Corona-Demos in Stuttgart

Judenstern bei Corona-Demos: Stuttgart droht mit Konsequenzen - "abscheulich und widerlich"

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Stuttgart tragen Teilnehmer auf Demos gegen die Coronavirus-Verordnung vermehrt eine abgewandelte Version des Judensterns. Jetzt reagiert die Stadt.    

  • Auf Corona-Demos tragen Demonstranten vermehrt den Judenstern als Symbol der Ausgrenzung.
  • Die Stadt Stuttgart will das nicht länger dulden und denkt über ein Verbot nach.
  • Religionsgemeinschaften haben zum Judenstern auf Corona-Demos eine klare Haltung. 

Stuttgart: Judenstern auf Coronavirus-Demos - Stadt macht klare Ansage

Die Maßnahmen in der Coronavirus-Verordnung von Baden-Württemberg schränken das öffentliche Leben der Menschen stark ein. Viele wollen das nicht länger hinnehmen und demonstrieren gegen die Auflagen der Landesregierung. Unlängst gesellen sich auch Impfgegner, Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker zu den Demonstranten, die zu tausenden in Stuttgart gegen die Coronavirus-Maßnahmen protestieren.

Vermehrt taucht in deutschen Corona-Demo-Hotspots jetzt ein Symbol aus der Nazizeit auf: der Judenstern. Vor allem Impfgegner tragen das Symbol in einer abgewandelten Version und wollen damit auf Ausgrenzung aufmerksam machen. Hintergrund ist die Idee von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der geimpften Menschen mehr Freiheiten zugestehen wollte. Vorausgesetzt, es gibt eine Impfung.

Stuttgart: Stadt könnte Judenstern auf Coronavirus-Demos verbieten 

Manche Impfgegner sehen das als Diskriminierung und sehen scheinbar parallelen zwischen Coronavirus-Maßnahmen und dem Grauen, das Juden im dritten Reich erfahren mussten. Einige Städte gehen jetzt hart dagegen vor. München beispielsweise verbietet das Tragen sogenannter Judensterne auf den Demos gegen die Corona-Regeln. Auch Stuttgart nimmt das Thema jetzt ins Visier.

Heißt: Wenn Demonstranten in Stuttgart das Symbol vermehrt tragen, könnte die Stadt ebenfalls ein Verbot erlassen. Das erklärt Pressesprecher Sven Matis gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Dass der Judenstern auf Stuttgarter Demos getragen wird, zeigen die zurückliegenden Demonstrationen in Stuttgart, auf denen Impfgegner mit diesem Symbol unterwegs waren.

Judenstern auf Stuttgarter Demos: Das ist der Hintergrund

Im Nationalsozialismus waren Menschen jüdischen Glaubens gezwungen, sich in der Öffentlichkeit als Jude zu kennzeichnen. Impfgegner oder Kritiker haben das Symbol jetzt wieder aufgegriffen und mit der Aufschrift "Impfgegner" versehen. Auf den kommenden Coronavirus-Demos werde man jetzt verstärkt auf das Tragen der Judensterne achten und gegebenenfalls mit einem Verbot reagieren, erklärt Matis.

Auf Corona-Demos in Stuttgart taucht wohl der Judenstern auf. Jetzt will die Stadt verstärkt darauf achten.

Dabei ist der Judenstern auf Demos in Stuttgart nichts Neues. Grund: Schon im vergangenen Jahr waren Menschen auf den Dieseldemos gegen die Fahrverbote in Stuttgart vereinzelt mit solchen Sternen und der Aufschrift "Dieselfahrer" aufgetaucht waren. Damals gab es vonseiten der Stadt kein Eingreifen - jetzt die Kehrtwende in Richtung Verbote. 

Demonstranten mit Judenstern in Stuttgart: Religionsgemeinschaft mit klarer Meinung

Matis: "Wenn zwischen der Politik der Bundesregierung und dem Naziregime Parallelen gezogen werden, ist das eine Verunglimpfung der Opfer und die Verharmlosung der Gräueltaten des Naziregimes." Das werde man nicht dulden. Ähnlich klar äußert sich Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg zum Tragen des Judensterns auf Corona-Demos.

Traub: "Das Schild Davids oder Davidstern ist ein im Judentum sehr bedeutsames Symbol. Nicht umsonst wurde es von den Nationalsozialisten bewusst missbraucht und so zugleich zu einem der Symbole des millionenfachen Mordes an jüdischen Menschen. Dass es jetzt, 75 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft erneut missbraucht wird, ist abscheulich und widerlich."

Judenstern-Verbot auf Corona-Demos: Ist das rechtlich möglich?

Das Verbot für Judensterne auf den Corona-Demonstrationen in Stuttgart könnte in Zusammenhang mit den Auflagen für Versammlungen verhängt werden. Auf diese Weise handhabt das auch die Stadt München, wo ein Verbot für das Tragen von Judensternen auf Corona-Demos schon seit Ende Mai gilt. In Stuttgart sind am Wochenende wieder zwei Demos zum Thema Coronavirus angemeldet.

Auch dort könnte der Judenstern wieder Thema sein, wenn die Demonstranten auf dem Karlsplatz wiederholt gegen die Coronavirus-Maßnahmen der Landesregierung demonstrieren.    

Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd kommt die "Black lives matter"-Bewegung in Stuttgart an. Am Samstag, 6. Juni, finden zwei Demos statt. Im Anschluss an die Demos in Stuttgart kam es am Samstag zu einigen unschönen Zwischenfällen.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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