Mehr Schwarzfahrer unterwegs

Coronavirus trifft Nahverkehr hart - mit dieser Folge rechnet niemand

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Infolge des Coronavirus steigt die Zahl der Schwarzfahrer im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Stuttgart. Die Konsequenz sind mehr Kontrollen.

  • Wegen des Coronavirus mussten Fahrgäste ihre Tickets am Smartphone ziehen.
  • Aus Gesundheitsgründen gab es kaum Kontrollen im ÖPNV.
  • In Stuttgart hatte das fatale Folgen.

Coronavirus Stuttgart: Immer mehr Schwarzfahrer im ÖPNV - SSB verstärkt Kontrollen

Wer in den vergangenen Wochen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Stuttgart unterwegs war, sah sich auch das ein oder andere Mal mit einer etwas ungewohnten Entscheidung konfrontiert. Denn aufgrund des Coronavirus war in den Bussen in Baden-Württemberg der vordere Eingang zum Schutz des Busfahrers gesperrt.

Eine Fahrkarte war somit meist nur über das Smartphone zu bekommen und ist - sofern die Technik mitspielt - schnell gelöst. Zudem wurden am Anfang der Coronakrise die Kontrollen in den Bussen und Bahnen des ÖPNV aus Gründen des Gesundheitsschutzes für das Personal ausgedünnt oder gar ganz eingestellt. Warum also ein Ticket kaufen, wenn man wahrscheinlich eh nicht kontrolliert wird?

Stuttgart: Doppelt so viele Schwarzfahrer wie vor dem Coronavirus

Diese Einstellung scheint bei einigen Fahrgästen in und umStuttgart offenbar hängengeblieben zu sein - und das, obwohl die S-Bahnen seit dem 11. Mai wieder nach dem Normalfahrplan fahren. Was dem ein oder anderem Schwarzfahrer entgangen sein mag, seitdem sind auch die Kontrolleure wieder regelmäßig unterwegs und das "mit einem beängstigenden Ergebnis", erklärt der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler gegenüber StN.de.

Im Vergleich zu den Zahlen vor der Coronakrise, hat sich die Zahl der Schwarzfahrer inzwischen verdoppelt. Zuvor lag die Quote der Fahrgäste ohne Ticket bei zwei bis drei Prozent, bei Stichproben der SSB freitagabends, wenn viel Partyvolk unterwegs ist, lag die Quote bei bis zu sieben Prozent. Die Verdopplung wird Konsequenzen haben, kündigt Wurmthaler an: "Die Bahn wird die Kontrollen deshalb massiv ausweiten!"

Stuttgart: Enormer Schaden durch Schwarzfahrer

Denn durch Schwarzfahrer entsteht dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart VVS durch entgangene Fahrscheineinnahmen jährlich ein Schaden von 15 Millionen Euro. Allerdings ist die Zahl der erwischten Schwarzfahrer in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Neben den zusätzlichen Kontrollen setzt der VVS zudem auf die neu entwickelte gläserne Trennscheibe, die den Busfahrer und die Fahrgäste trennt. 

Schwarzfahren ist nicht billig. 

Somit wird der Fahrscheinverkauf im Bus und die Kontrolle durch den Fahrer wieder ermöglicht. In den kommenden Wochen soll die Trennscheibe in allen 1.500 Bussen im VVS-Linienverkehr im Einsatz sein. 

Stuttgart: Weniger Fahrgäste, aber mehr Schwarzfahrer

Gerade jetzt während der Corona-Krise, wenn die Einnahmen aufgrund der rückläufigen Fahrgastzahlen besonders wichtig sind, haben die Verluste durch Schwarzfahrer einen besonders starken Einfluss. Wurmthaler erwartet hier nur eine langsame Steigerung: "Wir werden Ende 2020 noch nicht das Niveau von 2019 erreicht haben."

Neben dem von der Landesregierung in Baden-Württemberg beschlossenen 200-Millionen-Euro-Rettungsschirm fordern die Kommunen und Verkehrsbetriebe noch einmal dieselbe Summe vom Bund. Andernfalls gebe es Ende des Jahres keinen Busverkehr mehr. Die positive Nachricht ist aber: Ab dem 19. Juni sollen die S-Bahnen in und um Stuttgart auch wieder nachts fahren.

Rubriklistenbild: © Edith Geuppert/dpa

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