sei das oberste Ziel.

Die verkürzte Arbeitszeit könnte helfen, dieses Ziel ohne betriebsbedingte Kündigungen zu erreichen. Brecht: "Darüber hinaus gibt es eine klare Vereinbarung zwischen Gesamtbetriebsrat und Unternehmen, in der die Beschäftigung bis ins Jahr 2030 gesichert ist."

Daimler in Stuttgart: Trotz Beschäftigungsgarantie droht Mitarbeitern die Kündigung

Erstmeldung vom 13. Juli: Die Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg lässt die Automobilbranche erzittern. Davon zeugen der dramatische Gewinneinbruch der Daimler AG und der generelle Umsatzrückgang der gesamten Branche. Und wenn es den großen Konzernen in Zeiten des Coronavirus schlecht geht, dauert es in der Regel nicht lang, bis auch die Mitarbeiter die Folgen einer solchen Unternehmenskrise zu spüren bekommen.

Ganz vorne mit dabei ist die Daimler AG in Stuttgart, wo mehr als 15.000 Stellen in Gefahr sind. Und jetzt wird bekannt: Trotz der vereinbarten Beschäftigungsgarantie sind Kündigungen längst nicht mehr ausgeschlossen. Mit ein Auslöser dafür sind die über die letzten Jahre hinweg aufgebauten Geschäftsstrukturen in der Daimler AG, kurz: Es geht um Überkapazitäten und Doppelstrukturen. Arbeitsplätze, die im Zuge eines Coronavirus-bedingten Stellenabbaus in der Daimler AG besonders in Gefahr sind.

Stellenabbau in der Daimler AG: So will der Betriebsrat Arbeitsplätze retten

Im Daimler-Betriebsrat schrillen deshalb die Alarmglocken. "Keiner der Männer und Frauen, die hier arbeiten, hat sich selbst eingestellt. Niemand hat seinen Aufgabenbereich und die Arbeitsabläufe selbstständig definiert", erklärt der Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Brecht: "Überkapazität und Doppelstrukturen sind nicht die Schuld der Daimler-Mitarbeiter." Vielmehr ist laut Brecht eine temporäre Arbeitszeitverkürzung sinnvoll, um die Folgen der Coronavirus-Pandemie für die Automobilindustrie in der Daimler AG abzufedern. Brecht: "Die Verkürzung der Arbeitszeit ist ein passendes Instrument für die jetzige Situation." Eine Maßnahme, die sich bereits in der Vergangenheit bewährte.

Daimler in Stuttgart: Projekt Arbeitszeitverkürzung - das könnte auf die Mitarbeiter zukommen

Hintergrund: Bereits in der Krise 2008/2009 wurde in der Daimler AG die Arbeitszeit an allen Standorten um 8,75 Prozent reduziert. Aufgrund der fallenden Nachfragen in der Coronavirus-Zeit erwartet Brecht eine ähnliche Unterauslastung der Daimler-Werke wie in der Finanzkrise. Gespräche über eine temporäre Arbeitszeitverkürzung in Zeiten der Coronavirus-Pandemie hält Brecht deshalb für sinnvoll. 

Aber darf der Arbeitgeber in Zeiten des Coronavirus einfach so die Arbeitszeit verkürzen? Grundsätzlich gilt: An den im Arbeitsvertrag vereinbarten Arbeitsstunden darf der Arbeitgeber einseitig nichts ändern. Es gibt aber Ausnahmen. Zum Beispiel dann, wenn im Arbeitsvertrag eine flexible Arbeitsstundenzahl vereinbart ist. Im Gegensatz zur Kurzarbeit ist die Arbeitszeitverkürzung auf längere Zeit ausgelegt.   

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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